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Dithmarscher Gänsebetrieb kämpft mit den Folgen der Geflügelpest

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

von
erstellt am 28.Apr.2017 | 15:06 Uhr

Glückliche Zuchtgänse aus Eddelak: Dithmarscher Geflügel GmbH & Co.KG startet neu durch. Anstrengende Monate liegen hinter aber auch vor dem Unternehmen aus Gudendorf. Die Vogelgrippe habe den Betrieb „böse erwischt“, räumt Firmeninhaber Lorenz Eskildsen ein. 2400 Mastgänse und 1500 Zuchtgänse mussten getötet werden.

Daraus resultierend konnte die eingeplante Nachzucht von 75  000 Gänseküken nicht auf den Markt gebracht werden. „Der Umsatz in unserem angesiedelten Gastronomiebereich wurde fast auf null gefahren“, so Eskildsen. Auf der anderen Seite erforderte der Ausnahmezustand einen enorm hohen zusätzlichen personellen Aufwand. Der wirtschaftliche Schaden ist hoch. Die genaue Summe lässt sich derzeit noch gar nicht richtig beziffern. Alleine 300  000 Euro fehlen dem Unternehmen aus dem vorgesehenen Verkauf der Küken. Die Entschädigungssumme der Tierschutzkasse Schleswig-Holstein beläuft sich auf 75  000 Euro. Eskildsen: „Das deckt den uns bislang entstandenen Schaden nicht ansatzweise.“

Anstrengend waren die vergangenen Monate nicht nur aufgrund der Sorge um die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens, die unweigerlich aufkeimte. „An unseren Kräften zehrte auch die Tatsache, dass wir Tausende gesunder Tiere einfach so töten mussten. Eine amtliche Anweisung“, sagt der Geflügelzüchter, der sich aus Überzeugung für artgerechte Tierhaltung in seinem Unternehmen entschieden hat.


Gesunde Vögel geopfert


Das Vorgehen von Politik und Behörden stößt nicht nur bei ihm und seinen über 100 Mitarbeitern auf Unverständnis. „Die Art und Weise wie man gegen die Vogelgrippe vorgegangen ist, hat lediglich Ängste bei den Verbrauchern geschürt und Unmengen gesunder Vögel das Leben gekostet“, so Eskildsen. „Noch vor zehn Jahren, wären diese Tiere mit dem Leben davongekommen.“

Die Massenkeulung sei ein Ergebnis aus der Änderung der Geflügelpestverordnung von 2006. Eine Differenzierung der in unterschiedlichen Formen und Gefährdungsgraden auftretenden Viren erfolge nicht. Davor wurden lediglich Tiere getötet, die eindeutige Krankheitszeichen aufzeigten.

Umstritten sei die Geflügelpestverordnung nicht nur bei Züchtern, sondern ebenfalls bei Wissenschaftlern, so Eskildsen. Die Effektivität der Maßnahmen sei in keiner Weise nachgewiesen.

Obwohl sich aktuell die Lage entspannt, sieht Lorenz Eskildsen mit großer Besorgnis in die Zukunft. Der für eine Million Euro in Brunsbütteler Nachbargemeinde Eddelak errichtete 1500 Quadratmeter große Aufzuchtstall mit Wintergarten und einem Pool für die dort untergebrachten Gänse steht leer. Im Dezember sollte die dort erste Generation Zuchtküken einziehen. Doch nun werden dort erst im Frühjahr 2018 Küken produziert werden können.

„Wir machen mit gemischten Gefühlen weiter“, so Eskildsen. Zum einen liegt das an der Angst vor einem erneuten Ausbruch des Virus. Zum anderen sorgt die derzeit diskutierte Einführung der allgemeinen Stallpflicht für Geflügel für ein beklemmendes Gefühl. Diese hätte auch für das Dithmarscher Unternehmen existenzbedrohende Auswirkungen.Er fordert eine Sonderregelung für Gänse, deren artgerechte Aufzucht nur in der Freilandhaltung gewährleistet ist. Zudem verlaufe die Aufzucht antizyklisch zu der Übertragungszeit der Vogelgrippe.

Das in vierter Generation geführte Familienunternehmen Dithmarscher Geflügel Produktions-, Handels- und Beratungsgesellschaft ist längst auf dem Weltmarkt angekommen. Die „Dithmarscher Gans“ ist zu einem Gütezeichen geworden, steht für artgerechte Tierhaltung und hohe Qualität.

Rund 25 000 Tonnen Gänsefleisch werden pro Jahr in Deutschland verzehrt. Der Großteil davon kommt aus Polen und Ungarn. Beide Länder dominieren den Markt. Von artgerechter Tierhaltung seien die Unternehmen dort meist weit entfernt. Das schlage sich im günstigen Preis nieder, den der Verbraucher leider oft bevorzuge.

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