zur Navigation springen

Beschwerdestelle : Dolmetscher bei Missverständnissen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Beschwerdestelle für den Kreis Steinburg vermittelt zwischen psychisch Erkrankten und Einrichtungen und Behörden, wenn es Probleme gibt. Oft hakt es einfach an der Kommunikation.

von
erstellt am 21.Okt.2013 | 17:15 Uhr

Eine unbedachte Äußerung und das Gegenüber ist gekränkt. Auch wenn man dieselbe Sprache spricht, versteht man einander eben nicht immer. Im Privaten lassen sich Probleme noch beim Abendessen ausdiskutieren. Was aber, wenn es bei Behördengängen zu Missverständnissen kommt? Der Antrag abgelehnt wurde? Als eine Art Dolmetscher tritt bei Beschwerden und Anregungen zum psychiatrischen/psychosozialen Versorgungssystem im Kreis Steinburg die Beschwerdestelle auf. Sie versucht zu vermitteln, wenn die Fronten verhärtet sind. Bei der unabhängigen Beschwerdestelle finden Bürger Gehör, wenn sie mit Behördengängen nicht zurecht kommen, unzufrieden sind mit der Unterbringung oder der Behandlung.

Seit sieben Jahren gibt es die Beschwerdestelle im Kreis Steinburg bereits. „Wir wollen schlichten, vermitteln und auch kritisieren“, erklärt Eva Gruitrooy, eines von insgesamt neun Mitgliedern der Beschwerdestelle – alle sozial erfahrene Personen. Die Einrichtung will besonders seelisch erkrankte Menschen unter die Arme greifen. Das Problem: „Eine psychische Erkrankung sieht man einem Menschen nicht an.“ Wenn eine Leistung beispielsweise nicht genehmigt wird, sei das keine ausweglose Situation, sondern oft ein Kommunikationsproblem. „Wir möchten die Menschen sensibilisieren“, sagt Ulrike Lahrmann von der Beschwerdestelle. Neben der Unterstützung für psychisch Kranke geht die Beschwerdestelle deshalb seit kurzem auch neue Wege. „Wir laden Personen aus den Einrichtungen und Institutionen zu einem Gespräch ein, damit auch die Behörden wissen, dass es uns gibt. Wir stehen auch gerne beratend zur Verfügung“, so Walther Hennings.

Bürger, die Schwierigkeiten mit Einrichtungen im psychiatrischen/psychosozialen Versorgungssystem haben, können die Beschwerdestelle anrufen. „Die Bürger stehen nicht alleine da“, macht Mitglied Jutta Ohl deutlich. In der Gruppe wird jeder Fall mit dem Beschwerdeführer zeitnah und vertraulich besprochen. Gemeinsam wird dann entschieden, welche zwei Mitglieder den Fall übernehmen und wie weiter vorgegangen werden soll. Zu dritt geht es dann für ein Gespräch zu der Behörde, mit der die Person Probleme hat. „Wir treten nicht mit erhobenem Zeigefinger auf, sondern als neutrale Vermittler“, informiert Jutta Ohl. „Wir gucken, wie die Sachlage ist und hören uns alle Auffassungen an. Wie sieht der eine, wie der andere die Situation. Beides versuchen wir dann zusammenzubringen“, beschreibt Eva Gruitrooy das Vorgehen. „Im Idealfall sind am Ende alle zufrieden.“ In den meisten Fällen mit positivem Ausgang, wie Beschwerdestelle-Mitglied Ulrike Lahrmann erklärt: „Immer wieder gibt es Fälle, wo die Gesprächspartner sagen: So habe ich das gar nicht gesehen.“

> Kontakt: Walther Hennings (Sozialpsychiatrischer Dienst: 04821/69276), Jan Kempermann (Pastor, 04826/376164), Bärbel Juister (Kreisvertreterin des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtverbandes, 04822/5146), Haike Struve (Rentnerin, ehemalige Mitarbeiterin im sozial-psychiatrischen Wohnhaus, 04821/3284), Eva Gruitrooy (Brücke Schleswig-Holstein, 04821/679111), Jens Weber (Kreissozialamt, 04821/69409), Ulrike Lahrmann (Sozialpsychiatrische Initiativen, 04821/4030211), Jutta Ohl (ehemalige Gleichstellungsbeauftragte 04821/78154) und Waltraut Seurich (Rentnerin 04822/7693)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen