Landrat verabschiedet sich : Dithmarscher aus Überzeugung

Der scheidende Landrat Jörn Klimant erhält von Kreispräsident Hans-Harald Böttger (l.) die Dithmarscher Verdienstmedaille und vom Leitenden Kreisverwaltungsdirektor Christian Rüsen eine Truhe voller guter Wünsche der 560 Mitarbeiter der Kreisverwaltung.
Der scheidende Landrat Jörn Klimant erhält von Kreispräsident Hans-Harald Böttger (l.) die Dithmarscher Verdienstmedaille und vom Leitenden Kreisverwaltungsdirektor Christian Rüsen eine Truhe voller guter Wünsche der 560 Mitarbeiter der Kreisverwaltung.

Landrat Jörn Klimant verabschiedet: Viele lobende Worte für einen Macher mit ausgeprägtem Hang zum Konsens.

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13. Mai 2018, 10:00 Uhr

Mehr als ein Dithmarscher könne der Mensch nicht werden, pflegte der frühere Kreispräsident Karsten Peters zu sagen. Im Westküstenkreis geboren zu werden, ist dafür natürlich die Voraussetzung. Doch es gibt seit Mittwoch zumindest eine Ausnahme: Der scheidende Landrat Jörn Klimant, der das Kreishaus an der Stettiner Straße in Heide mit Ablauf des Monats verlässt und als Arbeitsdirektor im Vorstand des Energieunternehmens Hansewerk in Quickborn eine neue Aufgabe übernimmt. Klimant ist jetzt gewissermaßen Dithmarscher ehrenhalber. Das unterstrichen bei seiner Verabschiedung am Mittwochabend nicht nur die zahlreichen Redner. Der gebürtige Kieler erhielt aus den Händen von Kreispräsident Hans-Harald Böttger die Dithmarscher Verdienstmedaille. Die bekommt nicht jeder.

Klimant, der 1996 die Nachfolge von Hans-Jacob Thiessen antrat, hat sich die Auszeichnung offenbar mit solider Arbeit verdient. Das bescheinigte ihm unter anderem Klaus-Jürgen Esch, der im Namen des Kreistags ein Fazit zog. Vor 22 Jahren habe sich ein junger Mann aus Kiel bei Esch mit den Worten vorgestellt, der zweitbeste Job nach einem Vorstandsposten bei Eon sei ja wohl der des Landrats in Dithmarschen. Mit 23:22 Stimmen wurde Klimant damals gewählt. Die Direktwahl sechs Jahre später habe eine deutliche Mehrheit für den einzigen Kandidaten gebracht, die zweite Wiederwahl – dann wieder durch den Kreistag – sei einstimmig erfolgt, erinnerte Esch. Klimant war endgültig bei den Dithmarschern angekommen.

Wobei der zugab, als Neuling auf diesem Posten kurz nach Amtsantritt seine Entscheidung hinterfragt zu haben: In der sehr emotionalen Debatte um den Nationalpark Wattenmeer musste er früh mit lautem Protest umgehen lernen. Die Feuertaufe oder: „Dithmarschen im Schnelldurchlauf“, wie er feststellte. Doch der Jurist von der Ostküste und die als dickschädelig verrufenen Dithmarscher haben sich schnell zusammengerauft.

„Landrat kann man nicht lernen“, erklärte Umweltminister Robert Habeck als Verter der Landesregierung. Dafür müsse man ein Händchen haben, das richtige Gespür im Umgang mit den Menschen entwickeln. Klimant habe dies gekonnt. Habeck bekannte, dass er in den Diskussionen um Netzausbau und Fischerei viel von Klimant gelernt habe. Zuhören, den Konsens suchen, die Menschen bei Entscheidungen mitnehmen – das seien die Erfolgsfaktoren für Klimants Arbeit gewesen.

Und letzten Endes auch das Ankommen. Böttger bescheinigte ihm: „Du hast bewiesen, wie viel dir an Dithmarschen als Heimat liegt.“ Das zeigte sich spätestens 2005, als die damalige Landesregierung von Kreisfusion sprach. Klimant konterte, Dithmarschen komme alleine klar. Heute, das unterstrich Hans-Jürgen Esch, ist der einst klamme Kreis in der Lage, die Kreisumlage zu senken und Eltern bei den Kita-Beiträgen zu entlasten. Fusion ist längst kein Thema mehr.

Dass Jörn Klimant wie seine beiden Vorgänger zu einem Energieunternehmen wechselt, sei seinen schleswig-holsteinischen Kollegen geschuldet, erklärte Reinhard Sager, Präsident des Deutschen Landkreistages. Die hätten die neue Aufgabe beim Hansewerk geschaffen und Klimant, den Dienstältesten aus ihren Reihen, dorthin gewählt: „Ein Verlust für Dithmarschen, ein Gewinn für das Hansewerk.“

Und der an diesem Abend so vielfach Gelobte? „Die Zeit, die ich hier verbringen durfte, war wie ein dicker, toller Wälzer“, sagte Jörn Klimant.

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