Wirtschaft : Diesel für einen Euro und drei Cent

Zahlte 30 Euro für 28 Liter Diesel:  Brigitte Matthießen (links). Die Quittung übergaben ihr Silke Bischof und Abdullah Can.
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Zahlte 30 Euro für 28 Liter Diesel: Brigitte Matthießen (links). Die Quittung übergaben ihr Silke Bischof und Abdullah Can.

An Itzehoes Tankstellen freuen sich Kunden über Tiefstpreise

shz.de von
13. Januar 2015, 17:10 Uhr

Brigitte Matthießen (63) aus Kleve nimmt die Quittung zu ihrer Tankrechnung in diesen Tagen gerne entgegen, denn so günstig waren die Benzinpreise lange nicht mehr: Nur 30 Euro soll sie zahlen für 28 Liter Diesel. „Es ist unglaublich. Der Betrag und die Literzahl liegen fast gleich auf“, findet auch Abdullah Can aus Glückstadt. Der 24-Jährige verdient sich seit letztem Jahr ein Zubrot damit, an einer Itzehoer Tankstelle abzukassieren. Den höchsten Diesel-Preis, den er in seiner Zeit als Aushilfe an der Tankstelle mitbekommen habe, lag bei 1,39 Euro, erzählt er.

Noch vor ein paar Monaten hätte Abdullah Can sich nicht vorstellen können, dass ein Liter Diesel einmal bei knapp über einem Euro liegen könnte. Doch genau so ist es gerade: In der letzten Woche lag der Dieselpreis im Schnitt bei 1,06 Euro bzw. 1,07 Euro je nach Tankstelle. Was den einen oder anderen Itzehoer dazu bewegte, ein Foto von der Benzinpreisanzeigetafel mit Freunden über das Internet zu teilen. Am Donnerstag sackte der Preis sogar bis auf 1,03 Euro. Um einen Cent schwanken die Anbieterpreise.

Warum das so ist, erklärt Tankstellen-Pächter Peter Schlömer (57) unserer Zeitung: „Bisher haben wir ständig Preise beobachtet und gemeldet. Sie wurden dann zentral angepasst“, sagt er. Dies falle nun weg, da die Gesellschaften seit Ende 2013 gesetzlich verpflichtet seien, sich direkt mit der Markt-Transparentstelle abzustimmen. Die Markt-Transparentstelle ist dem Bundeskartellamt angegliedert und bündelt alle Tankstellenpreise. Die Preise im Stadtgebiet würden darüber automatisch angepasst. Die kleinen Preisschwankungen im Cent-Bereich erklärt er so: Sie ergäben sich durch eine unterschiedliche Zusammensetzung des Kraftstoffes je nach Tankstelle. Dort wo weniger Additive, gemeint sind effektivitätssteigernde Zusatzstoffen, im Kraftstoff schwimmen, steige letztendlich der Verbrauch. So gleiche sich der Preis wieder aus.

Doch es gibt durchaus regionale Unterschiede, weiß der Tankstellen-Pächter. So sei es möglich, dass das Tanken in Itzehoe günstiger sei als in den umliegenden Gemeinden. Kunden profitieren dabei von den gesammelten Daten der Markt-Transparentstelle. Sie können mittels kleiner Programme (Apps) auf dem Smartphone die Preise vergleichen.

„Momentan sind die Kunden sehr zufrieden“, sagt Abdullah Can in Itzehoe, dank der derzeit günstigen Rohölpreise. Bisher sei der Alltag eher ein Klagen der Kunden über einen zu hohen Preis gewesen und die Frage „Wann wird es wieder günstiger?“. Ob der Diesel-Preis wohl noch unter einen Euro sinken wird, kann er nicht sagen. Can findet: „Wir sollten dankbar sein, dass es jetzt so günstig ist.“

Anders sieht das ein 50-Jähriger Familienvater aus Kaltenkirchen, Kreis Segeberg. Er betankt sein Auto an der Itzehoer Tankstelle mit gemischten Gefühlen: „Im ersten Moment ist es angenehm. Aber vielleicht wäre es besser, wenn das Benzin teuerer wäre, weil dann vielleicht Autos gebaut werden, die weniger Kraftstoff verbrauchen.“ Bei den meisten Tankenden überwiegt hingegen die Freude über den Preis: „Super für 1,23 Euro, da kriegte man früher kaum Diesel dafür“, freut sich der Itzehoer Uwe Beth (78) und greift zur Zapfpistole.

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