Umfrage zum Nichtraucherschutzgesetz in Itzehoe : Diskussion in Rauch aufgelöst

Konflikte zwischen Rauchern und Nichtrauchern gibt es kaum.
Konflikte zwischen Rauchern und Nichtrauchern gibt es kaum.

Vor zehn Jahren trat das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft – die meisten Itzehoer Gastronomen und Gäste zeigen sich heute zufrieden.

shz.de von
27. Januar 2018, 05:00 Uhr

Bier und Zigarette. Für viele war es früher nur schwer vorstellbar, in der Kneipe auf das Rauchen zu verzichten. Doch vor zehn Jahren trat das Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens in Schleswig-Holstein in Kraft. Seitdem darf nur noch in separaten Räumen geraucht werden oder – nach einer kurz darauf erfolgten Gesetzesänderung – in Kneipen, in denen die Gastfläche 75 Quadratmeter nicht überschreitet. Dort dürfen sich allerdings nur über 18-Jährige aufhalten und keine Speisen verkauft werden.

17 reine Raucherlokale gibt es zurzeit in Itzehoe – von 19 Schankwirtschaften und 94  konzessionierten Betrieben insgesamt. Wir haben uns umgehört, wie es Rauchern, Nichtrauchern und Gastwirten seit dem Inkrafttreten des Gesetztes ergangen ist.

Leicht war die Umstellung nicht, sagt Edgar Hille (62), der seit 18 Jahren das Bacchus am Holzkamp betreibt. Nach der Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes installierte er, wie viele andere Gastronomen auch, einen Raucherraum – um diesen nach dem Inkrafttreten der „Einraumkneipen-Regelung“ wieder aufzugeben. „Oben hinter der Verglasung war es bei den Rauchern immer voll, unten am Tresen bei den Nichtrauchern war nichts los“, erzählt er. „Die 10 000 Euro habe ich für nichts ausgegeben“, ärgert er sich noch heute.

Ähnlich erging es Sabri Krasniqi, der in seiner benachbarten Havana Bar 3000 Euro in einen Raucherraum investierte. Auch er betreibt nun wieder eine reine Raucherkneipe. „Denn die Leute wollen rauchen, wenn sie abends weggehen“, sagt er. „Als die Aschenbecher wieder auf dem Tisch standen, kamen sie wieder.“ Bei ihm seien etwa 20 bis 30 Prozent Nichtraucher – die der Qualm aber nicht störe. Er hätte auch kein Problem mit einer totalen Nichtraucher-Regelung. „Die müsste dann aber für alle gelten.“

Auch Gastronom Bodo Maaß widmete seine Bar Hoge Kant am Berliner Platz 2017 nach eineinhalb Jahren Nichtraucher- wieder zur Raucherkneipe um. „Die Leute wollen das Gesellige in einer Bar, und da gehört eine Zigarette dazu. Die Raucher kommen sonst einfach nicht mehr.“

Den umgekehrten Weg beschritt hingegen Panagiotis Chionidis, der seit 2011 das Wangos am Holzkamp führt – in dem auch Speisen verkauft werden. „Ich hatte zuerst drei Jahre lang einen abgetrennten Raucherraum, aber der wurde immer weniger genutzt. Da habe ich ihn aufgelöst und komplett auf Nichtraucher umgestellt“, erzählt er. „Von da an lief es besser. Heute sind es die Leute gewohnt, fürs Rauchen vor die Tür zu gehen, wenn Speisen verkauft werden.“

In sechs der insgesamt 75 Itzehoer Schank- und Speisewirtschaften sind extra Raucherräume eingerichtet worden, sagt Stadtsprecher Frank-Dieter Simon. In 69 davon darf somit gar nicht geraucht werden. Viele Gastwirte hätten gar nicht mehr den Wunsch, Raucherräume einzurichten, da selbst die meisten Raucher beim Essen lieber in Räumen ohne Rauch sitzen.

Nicht glücklich über die aktuelle Regelung zeigt sich trotz allem Birgit Reichel vom Verein Pro Rauchfrei. „Für Nichtraucher ist es nicht möglich, in einer kleinen Kneipe frei ein Bier zu genießen“, beklagt sie. „Die Raucherräume in den Kneipen haben wir zähneknirschend hingenommen, sie haben sich als schlechte Lösung erwiesen. Türen werden nicht geschlossen oder gleich ganz weg gelassen. Nichtraucher haben leider nur die Möglichkeit, in eine größere Bar zu gehen.“

Schließungen von Lokalen lassen sich in Itzehoe laut Frank-Dieter Simon nicht auf das Nichtraucherschutzgesetz zurückführen. „In den letzten Jahren bewegt sich die Zahl der konzessionierten Betriebe immer um die Zahl 100“, sagt er.

Und auch von Bürgern würden in der Regel keine Beschwerden an die Ordnungsabteilung herangetragen. Für einen Verstoß gegen das Nichtraucherschutzgesetz drohen in Schleswig-Holstein Bußgelder bis zu 1000 Euro – sowohl Rauchern als auch Gastwirten. In Itzehoe ist es dazu allerdings bislang nicht gekommen: „Nach den vorliegenden Unterlagen wurden im Jahr 2014 zwei Verwarnungen ausgesprochen und im Jahr 2015 zwei Bußgelder erhoben“, sagt Simon. Die Höhe: jeweils 88,50 Euro.

Das sagen die Gäste der Itzehoer Kneipen:

Christiane Feßenmeyer (31), Raucherin: „Ich finde das ganz gut, wenn ich auch weiterhin in einer Kneipe rauchen darf. Wenn es aber bei einer Veranstaltung zu voll wird, wird die Luft auch immer schlechter, das merke selbst ich. Ich kann es verstehen, dass man das als Nichtraucher nicht so gut findet.“

Michael Hein (52), Nichtraucher: „Ich empfinde es als eine Zumutung, wenn in solch kleinen Kneipen geraucht wird. Abgesehen davon, dass ich das nicht einatmen will, stinken die Klamotten drei Tage lang und ich kann sie zu Hause erst mal komplett waschen. Rauchen hat mit Freiheit nichts zu tun, wenn andere darunter leiden müssen.“

Reimund Galonska (64), Raucher: „Für mich ist die Situation in Itzehoe gut und praktisch geregelt. Ich bin in diversen Locations unterwegs und finde es angenehm, wenn ich mir da eine anstecken darf. Allerdings würde ich darauf im Zweifel nicht bestehen. Wenn ich vor die Tür gehen müsste, hätte ich damit auch kein Problem.“

Angela Wulff (56) Nichtraucherin: „Bei der Musik- und Kulturnacht ist das schrecklich, wenn man ein Konzert sehen will, und in den Kneipen wird geraucht. Vor 24 Jahren, als mein Sohn geboren wurde, habe ich aufgehört zu rauchen. In Neuseeland wollen sie das Rauchen ganz abschaffen. Das fände ich hier auch eine gute Idee.“

Henning Wieser (28), Raucher: „Ich rauche seit meinem 16. Lebensjahr und finde es immer gut, wenn ich das auch in Kneipen tun kann. Ich hätte aber auch überhaupt kein Problem damit, zum Rauchen nach draußen zu gehen. Im Sommer ist das ja sogar sehr schön, und man kommt mit den Leuten ins Gespräch.“

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