Neubau am Klinikum Itzehoe : „Dieses Haus ist revolutionär“

Chefarzt, Krankenhausdirektor und Architekt vor dem neuen Zentrum: (v. l.) Arno Deister, Bernhard Ziegler und Uwe Mumm.
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Chefarzt, Krankenhausdirektor und Architekt vor dem neuen Zentrum: (v. l.) Arno Deister, Bernhard Ziegler und Uwe Mumm.

Am Klinikum Itzehoe wird Richtfest für das neue Zentrum für Psychosoziale Medizin gefeiert. Ein offenes Gebäude soll klassische Stationen ersetzten.

shz.de von
16. August 2017, 05:00 Uhr

Das gibt es in dieser Form in ganz Deutschland nicht. Gestern wurde am neuen Zentrum für Psychosoziale Medizin (ZPM) des Klinikums Richtfest gefeiert. Klassische Stationen (mit Ausnahme eines Intensivtrakts mit zehn Betten) wird es hier nicht geben, erklärte Chefarzt Arno Deister seinen künftigen Arbeitsplatz. Stattdessen entsteht „ein offenes Gebäude für eine offene Psychiatrie“ – das auch die Teilhabe an der Gesellschaft symbolisieren soll. Untergliedert ist es in Bereiche wie Schlafen, Wohnen, Behandeln, Begegnen und Reden, es soll nicht mehr zwischen stationär und ambulant behandelten Patienten unterschieden werden. Zwischen den Bereichen – von intensiv bis „low care“ – soll es fließende Übergänge geben.

„Behandelt wird an den individuellen Bedürfnissen des Patienten“, so Ulrike Schubert vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren in Kiel, die mit in die Planung des Hauses involviert ist. Was thematisch bereits 2003 als Modellprojekt in Itzehoe gestartet ist, werde nun auch räumlich mit dem neuen Haus umgesetzt, sagte sie: „Bedarfsgerechte Behandlung aus einer Hand unter einem Dach – dieses Haus ist revolutionär.“

Mit 12,1 Millionen Euro unterstützt das Land den insgesamt 18,4 Millionen Euro teuren Neubau, verantwortlicher Architekt des ZPM ist der Bergenhusener Uwe Mumm. „Es ist das größte Projekt seit dem Bau des Klinikums vor 40 Jahren“, sagte Krankenhausdirektor Bernhard Ziegler bereits anlässlich des Spatenstichs im vergangenen November. In rund zehn Monaten soll das Haus fertiggestellt sein, die 106 Mitarbeiter werden dann jährlich etwa 1550 Menschen auf gut 6000 Quadratmetern Fläche behandeln. 60 Betten und etwa 50 tagesklinische Plätze sollen im Gebäude untergebracht werden. Fünf bis sechs Behandlungsteams bilden das gesamte Spektrum des Fachs ab – Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik – die Patienten sind langfristig an eines der Teams gekoppelt. „Darüber schaffen wir Beziehungen von Menschen“, sagte Deister, der aktuell auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde in Berlin ist.

Die Psychosomatische Tagesklinik vom Langen Peter soll ebenfalls mit in den Neubau ziehen, die Tageskliniken in Glückstadt sowie die für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Mecklenburger Weg bleiben am gewohnten Platz. Auf den vier Stationen, die im Haupthaus frei werden, sollen zusätzliche Betten vor allem für die Kliniken für Urologie und Geriatrie sowie die Innere Medizin geschaffen werden.

Bereits Mitte der 1990er Jahre wurde mit den Planungen begonnen, das Klinikum auf dem Hackstruck zu erweitern, sagte Rainer Naudiet, Vorsitzender der Verbandsversammlung. Viele kleine Bedenken habe es im Laufe der Jahre gegeben – „es war ein langwieriger Prozess. Doch nun sei alles im Zeitplan und er freue sich insbesondere, dass im Herbst auch mit dem Bau des neuen Bildungszentrums begonnen werde (wir berichteten). Dieses Haus, für das sechs Millionen Euro veranschlagt sind, soll Ende 2018 fertig sein.

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