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Norddeutsche Rundschau

20. November 2017 | 03:27 Uhr

Johanniter : „Die Zusammenarbeit läuft gut“

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Politik und Bürger wollen, dass Flüchtlinge sich integrieren: Bei dem nicht immer einfachen Prozess soll auch der Integrationsmanager helfen.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt es ein neues Amt bei den Johannitern: Andreas Borze ist der neue Integrationsmanager in Vollzeit. Zuvor arbeitete der 37-Jährige für die Johanniter in der Itzehoer Landesunterkunft für Flüchtlinge und als Job-Coach für einen privaten Bildungsträger. Während ein Erste-Hilfe-Kurs für 14 Flüchtlinge aus den Deutschklassen des Regionalen Berufsbildungszentrums (RBZ) stattfindet, spricht Borze mit uns über die ersten Monate in seiner neuen Tätigkeit und über das Thema Integration.

Herr Borze, seit fast vier Monaten sind Sie nun Integrationsmanager, warum wurde dieses Amt überhaupt eingeführt?

Wir haben einfach den Bedarf gesehen, den Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern. Wir wollen sie dort auffangen, wo Hilfe benötigt wird und damit langfristig soziale
Isolation und Abschottung verhindern.

Wie sieht die Arbeit eines Integrationsmanagers genau aus, was sind Ihre Aufgaben?

Meine Arbeit besteht unter anderem aus der aufsuchenden Betreuung. Das heißt, ich gehe zu den Familien nach Hause und schaue, wo Hilfe benötigt wird. Das können ganz verschiedene Dinge sein: Der eine benötigt Hilfe bei der Inneneinrichtung, der andere beim Stellen von Anträgen, bei Amts- und Behördengängen oder beim Zurechtfinden auf dem Arbeitsmarkt. Darüber hinaus kümmere ich mich um die Koordination von ehrenamtlichen Helfern. Dazu gehören Sprachpaten, Schülerhelfer und -helferinnen oder Vormünder. Der Zugang zu den Flüchtlingen läuft über die Stadt, wo man sich über meine Stelle freut.

Wenn Sie in die Familien gehen, gibt es da oft sprachliche Hürden?

Irgendwie geht es immer. Ich betreue aktuell eine afghanische Familie, die erst kürzlich hierher gekommen ist und kaum deutsch spricht. Da hat es zunächst natürlich Vorrang, einen Sprachkurs zu finden. Bei uns arbeitet eine Jemenitin, die ein freiwilliges soziales Jahr absolviert und arabisch spricht. Auf sie kann ich auch zurückgreifen. Die meisten Flüchtlinge, mit denen ich zu tun haben, sind aber schon etwas länger in Deutschland und haben bereits Deutschunterricht erhalten.

Wie schätzen Sie denn die Bereitschaft in Itzehoe und der Region ein, zu integrieren?

Ich habe bislang einen durchweg positiven Eindruck. Es gibt viele Institutionen und Angebote, die Zusammenarbeit läuft gut. Kürzlich rief mich eine Mitarbeiterin aus dem RBZ an und sagte, es gebe freie Plätze in den Deutschklassen. Nun versuche ich, diese zu füllen.

Gibt es keinerlei Probleme?

Zurzeit sehe ich keine größeren Herausforderungen, das Zusammenspiel der zuständigen Akteure läuft besser als erwartet.

Wie erleben Sie die Flüchtlinge?

Natürlich gibt es immer schwarze Schafe, das kommt in jeder Nationalität vor. Aber wenn wir aus unserem Land fliehen müssten, dann wären wir auch dankbar für jede Hilfe und so erlebe ich es größtenteils auch: Ich spüre große Dankbarkeit der Menschen.

Wurden Sie wegen Ihrer Arbeit auch mal angefeindet?

Nein, das ist mir bislang noch nicht passiert.

Und wie hoch ist die Bereitschaft der Menschen, die hier leben, Flüchtlinge zu integrieren?

Das schwankt. Als es im Dezember den Anschlag in Berlin gab, war es schwieriger, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden. Jetzt ist es wieder besser geworden. Ich kann jedem empfehlen, einfach mal auf Flüchtlinge zuzugehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Da bauen sich Hemmnisse ganz schnell ab.

Warum haben Sie sich diesen Job ausgesucht und was sind Ihre weiteren Ziele?

Ich habe immer gerne mit Menschen zusammengearbeitet, ihnen geholfen, sie unterstützt, wo es möglich war. Vor meiner Zeit bei den Johannitern begleitete ich Arbeitslose auf den Weg in den ersten Arbeitsmarkt. Ich möchte alle Seiten zufriedenstellen. Ein Flüchtling, der beispielsweise einen Arbeits- oder Schulplatz erhält und damit glücklich ist, macht mich glücklich. Für die Zukunft sind weitere Projekte neben der aufsuchenden Betreuung geplant.


>Die Johanniter sind immer auf der Suche nach Ehrenamtlern im Bereich der Flüchtlingshilfe. Egal ob Sprachpaten, Schülerhelfer oder Betreuungshilfen. Kontakt: andreas.borze@johanniter.de


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