Landratswahl in Heide : Dithmarscher Jung’ übernimmt das Ruder

Der Nachfolger für Jörn Klimant (r.) ist gefunden. Kreispräsident Hans-Harald Böttger (l.) überreicht Stefan Mohrdieck im Namen des Dithmarscher Kreistags einen Blumenstrauß.
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Der Nachfolger für Jörn Klimant (r.) ist gefunden. Kreispräsident Hans-Harald Böttger (l.) überreicht Stefan Mohrdieck im Namen des Dithmarscher Kreistags einen Blumenstrauß.

Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck setzt sich gegen Husumer Peter Becker durch: Parteiübergreifend herrscht Zufriedenheit mit dem Ergebnis.

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20. Januar 2018, 16:00 Uhr

Stehende Ovationen für Dithmarschens zukünftigen Landrat: Kaum hatte Kreispräsident Hans-Harald Böttger das Ergebnis des dritten Wahlgangs verlesen – Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck (50, parteilos) hatte mit einfacher Mehrheit von 24 gegen 23 Stimmen seines Mitbewerbers Peter Becker (49, CDU) aus Husum gewonnen – brandete Applaus auf. Parteiübergreifend.

Abgehakt war die Konkurrenz zwischen der CDU, die seit dessen Bewerbung im Oktober Becker unterstützt hatte, und der Allianz von SPD, Grünen, FDP, Unabhängiger Wählergemeinschaft Dithmarschen (UDW) sowie Linke, die kurz vor Weihnachten Mohrdieck ins Spiel gebracht hatte. Das sei eben auch kennzeichnend für den Kreistag, befand Noch-Landrat Jörn Klimant, der die Kreisverwaltung nach 22 Jahren an der Spitze zum 1. Juni verlässt. Klimant wechselt als Arbeitsdirektor in den Vorstand des Energieversorgers Hanse-Werk in Quickborn. „Bei uns gibt es traditionell eine gute Zusammenarbeit von Verwaltung und Selbstverwaltung.“

Mit Blick auf Mohrdiecks knappes Ergebnis, erklärte Klimant: „Ich weiß, wie das ist, mit einer Stimme Mehrheit zu gewinnen.“ Das sei am Ende aber nicht mehr bedeutend. Und Mohrdieck hatte betont, dass er als Parteiloser ein Landrat für alle sein wolle, „auch für die, die mich heute nicht gewählt haben“. Weiter sagte er: „Es war ein sehr aufregender Abend mit einem glücklichen Ende. Ich hatte vermutet, dass es eng werden würde, zumal es sich ja auch angekündigt hatte. Den Ausgang in einer so wichtigen Entscheidung kann nun mal niemand vorausberechnen.“

Große Enttäuschung indes bei Peter Becker. Der Husumer CDU-Mann hatte sich beste Chancen ausgerechnet, die Dithmarscher Kreistagsfraktion der Union stand durch alle – geheimen – Wahlgänge geschlossen hinter ihm. Das genügte nicht. Mohrdieck lag stets vorn, auch als im ersten Wahlgang zwei der 47 Stimmen ungültig waren. Danach hieß es im zweiten Wahlgang 24 zu 23 für Mohrdieck, auch hier hätten es mindestens 25 Stimmen sein müssen. Im dritten Durchgang genügte die einfache Mehrheit. Becker ging mit seiner Bewerbung volles Risiko. Ende 2017 war er als Geschäftsführer der Husum-Messe ausgeschieden. Aktuelle Bewerbungen habe er zu Gunsten des Landratspostens nicht verfolgt. „Es war nicht mehr drin. Ab morgen muss ich mir Arbeit suchen“, sagte Becker am Donnerstag kurz nach 21 Uhr. Immerhin, er dürfte gut vernetzt sein in der Wirtschaft. Das hatte Becker in seiner zehnminütigen Vorstellungsrede deutlich gemacht.

Am Ende setzte sich dann doch der „Dithmarscher Jung’“ Mohrdieck durch, wie CDU-Fraktionsvorsitzender Volker Nielsen befand. „Der wird seinen Job gut machen.“

Sein Fraktionskollege Peter Hollmann, zugleich Ratsherr in Brunsbüttel, betonte: „Die CDU hatte mit Peter Beckers Kandidatur ein Angebot gemacht.“ Andererseits hege er jetzt die Erwartung, dass Mohrdieck als Landrat aus Brunsbüttel mehr Gewicht für den Süden des Kreises bedeuten könne, der immerhin das landesweit größte Industriegebiet beherberge. Dass die Schleusenstadt nun einen neuen hauptamtlichen Bürgermeister braucht – Mohrdieck war erst vor einem Jahr für weitere sechs Jahre wiedergewählt worden – bedeutet für Hollmann in den nächsten Monaten einiges an Zusatzbelastung. Er ist ehrenamtlicher Stellvertreter des Bürgermeisters.

Mohrdieck ist guter Dinge, dass ihm im Juni ein schneller Start gelingen wird. „Ich habe Lust darauf, auf einer anderen Ebene Verantwortung für die Region zu übernehmen.“ Und: „Ab Juni geht es an die Arbeit. Mich bewegen viele Themen, die die Zukunft und Lebensqualität des Kreises entscheiden werden.“

Gute Ratschläge wolle er seinem Nachfolger nicht mit auf den Weg geben, betonte Jörn Klimant. „Er muss seinen eigenen Weg für die Kreisverwaltung finden. Dazu wird er ein hervorragendes Team hinter sich haben.“

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