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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 05:00 Uhr

Hilfsaktion : Drahtesel für 88 Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Amt Wilstermarsch würdigt Spendenaktion als tollen Erfolg. Jetzt werden vor allem noch Kinder- und Jugendfahrräder gesucht.

shz.de von
erstellt am 10.Mär.2016 | 17:17 Uhr

„Was da dem Amt an Geld gespart wurde... .“ Was Amtsvorsteher Helmut Sievers so ins Schwärmen bringt, ist das Engagement von Frank Lamberty. Der Inhaber des gleichnamigen Fahrradhauses hat inzwischen 88 Flüchtlingen zu Mobilität verholfen. Nach diversen erfolgreichen Spendenaufrufen – auch in unserer Zeitung – hatten viele Menschen aus der Wilstermarsch ausgediente Drahtesel abgegeben. Lamberty und sein Team – zum Teil auch unter tatkräftiger Mithilfe von Bewohnern des benachbarten Hauses Elim – haben die Räder kostenlos wieder flott gemacht. In barer Münze umgerechnet, hat das Fahrradhaus inzwischen schon 4500 Euro in die Wiederherstellung der Räder gesteckt. „Die Zusammenarbeit in der Wilstermarsch funktioniert prima“, versteht Lamberty auch dies als Ansporn. Er erinnert daran, dass der Gewerbeverein zum Beispiel Sicherheitswesten spendiert habe und die Fahrschule Krüger kostenlos Verkehrsunterricht erteile. „Diese Menschen sind ja schließlich nicht freiwillig hier. Da ist es wichtig, wenn man ihnen das Leben ein bisschen erleichtern kann.“

„Im Schnitt sind so pro Monat zehn verkehrstüchtige Fahrräder auf die Straße gebracht worden“, rechnet der Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes, Thorsten Franck, den Erfolg der vor neun Monaten gestarteten Aktion vor. Was ihn besonders freut: Die Flüchtlinge sind auf verkehrstüchtigen Rädern unterwegs. „In anderen Orten sieht man immer wieder, wie dort die letzten Gurken im Einsatz sind.“ Das konnte auch der Amtsvorsteher aus eigener Beobachtung nur bestätigen. „Immer, wenn ich jetzt in der dunkleren Jahreszeit einen Flüchtling auf einem Fahrrad sehe, hat auch das Licht gebrannt.“ Im Namen des Amtes sprach Helmut Sievers Frank und Petra Lamberty seinen Dank aus und überreichte Blumen und ein kleines Präsent.

„Für die Menschen, die zu uns gekommen sind, ist der Gewinn an Mobilität ein Quantensprung“, weiß auch Flüchtlingsbeauftragter Knud Jüstel. Er nutzte gleich die Gelegenheit, bei Frank Lamberty in dessen Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Gewerbevereins nach Ausbildungs- oder Praktikumsstellen zu fragen. „Das Problem ist noch immer die Sprachbarriere“, wies der auf eine Hürde hin. Gleichwohl will er das Thema in seinem Verein platzieren. „Viele gehen regelmäßig zum Deutschunterricht. Sie machen da schon große Fortschritte“, warf Jüstel noch ein.

Was die Fahrradaktion betrifft, will Frank Lamberty „auf jeden Fall weitermachen“. Nach wie vor sei der Bedarf vorhanden. Gespendete Räder sind also weiterhin willkommen. Allerdings sollten diese mit einem noch vertretbaren Aufwand wieder flott zu machen sein.

Die Zuteilung erfolgt über die Amtsverwaltung. Hier bekommen Flüchtlinge ein entsprechendes Schreiben mit dem sie dann bei Lamberty ein gebrauchtes Zweirad abholen können. „Dringend gebraucht werden noch Kinder- und Jugendfahrräder“, sagt Petra Lamberty. Allerdings sei schon zu beobachten, dass wohl viele Keller und Garagen in der Wilstermarsch schon leergeräumt sind. Farbe oder Ausstattung spiele bei den Rädern aber gar keine Rolle. „Hauptsache, es fährt. Dann sind die richtig happy“, so Frank Lamberty.

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