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Sicherheit : „Die Täter sind dreister geworden“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Präventionsbeauftragte der Itzehoer Polizeidirektion im Interview

von
erstellt am 22.Jan.2016 | 04:48 Uhr

Das sorgt für Aufregung in der Landespolitik: Die Zahl der Einbrüche im Land ist im Jahr 2015 deutlich auf 8600 gestiegen, die Aufklärungsquote unter zehn Prozent gesunken. Wie sieht es im Kreis Steinburg aus? Und was kann der Bürger tun, um sich zu schützen? Darauf antwortet der Präventionsbeauftragte der Polizei, Hans-Werner Heise (52).

Herr Heise, 15 Prozent mehr Einbrüche im Land – was sagt die Statistik für den hiesigen Bereich?
Im Gegensatz dazu stehen wir im Kreis Steinburg besser da. Im Jahr 2014 hatten wir 394 Einbrüche, die Zahlen für 2015 liegen bis jetzt etwas unterhalb des Vorjahres, das Gleiche gilt für den gesamten Direktionsbereich, also auch Dithmarschen. Aber konkrete, damit belastbare und seriöse Aussagen können erst nach endgültiger Auswertung der Kriminalstatistik vorgenommen werden.

Warum die besseren Zahlen im Kreis? Die Einbrecherbanden sind entlang der Autobahnen aktiv – eine Autobahn gibt es hier auch.
Wir sind mit in das landesweite Konzept eingebunden und führen viele Kontrollen durch. In unserem Bereich sind die Wege zur Autobahn einfach weiter. Gerade in einiger Entfernung von der Autobahn fallen die auswärtigen Fahrzeuge auf und werden oftmals der Polizei gemeldet. Hinzu kommt, dass wir von der Lage her einfach mehr Glück als beispielsweise Ratzeburg oder der Raum Kiel haben. Von Einbrüchen in den privaten Wohnraum ist insbesondere der Hamburger Randbereich betroffen, aber auch entlang der Autobahnen, zum Beispiel der A 7 Richtung Norden, häufen sich die Einbrüche.

Das heißt, die organisierten Banden meiden den Kreis eher?
Wir gehen davon aus, dass die Täter, die hier aktiv waren, auch zum Bereich des organisierten Einbruchs gehören und für einen erheblichen Anteil der Wohnungseinbrüche verantwortlich sind. Auch im Jahr davor hatten wir überregional agierende und organisierte Tätergruppierungen, die höchst professionell vorgehen und wenig Spuren hinterlassen. Das erschwert natürlich die Ermittlungsarbeit und man muss lange dran bleiben, um die Täter auf frischer Tat zu erwischen. Was an Konsequenzen daraus folgt – da sind wir die Letzten, die dazu neben guter Ermittlungsarbeit etwas beitragen können, außer dass wir die Täter festnehmen.

Was kann der Bürger tun?
Jeder muss sehen, wie einbruchssicher das eigene Haus ist. Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, aber man kann kostengünstig beispielsweise am Fenster etwas machen, immer noch der Haupteinstiegspunkt der Täter, weil es schnell geht. Die neuen Pilzkopf-Verriegelungen sind gegenüber den alten schon ein immenser Schutz – das gilt ebenso für Terrassentüren. Die goldene Regel ist immer noch: Wenn ein Täter länger als fünf Minuten braucht, um hereinzukommen, lässt er meistens von dem Objekt ab. Dann bleibt es bei dem Versuch: Niemand ist drin gewesen. Der psychische Schaden, dass jemand im eigenen Haus war, ist viel größer als der materielle. Ebenso sollte man sensibel genug sein und seine Abwesenheit nicht auch noch über die sozialen Netzwerke verbreiten. Hier sollte man auch seine Kinder sensibilisieren. Auch Beleuchtung ist wichtig oder ein Einblick auf das Grundstück.

Dies auch, weil die Einbrecher dreister werden?
Dem vorherrschenden Gedanken, dass der Einbrecher nachts kommt, muss man widersprechen: Das Meiste passiert am späten Nachmittag oder frühen Abend, wenn die Menschen nicht da sind. Deshalb beginnt die Hauptarbeitszeit der Täter mit der dunklen Jahreszeit. Aber man hat schon das Gefühl, dass die Täter dreister geworden sind, weil sie die Gelegenheiten nutzen: Zum Beispiel die offene Terrassen- oder Haustür, wenn jemand nur im Garten ist.

Sind die Bürger sensibler geworden, was das Alarmieren der Polizei angeht?
Ja, das kann man auf jeden Fall sagen. Vielfach kommt es aber erst morgens heraus, dass etwas gehört wurde. Wenn dem Bürger etwas verdächtig vorkommt, sollte er sofort die Polizei anrufen. Meistens steckt auch etwas dahinter – denn man kennt seine Umgebung und die Geräusche. Und wenn es dann der Marder ist, ist es eben der Marder.


>Tipps zum Schutz vor Einbrüchen auf www.k-einbruch.de und www.polizei-beratung.de.



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