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Bildungspolitik : Doppel-Schul-Modell erfolgreich

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gymnasialdirektor Hartmut Appel plädiert für Abitur nach 12 und nach 13 Jahren – wie es durch eine Kooperation in Glückstadt bereits praktiziert wird.

„Ich hoffe auf die richtige Entscheidung für unser Modell“, sagt Hartmut Appel. Der Direktor des Detlefsengymnasiums macht keinen Hehl daraus, dass er für G8 ist – für das Abitur nach acht Jahren Schule am Gymnasium. Auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit für Schüler der Elbschule, nach sechs Jahren Gemeinschaftsschule auf das Detlefsengymnasium wechseln und dort nach weiteren drei Jahren das Abitur abzulegen (G9). Beide Schulen pflegen seit vielen Jahren damit ein „erfolgreiches Modell“, sagt Appel.

In der vergangenen Woche wurde der Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung unterschrieben. Für die Gymnasien im Land hat sich die so genannte Jamaika-Koalition die Rückkehr zum Abitur nach insgesamt 13 Schuljahren (G9) vorgenommen. Mit dem Kompromiss, dass die Schulkonferenzen letztlich entscheiden können. „Diese setzten sich zu je einem Drittel aus Lehrern, Eltern und Schülern zusammen“, erklärt Appel. Noch werde von Juristen geprüft, ob die entscheidende dreiviertel Mehrheit für eine Entscheidung ausschlaggebend ist. „Wir werden sehen, wie es kommt“, nimmt er es zurzeit gelassen. Denn die Wiedereinführung für ein Abitur nach 13 Jahren werde erst 2019/2020 kommen. „Wir müssen uns gesellschaftlich an einen runden Tisch setzen und diskutieren – das wäre meine Vorstellung“, sagt Hartmut Appel.

Appel ist ein klarer Befürworter von G8. Die politische und gesellschaftliche Diskussion bezeichnet er als „völlig verfehlt“. Die Probleme, die es vermeintlich gäbe, hätten nur am Rande mit G8 und G9 zu tun. G8 bedeute eine Ganztagsschule, G9 hieße, dass Kinder bereits mittags nach Hause gehen, wo keiner wartet – „ins Nichts“.

Die Ganztagsschule bietet aus seiner Sicht Chancengleichheit für alle, unter anderem für Hochbegabte wie auch für Inklusionsschüler. In der Schule lernen sie und werden betreut. Sie bekommen Anreize. Die Argumente dagegen – mehr Freizeit und eine verlorene Jugend – sind für Appel „Alibis“. Nach neuen Erhebungen würden Schüler sieben bis acht Stunden am Tag das Handy nutzen und Spiele am Computer spielen. „Schule stört bei solchen Freizeitaktivitäten“, stellt er fest.

„Und auch das Familienbild stimmt nur noch zu 50 Prozent“, sagt der 62-Jährige über Kinder, die mittags zu Hause essen sollen. Wenig Verständnis zeigt er für die Mütter, die darauf pochen. Ihm ist aufgefallen, dass sich nur die Mütter in der Diskussion um G8 und G9 zu Wort melden, aber kaum Väter. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer Zweiklassengesellschaft. Auch ist ihm aufgefallen, dass eine bestimmte Klientel bei G9 das Wort führt. „Dass Mutti zu Hause mittags kocht und der Sport in Vereinen, das sind noch heilige Kühe“, sagt er zu gesellschaftlichen Strukturen. „Weniger Nachmittagsunterricht bedeutet auch, dass Kinder zu Hause sind, die eigentlich Betreuung brauchen“, sagt Appel zum Thema Sozialverhalten. Und wird nachmittags Schule angeboten, können Frauen verlässlicher arbeiten.

Auch das Argument, die Kinder hätten kaum Zeit für Sport in Vereinen, lässt er nicht gelten. „Die Schüler haben keinen Bock auf die Angebote der Vereine. Deutsche Vereine sind in Europa ein Unikat.“ Sport in Schulen sei in anderen Ländern selbstverständlich. „Alle europäischen Länder haben G8.“

Und eines gibt er noch zu Bedenken bei einer Rückkehr zu G9: „Die Frage ist, ob wir dann noch eine Mensa brauchen.“ Für ihn ist es richtig, dass es eine gibt. Er nutzt sie auch. Und freut sich beim Essen auf Gespräche mit Schülern, die gestern allerdings auch gern hitzefrei gehabt hätten.

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erstellt am 20.Jun.2017 | 05:19 Uhr

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