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Glückstädter Künstler : Die Welt in ihren gemalten Facetten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Percy Hertzer-Plaza aus Glückstadt spricht über sein Leben und die Wandlungen in seiner Kunst. Die Vorbereitungen für zwei Ausstellungen laufen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Das Atelier ist groß und voller Licht, viele Farbe steht auf einem Tisch. Zahlreiche fertig gemalte Bilder stapeln sich auf dem Fußboden. Percy Hertzer-Plaza zündet sich erst einmal eine Pfeife an. Dann erzählt der 73-jährige Künstler bei einer Tasse Tee über sein Leben und seine Kunst, denn beides hängt eng zusammen. Sein Leben war abwechslungsreich, ebenso wie sein künstlerisches Schaffen.

Geboren und aufgewachsen ist er in Limache (Chile). Schon seine Jugend war aufregend. „Ich bin mit dem Motorrad durch viele Länder Südamerikas gefahren.“ Geschlafen hat er in einem Zelt und aufgesogen hat er das, was er sah, um es später in seinen Bildern wiederzugeben. „Chile war damals noch Dritte Welt.“ Die Armut verarbeitete er in abstrakten Bildern, die unter anderem Häuser aus Lehm zeigten. Nur wenige Einwohner sprachen wie er englisch. Deshalb wurde er nach seinem Abitur zum Militärdienst nach Panama geschickt. „In Panama kann man kaum atmen, weil die Luft so feucht ist.“

Sein Vater war ein Kaufmann, der hoffte, dass sein Sohn das Geschäft übernimmt. Doch Percy Hertzer-Plaza hatte andere Pläne, er wollte Kunst studieren. „Es hat lange gedauert, bis ich meinen Vater überzeugt hatte.“ Dass er dann nach Deutschland kam, verdankte er einem Professor an der Kunsthochschule in Chile. Der junge Kunststudent wollte schon immer viel sehen und studierte dann in Hamburg weiter. Das war 1966. Da sein Großvater von Hamburg aus nach Chile ausgewandert war, war es kein Problem 1967 den deutschen Pass zu bekommen. „In der Ausländerbehörde waren alle Papiere von meinem Großvater noch vorhanden.“ Das konnte er erst nicht glauben, so etwas war er aus Chile nicht gewohnt. Durch den Aufenthalt in Deutschland bekam er von der politischen Umwälzung zur Diktatur in Chile persönlich wenig mit. 1970wurde der Sozialist Salvador Allende zum Präsidenten gewählt. Am 11. September 1973 putschte sich Generals Augusto Pinochet an die Macht. Durch die Kontakte zur Familie erfuhr er viel über die Umstände in Chile. „Während der Diktatur sind viele Kunststudenten ermordet worden. Viele Künstler sind auch ins Exil geflohen.“ Percy Hertzer-Plaza war froh, in Deutschland zu sein. Sein Malstil änderte sich, inzwischen malte er „realistisch“.

Er heiratete nach dem Studium, kaufte ein Haus und bekam Kinder. Ein Grund, weshalb er als Kunstlehrer arbeitete, aber auch weiterhin als Künstler malte. Sein erstes Haus hatte einen Garten. „Ich sah Wurzeln, die mich motivierten, die botanische Welt dazustellen.“ Wieder änderte sich sein Stil, den er in vielen Ausstellungen zeigte.

Vor elf Jahren zog er mit seiner zweiten Ehefrau Ursula nach Glückstadt. Die Nähe zum Wasser war ihm immer wichtig. Das Thema Wasser und Schiffe ist in vielen seiner neueren Bildern zu sehen.

Ein ganz anderes Thema nahm ihn vor zwei Jahren gefangen: Die Flüchtlingswelle. „Ich war beeindruckt und fragte, wie ich helfen kann.“ Auch diese Phase verarbeitete er. Ein Bild hängt in seinem Wohnzimmer und zeigt verschleierte Frauen mit verängstigten Augen. Sterne am Himmel symbolisieren Bomben.

Zurzeit ist Percy Hertzer-Plaza fast immer in seinem Atelier anzutreffen. Er bereitet zwei Ausstellungen vor. Eine findet im November im Wenzel-Hablik Museum in Itzehoe statt – vom Steinburger Künstlerbund, wo er Mitglied ist. Dort geht es um das Thema „Druck“. Er hat es umgesetzt als „psychischen Druck“. Percy Hertzer-Plaza malt nicht nur, er rahmt auch seine Bilder selber. In einem Raum unterhalb seines Ateliers. So auch Bilder für eine Ausstellung im kommenden Jahr im Rathaus in Rellingen. Gezeigt werden Gebäude und Architektur wie einst in Chile. Nur in einem anderen Stil. „Das ist meine halbrealistischen Phase.“

Einen Ruhestand gibt es für den 73-Jährigen nicht. Er fühlt sich am wohlsten, wenn er malen kann. Er arbeitet mit Öl, Acryl, Aquarell, Farbstiften und fertigt gelegentlich Radierungen. Im ganzen Haus hängen Bilder von ihm an den Wänden, was seine Frau Ursula begeistert.

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