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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 02:38 Uhr

Unternehmen : Die Welt der Farben

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Firma Wilckens besteht in der fünften Generation in Glückstadt. Kooperation mit japanischen Unternehmen soll zu mehr Wachstum führen.

Die Farben der Firma Wilckens sind inzwischen weltweit bekannt. Große Schiffe, die durch die Weltmeere schippern, fahren mit einem Anstrich, der in Glückstadt entwickelt wurde. Über das Unternehmen sprach Geschäftsführer Michel Wilckens vor zahlreichen Mitgliedern und Gästen des Vereins „Aktiv für Glückstadt“. Sie hatte der Unternehmer in die Firma im Gewerbegebiet eingeladen. „Farbe herstellen, ist wie Kuchen backen“, scherzte Wilckens. „Sie wird gemahlen und gerührt.“

185 Mitarbeiter, 50 Millionen Euro Umsatz: Dies sind Zahlen von heute, die den Standort Glückstadt betreffen. Dabei hat sein Ururgroßvater Mars Wilckens einst in Elmshorn seit 1845 etwas anderes in seiner Grützmühle produziert: Haferflocken und andere Getreideprodukte. 1908 zog der Unternehmer nach Glückstadt zum Proviantgraben um. In ein Gebäude, das 1705 vom dänischen König Friedrich IV. gebaut wurde. Doch durch den Ersten Weltkrieg gingen die Exportmärkte für Getreideprodukte verloren. Die Getreidemühlen wurden umfunktioniert, es wurden Pigmente für Farben hergestellt.

Als der damalige Inhaber Hermann Marcus Wilckens 1923 plötzlich verstarb, musste sein Sohn Max mit nur 24 Jahren die Geschäfte übernehmen. Er war es auch, der mit der Firma nach Glückstadt umzog, wo sie heute in fünfter Generation von Michel und seinem Bruder Marcus Wilckens geführt wird. Ihr Vater starb 1977.

1996 wurde im Gewerbegebiet neu und größer gebaut. Der heutige Slogan der Firma sagt viel aus: „Farben sind unsere Welt.“ In Glückstadt werden durchschnittlich 20 000 Tonnen Farbe für die drei Produktbereiche Industrie, Schifffahrt und in den Malerfarbenbereich produziert – zusätzlich noch einmal 2500 Tonnen in Griechenland, wo es ebenfalls eine Produktionsstätte gibt. Zudem gibt es weitere Vertriebsstandorte mit 260 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 70 Millionen Euro.

Neu ist seit dem vergangenen Jahr eine Kooperation mit einem japanischen Partner. Gemeinsam wird die Marke „Nippon paint“ verkauft. „Wir führen das Europageschäft“, erklärte Michel Wilckens. Dafür habe er zwei Japaner vor Ort, die ihm zur Seite stehen. Diese neue Kooperation, für die er Geschäftsführer sei, koste viel Kraft und Energie, denn man wolle wachsen. „Wir haben eine junge Mannschaft, wir sind flexibel, spezialisiert und bieten Qualität“, warb er für das Unternehmen. „Farben werden gebraucht, um Werte zu schützen, wie in der Schifffahrt und in der Industrie.“ Und weil die Firma technische Verfügbarkeit vor Ort biete, habe sie dadurch auch internationales Flair.

Ausführlich erläuterte er die Produktpaletten für Baumärkte mit 900 Rezepturen für 50  000 Artikel. In der Industrie liefert das Unternehmen Korrosionsschutz für Brücken und Lacke für Landmaschinen. Und so betonte er, es könnte noch mehr verkauft werden. Doch es sei schwer, gute Außendienstler zu bekommen. Hier hätte er gern noch mehr Mitarbeiter.

Dann nannte er Beispiele, wo seine Produkte aus Glückstadt überall vertreten sind: Auf der Autobahn von Turkmenistan, auf Island und in Russland, wo seit 30 Jahren „ein Team vor Ort ist.“ Schiffsfarben habe schon sein Vater in die ehemalige DDR und Bulgarien verkauft. Und: „Sie haben immer prompt bezahlt.“ Anders war das in den 90er Jahren bei Geschäften mit einem griechischen Unternehmer. Damals verlor die Wilckens-Familie viel Geld. „Es waren schwere Zeiten, aber wir haben uns wieder berappelt.“ Sehr gute Zeiten hatten sie in Folge in der Schifffahrtsbranche. „Aber wir hatten schnell überlegt, dass es nicht gut gehen kann“, sagte Michel Wilckens zur sich anbahnenden Krise in der Schifffahrt.

Zudem ging er auf die Probleme des Mittelstandes ein. „Es wird immer schwieriger, auch durch die EU-Bestimmungen.“ Die Zulassung von nur einer neuen Farbe würde inzwischen rund 200  000 Euro kosten. „Und in jedem Land müssen wir sie neu zulassen“, was sich dann im fünfstelligen Bereich bewege. Sein Fazit: „Das ist ein Freifahrtschein für die Großindustrie.“

Wilckens kündigte an, dass auch in diesem Jahr noch ein Tag der offenen Tür geplant sei.

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erstellt am 06.Apr.2017 | 05:59 Uhr

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