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Bildung : Die Zukunft der Schulen – auf 65 Seiten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Entwicklungsplan für die Steinburger Schullandschaft zeigt einigen Handlungsbedarf auf. Heute Thema im Kreistag.

Papier ist bekanntlich geduldig. Und für die 65 Seiten des aktuellen Steinburger Schulentwicklungsplanes gilt das wohl besonders. Das Dokument wurde jetzt im Hauptausschuss vorgelegt, heute Abend soll es vom Kreistag abgesegnet werden. Für Verwaltung und Politik ist es eher eine lästige Pflichtübung. „Das Schulgesetz schreibt uns das vor. Rechtliche Handhaben bekommen wir damit aber nicht“, machte die Leiterin des Kreis-Schulamtes, Sigrid Schulz, deutlich. Das größte Problem: Die Entwicklung der Schülerzahlen an den einzelnen Standorten basiert im Kern auf Prognosen, die für die nächsten 20 Jahre hochgerechnet sind. Gleichzeitig gibt es eine Fülle von Unwägbarkeiten – insbesondere durch die freie Schulwahl. „Es ist für uns schon die Frage, ob der Plan uns wirklich weiterhilft“, meinte denn auch Kreistagsabgeordneter Rudolf Riep (SPD). Er sieht in der Aufstellung sogar die Gefahr, dass nur aufgrund von Hochrechnungen viel Geld in Schulstandorte investiert werde, was hinterher dann verloren ist. „Einen solchen Fall gibt es ja auch schon: Da wird eine Schule erst aufgemöbelt und dann sind keine Schüler da.“

Für Martin Detlefsen (Bürgerliste) ist die freie Schulwahl noch das geringste Übel: „Es ist doch schön, dass auch bei den Schulen mit den Füßen abgestimmt wird.“ Sigrid Schulz dazu: „Das Schulgesetz will es ja so, dass die Schulen sich gegenseitig Konkurrenz machen.“

Die sinkenden Schülerzahlen und die damit steigende Gefahr für einzelne Schulstandorte brachte Ilona Adamski (Piraten-Fraktion) auf eine ganz einfach Idee: „Vielleicht sollte man doch eines Tages darüber nachdenken, ob man einen kreisweiten Schulverband einrichten und dann nur noch vier oder fünf Schulstandorte festlegen sollte.“ CDU-Sprecher Dr. Reinhold Wenzlaff mochte dieses Fass jedoch nicht aufmachen. „Das regelt der Markt, diese Diskussion ist eher akademisch“, erstickte er weitere Wortbeiträge im Keim. Der Hauptausschuss nickte die Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes dann ohne weitere Debatte ab.

Dabei birgt das Papier durchaus einiges an Brisanz. Aktuell gibt es im Kreisgebiet 42 öffentliche Schulen, die von 17 Schulträgern unterhalten und betrieben werden. Den Löwenanteil bilden die 23 Grundschulen. Hinzu kommen zwei Grund- und Gemeinschaftsschulen, neun Gemeinschaftsschulen, vier Förderzentren und vier Gymnasien. Eines haben fast alle Schulen in den Prognosen gemeinsam: Die Schülerzahlen gehen im Vergleich zum Beginn der Erhebung im Schuljahr 2004/2005 zum Teil drastisch zurück. Während die Gymnasien aber auch langfristig gut dastehen, wird das an Gemeinschaftsschulen schon spürbar. Krempe ist ein Auslaufmodell, in Schenefeld besteht laut Entwicklungsplan „kurz- bis mittelfristig Handlungsbedarf“. Um den Standort halten zu können, müssten – so heißt es eher schwammig – in den nächsten Jahren „Anpassungsmaßnahmen“ vorgenommen werden.

Gleichlautende Kommentare gibt es auch zu den Zahlen für die Grundschulen in Lägerdorf, Oelixdorf und Rethwisch. In Rethwisch gilt sogar die Empfehlung für den Schulträger, die Zahlen jährlich zu überprüfen, um bei Bedarf schnell handeln zu können. Immerhin wird zur Situation der Grundschulen auch hervorgehoben, dass nach wie vor die Devise „kurze Beine, kurze Wege“ gelten müsse. Erstmals enthält der Plan übrigens auch eine Prognose für die Freie Waldorfschule in Itzehoe. Die Schülerzahl lag zuletzt bei 310, in den nächsten zehn Jahren droht eine Halbierung. Die Schule will mit Werbung und besonderem Profil gegensteuern – so wie wohl auch alle anderen Schulen im Kreis verstärkt den Kampf um Schüler aufnehmen werden.

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erstellt am 30.Sep.2014 | 12:02 Uhr

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