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Wewelsflether Gespräche : Diplomatie gegen Propaganda dringend gefragt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der neue Kalte Krieg war in diesem Jahr Thema der Wewelsflether Gespräche – und bei den Besuchern trafen die Veranstalter damit den richtigen Nerv.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 17:14 Uhr

Das Thema traf den Nerv der Zeit. Zahlreiche Gäste hatten sich in der Mehrzweckhalle eingefunden, um im 31. Jahr die Wewelsflether Gespräche zu erleben. Dem SPD-Ortsverein war es mit dem Landesverband erneut gelungen, eine erlesene Runde auf dem Podium zu versammeln, das Thema: „Wieder kalter Krieg? Europa zwischen den Fronten.“ Diese lieferten zwar keine lebhaften Debatten, doch in manchen Bereichen durchaus kontroverse Sichtweisen. Insbesondere wenn es um die Rolle der USA sowie der deutschen Medien im gegenwärtigen Ukraine-Russland-Konflikt geht. Ein Konflikt der sich extreme auf das Verhältnis zwischen der Europäischen Union und Russland auswirkt und eine, nach Meinung aller Podiumsgäste, schwer einschätzbare sowie durchaus bedrohliche Lage ähnlich dem Kalten Krieg hervorgerufen hat. Eine Situation die es dringend durch intensive diplomatische Bemühungen zu entschärfen gilt.

Der ehemalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Björn Engholm, der als Mitbegründer der Podiumsdiskussion in der Störgemeinde einen festen Platz auf dem Podium einnimmt, mahnte inständig zu einem „politischen Verständnisdenken“ in Manier Willy Brandts zurückzukehren. Deutschland und die Europäische Union hätten über zwei Jahrzehnte die russischen Interessen ignoriert, seien viel zu sehr auf die Interessen der USA ausgerichtet. Ein großer Teil der deutschen Medien sind in der Berichterstattung alles andere als neutral und betreiben mindestens im selben Umfang Propaganda, wie es der Westen dem Russen vorwirft.

Als zukunftsorientiert handeln und denkender Staat, der rund 60 Prozent seiner Rohstoffe aus dem Ausland bezieht, sei Amerika sehr global, jedoch auch immer auf seine eigenen Vorteile bedacht, ausgerichtet. Eine Meinung die Professor Dr. Götz Neuneck vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg in weiten Teilen mittrug. EU und Nato trügen einen großen Anteil an dem spannungsgeladenen Verhältnis. Alle Zeichen seien auf EU-Osterweiterung gestellt, Russland müsse reagieren. Die eingeleiteten Sanktionen würden keine Probleme lösen, sondern lediglich die Menschen sowohl hierzulande als auch in Russland treffen. „Die russische Bevölkerung ist sehr leiderprobt, die Sanktionen ändern nichts“, sagte Neuneck. Politik und Diplomatie sind ebenso gefragt wie ein verändertes Denken in den Köpfen der westlichen Politiker und Medien dahingehend, sagte der Experte für Sicherheitsfragen.

Eine etwas andere Haltung vertrat Karsten Dietrich Voigt. Die Russland Ukraine-Krise hätte einen außenpolitisch tieferen Einschnitt ausgelöst als der Terroranschlag vom 9.11. Das amerikanische Interesse an Russland sei erst durch die jüngsten Ereignisse wiedererweckt worden. „Die USA allen voran Barack Obama, haben Russland bis dato lediglich als eine Regionalmacht betrachtet“, so der langjährige Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit. Nach Ansicht Voigts müsse ein Weg gefunden werden, die Ukraine näher an die EU zu bringen, während gleichzeitig der Kontakt zu Russland nicht verloren gehen darf. Thomas Stritzl, christdemokratischer Bundestagsabgeordneter verteidigte die Sanktionen. Sie seien notwendig um Schlimmeres zu verhindert. „Ohne Sanktionen bekommen die Russen zurecht den Eindruck, dass das Recht des Stärkeren zählt“, so Stritzl.

Das abschließende Wort gehörte Prof. Dr. Patricia Springborg. „Europa muss sich fragen, ob Amerika wirklich so wichtig für Europa ist. Europa sollte endlich erwachsen und unabhängig von den USA werden“, so die Politologin aus Neuseeland. Es sei ein Land, das längst nicht mehr als Sinnbild von Demokratie zu betrachten ist. „Amerika befindet sich in einer ausgeprägten Ent-Demokratisierungsphase“, betonte Springborg. So sei zu beobachten, dass in vielen Staaten der USA die Tea-Party-Bewegung an Einfluss gewinnt, die gegen Bildung, Aufklärung und Wohlstand ist.

„Wir wollen nie wieder Krieg, auch keinen Kalten Krieg. Denn in einem Krieg gibt es niemals Gewinner“, sagte Ehrenbürgermeister Ingo Karstens zum Abschluss und dankte dem Podium unter Leitung von Prof. Rainer Burchardt.

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