Freispruch : Diebstahl nicht nachweisbar

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Er soll einer Bekannten ein Netbook gestohlen haben – mangels zweifelsfreier Beweise wird ein Glückstädter frei gesprochen.

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06. Juni 2014, 12:30 Uhr

Am Ende der Verhandlung stand ein Freispruch, den der wegen Diebstahls angeklagte 26-Jährige Glückstädter mit Genugtuung zur Kenntnis nahm. Er hatte stets seine Unschuld beteuert.

Rückblick: Gemeinsam mit einem ebenfalls 26-Jährigen Freund aus Glückstadt besuchte er am 22. November 2013 eine 19-Jährige und deren Freund. Das Paar wohnt ebenfalls in Glückstadt. Als die beiden Männer eine halbe Stunde später die Wohnung wieder verließen, vermisste die 19-Jährige ihr Netbook, Wert 80 Euro. Der Verdacht fiel auf die beiden Besucher. Zwei Stunden nach dem Besuch kontaktierte sie diese per SMS, forderte ihr Netbook zurück. Sie hatte im anschließenden Telefonat den Kumpel am Ohr, der ihr berichtete, dass der Angeklagten das Teil habe. Die Frau erstattete daraufhin Strafanzeige wegen Diebstahls.

Enorm verstärkt wurde der Verdacht durch eine Zeugin aus Elmshorn. Sie saß am Tatabend bei einer Bekannten, als die beiden Männer hereinkamen. ,,Der Angeklagte hatte das Netbook dabei, sagte, das habe er geklaut“, berichtete die 20-Jährige gegenüber der Geschädigten wie auch der Polizei. Folge: Die Staatsanwaltschaft klagte die beiden Glückstädter wegen Diebstahls an.

Vor Strafrichterin Katja Komposch fand jetzt am Itzehoer Amtsgericht der Prozess statt. Der mutmaßliche Haupttäter erschien in Begleitung eines Familienbetreuers. Er hilft dem Glückstädter, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Der junge Mann hat drei kleine Kinder, die bei der Mutter leben. Er hat vier Vorstrafen wegen Schwarzfahrens, keinen Schulabschluss, keine Berufsausbildung und lebt, wenn er nicht gerade einen Job als Bauhelfer hat, von Hartz IV – wie nahezu alle Prozessbeteiligten. Zunächst beschäftigte sich Katja Komposch mit dem fern gebliebenen Mitangeklagten. Sie verurteilte den Mittäter zu 600 Euro Geldstrafe wegen Diebstahls. Der Mann kann dagegen Einspruch erheben.

Der Hauptangeklagte betonte vehement seine Unschuld. Die Elmshornerin wolle ihm schaden, weil er sie während einer kurzen Beziehung betrogen hätte. Da die Zeugin der Verhandlung fern blieb, wurde an, ordnete die Richterin ihre sofortige Vorführung an. Zwei Polizisten führte die Frau dann einige Zeit später in den Saal, von ihrer ursprünglich schwer belastenden Aussage blieb allerdings nichts Nennenswertes übrig. Auch der Staatsanwalt hatte inzwischen Zweifel an der Schuld des Mannes und plädierte auf Freispruch. Die Richterin folgte dem Staatsanwalt und sprach den Angeklagten frei.

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