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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 21:27 Uhr

Gericht : Diebesgut für 81 000 Euro erbeutet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Trio klaute zwei Jahre lang in Bau- und Landhandelsmärkten – jetzt wurden sie verurteilt. Der Haupttäter muss zwei Jahre ins Gefängnis, seine Mittäter erhielten zwei Jahre auf Bewährung.

Die Männer (27 und 26) spielsüchtig, die Frau (26) seit dem Selbstmord des Vaters von Helfersyndrom und Verlustängsten gepeinigt und in einer Klammerbeziehung mit dem Haupttäter. Zu dritt haben sie von November 2011 bis Mai 2013 mindestens 24 Einbrüche in Bau- und Landhandelmärkten sowie in Läden des Camping- und Gashandels verübt. Die Wohnung der Frau verglich Staatsanwalt Sebastian Fehr mit einem Lager voller Diebesgut. Ging man auf Diebestour besorgte die 26-jährige Itzehoerin einen Anhänger, denn das Diebesgut war oft enorm.

Rund 20 Minuten brauchte Fehr bei dem Prozess vor dem Itzehoer Schöffengericht allein für die Auflistung der Taten. Tatorte waren Itzehoe, Dägeling, Neumünster, Hohenlockstedt, Offenbüttel, Sparrieshoop, Lägerdorf und immer wieder Kellinghusen. In einen dort gelegenen Landhandel ging das Trio nächstens gleich mehrfach auf Beutezug, ebenso wie in einem Neumünsteraner Gasflaschenhandel. Werkzeug, Kupfer, Edelstahl, über hundert Gasflaschen, Aber auch Zaunelemente, Gartenmöbel. Buchsbäume, Motorsägen, Dieselkraftstoff und Feuerwerkskörper bildeten die Beute. Im Mittel aber war es immer Beute im Wert mehrerer Tausend Euro, welche die gelernte Einzelhandeskauffrau bei Ebay verhökerte, damit ihr Freund (27) und sein Kumpel (26) ihre Spielsucht befriedigen und sich einen Audi Q7 leisten konnten.

Beide Männer kennen sich aus der Schulzeit, haben keinen Beruf erlernt. Alles begann mit dem Daddeln am Automaten. Dort ließ man mal 10, mal 20 Euro, in den Spielhallen waren es später weit höhere Summen. Der Kellinghusener berichtete, wie es ihn fast magisch in die Spielhalle zog, nach Stunden kam er heraus und merkte, dass kein Geld für Miete, geschweige denn fürs Essen mehr da war.

Heute kümmert sich seine Freundin ums Geld und drückt ihm ab und zu 5 Euro für Zigaretten in die Hand. Er gab an, immer noch gelegentlich in Kellinghusens Spielhallen Gast zu sein. Wie sein Kumpel wartet er auf einen Therapieplatz. Therapiewillig ist auch die Frau.

Die Itzehoer Psychiaterin Dr. Antje Steinwachs-Mezger (49) attestierte den Männern wegen ihrer Spielsucht verminderte Schuldfähigkeit. Zusammenfassend sagte die Psychiaterin: „Drei auf verschiedene Weise psychisch kranke Menschen haben sich zusammengefunden.“

Bezüglich der Schadensgesamthöhe hatte Strafrichter Dominik Mardorf alles addiert und kam auf 81 071 Euro. Zudem stufte Mardorf alle Taten zum minderschweren Fall herunter. So fiel das Urteil trotz des hohen Schadens und der vielen Taten eher milde aus. Wegen Diebstahls und Betrugs verurteilten Mardorf und Schöffen die Angeklagten zu zwei Jahren Haft für den Haupttäter und je zwei Jahren auf Bewährung für die beiden 26-Jährigen. Die Bewährungszeit für die Mittäter beträgt je vier Jahre.

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erstellt am 14.Sep.2013 | 11:45 Uhr

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