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Norddeutsche Rundschau

25. September 2017 | 19:13 Uhr

Warnstreik : „Die Unsicherheit ist erheblich“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Beschäftigte der Metall-Industrie demonstrieren für mehr Lohn und gegen den geplanten Stellenabbau beim Pumpenhersteller Flowserve Sihi

von
erstellt am 11.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Die gedrückte Stimmung steht in krassem Gegensatz zum strahlenden Sonnenschein am Himmel: Die Unsicherheit ist groß bei den rund 550 Beschäftigen des Itzehoer Pumpenhersteller Flowserve Sihi. Viele von ihnen beteiligten sich gestern an einem Warnstreik und einer Protestkundgebung der Gewerkschaft IG Metall vor den Werkstoren des Unternehmens in der Lindenstraße.

Über zehn Prozent der Arbeitsplätze am Standort Itzehoe sollen abgebaut werden, hatte die Geschäftsführung den Mitarbeitern laut Betriebsrat im März mitgeteilt. Die schwache Auftragslage mache diesen Schritt nötig (wir berichteten). Doch wer betroffen ist, weiß die Belegschaft bis heute nicht. „Uns wurde bisher nur ungefähr mitgeteilt, welche Kostenstellenbereiche angedacht sind, aber Konkretes wissen wir nicht“, sagt Betriebsratschef Willi Steinke. „Die Unsicherheit unter den Kollegen ist daher erheblich. Jeder macht sich Gedanken, ob es ihn vielleicht treffen könnte.“

„Ich denke, es gibt jetzt schon eine Liste für die Kündigungen“, sagt ein Sihi-Mitarbeiter, der seinen Namen aufgrund der aktuellen Situation nicht in der Zeitung lesen möchte. „Dass wir nicht informiert werden, hat meiner Meinung nach Methode.“ Es solle ein Signal ins Unternehmen gesandt werden und Druck auf alle Beschäftigten aufgebaut werden, damit die Mitarbeiter „schneller laufen“.

Das sei wohl der „amerikanische Weg“, fügt ein Kollege mit Blick auf den texanischen Mutterkonzern Flowserve hinzu. „Ziemlich primitiv, aber wirkungsvoll. Es hängen schließlich Existenzen dran und jeder macht sich Gedanken. Viele Alternativen gibt es in der Region schließlich nicht.“ Was die Mitarbeiter neben den geplanten Kündigungen weiter beunruhigt: 2016 wird das Unternehmen, das traditionell zu den führenden Ausbildungsbetrieben in der Region gehört, keine Azubis einstellen. Ob sich das 2017 wieder ändert, sei fraglich. „Da fragt man sich schon, wohin das alles führt und ob das Unternehmen noch Zukunft hat“, sagt ein Sihi-Mitarbeiter.

Der Betriebsrat will mit Unterstützung durch die IG Metall um jeden Arbeitsplatz kämpfen. „Wir hoffen zumindest, betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu können“, sagt Willi Steinke. „Dafür ist aber Kreativität und Wille von Seiten der Geschäftsführung notwendig.“ Wie solche Lösungen aussehen könnten, erklärt Harm Dierkes, Betriebsratsmitglied bei Sihi am Standort Tönning. Dorthin sind aktuell bereits 15 Mitarbeiter aus Itzehoe zeitweilig „ausgeliehen worden“, weil die Auftragslage im Geschäftsbereich der Nordfriesen deutlich besser ist. „Der Vorschlag kam von uns und wir denken, dass da innerbetrieblich noch mehr möglich ist, wenn man sich Mühe gibt.“ Auch über Frühverrentung oder Altersteilzeitmodelle sei sicher ein Teil des geplanten Stellenabbaus aufzufangen, ergänzt Steinke.

Am 23. Mai sind weitere Gespräche zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung geplant. Die stand gestern für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Die Verantwortlichen seien auf Geschäftsreise, hieß es von dem Unternehmen auf Nachfrage.

Die Situation bei Sihi ist nicht der einzige Anlass für die Protestkundgebung mit mehreren hundert Teilnehmern, für die die Lindenstraße für mehrere Stunden voll gesperrt ist. Bei der Demonstration geht es auch darum, im laufenden Tarifstreik der Metaller ein Zeichen zu setzen. Neben den Mitarbeitern von Sihi beteiligen sich daher auch Beschäftigte aus anderen Unternehmen aus der Region wie der Peterswerft in Wewelsfleth oder dem Itzehoer Maschinenbauer Pano am Warnstreik. „Unser Ziel ist aktuell, Gesprächsbereitschaft auf der Arbeitgeberseite vor den beginnenden Verhandlungen im Pilotbezirk Nordrhein-Westfalen zu erreichen“, sagt Kai Trulsson von der IG Metall Unterelbe. Für den Fall eines Scheitern dieser Gespräche, kündigt Trulsson eine massive Ausweitung der Warnstreiks für die Woche nach Pfingsten an.

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