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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 06:59 Uhr

Disput um Werbeflyer für AKW-Demo

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kraftwerksleiter wirft Organisatoren Falschaussagen vor / Die Bürgerinitiative „MitKernenergie“ nennt die Protestaktion überflüssig

von
erstellt am 21.Apr.2016 | 17:59 Uhr

Die am Sonntag stattfindende vierte Protest- und Kulturmeile der Kernkraftgegner sorgt im Vorfeld für einen Disput. Stein des Anstoßes: der Werbe-Flyer für die Veranstaltung drei Minuten vor 12 Uhr im Umfeld des Kernkraftwerks Brokdorf. Kraftwerksleiter Uwe Jorden hat sich in einem Brief an die Organisatoren um den Brokdorfer Karsten Hinrichsen gewandt. „Dieses Flugblatt enthält aus unserer Sicht eine Fülle von Falschinformationen und Fehlinterpretationen, die unweigerlich dazu führen müssen, dass die Leser des Blattes ein völlig verzerrtes Bild vom Leistungsbetrieb des Kernkraftwerkes Brokdorf bekommen müssen.“

Jorden nennt insbesondere eine Darstellung, die aus Sicht der Kraftwerksleitung unseriös sei: „Schon der Normalbetrieb macht krank, insbesondere Kinder.“ Das sei eine falsche und ehrenrührige Aussage, mit der die Arbeit der Mitarbeiter stark diskreditiert, der gesamten Region Schaden zugefügt und Ängste geschürt würden.

Karsten Hinrichsen dementiert dies in einem Antwortbrief. „Ich kann in diesem Satz keine Falschdarstellung erkennen.“ Er verweist auf die Kinderkrebsstudie KIKK aus dem Jahr 2007, die einen statistisch signifikanten epidemiologischen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Erkrankungen von Kindern an Leukämie und der Nähe von deren Wohnort zu einem AKW nachgewiesen habe.

Da Jorden derzeit in Urlaub ist, widerspricht dem die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit auf Anfrage unserer Zeitung. Die Studie, auf die sich Hinrichsen stütze, sei schon vor acht Jahren abschließend diskutiert worden. Eine der damals entscheidenden Aussagen sei die des BfS (Bundesamt für Strahlenschutz), wonach die von Atomkraftwerken ausgehende Strahlung viel zu gering sei, um das erhöhte Leukämierisiko zu erklären. Die zusätzliche Strahlenexposition müsste demnach um etwa den Faktor 1000 höher liegen. Die mit dem Vorwurf einhergehende Diskreditierung der Kraftwerksmitarbeiter weist Karsten Hinrichsen von sich. Das sei keinesfalls Absicht der Veranstalter. Das Gesprächsangebot Jordens will Hinrichsen annehmen. Der Kraftwerksleiter hatte in diesem Zusammenhang zudem gefordert, Falschdarstellungen in Zukunft zu unterlassen, sonst müsse mit rechtlichen Konsequenzen gerechnet werden.

Hinsichtlich der geplanten Protestmeile meldet sich auch die Bürgerinitiative „MitKernenergie“ zu Wort. Der vorzeitige Ausstieg aus der Kernenergie sei gesellschaftspolitischer Konsens, der parteiübergreifend (auch mit den Stimmen der Grünen) am 30. Juni 2011 im Bundestag beschlossen wurde. Die geplante Protestmeile sei überflüssig und stelle lediglich eine Verschwendung öffentlicher Gelder dar, unter anderem wegen des notwendigen Polizeieinsatzes. Zudem werde die Umwelt durch die Pkw-Fahrten belastet. Und: Ein vorzeitiges Abschalten von Kernkraftwerken würde nichts an der Tatsache ändern, dass auch künftig radioaktiver Abfall in Deutschland produziert werde, da insgesamt ein Drittel des gesamten Atommüllvolumens in Deutschland mittlerweile in der Forschung, der Industrie und vor allem in der Medizin anfalle

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