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Norddeutsche Rundschau

19. November 2017 | 04:28 Uhr

Umgehungsstrasse : Die Suche nach dem besten Weg

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Umgehungsstraße für Glückstadt bleibt auch nach zwei Jahrzehnten ein Dauerthema. Die geplante Trassenführung stößt auf Widerstand.

Seit etwa 20 Jahren wird nach einer Lösung für eine Umgehungsstraße für die Stadt Glückstadt gesucht – bisher ohne greifbare Ergebnisse. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist nun eine Trasse von 5,5 Kilometern Länge als vorrangiger Bedarf ausgewiesen. Etwa drei Kilometer davon führen durch die Gemeinde Engelbrechtsche Wildnis, die damit besonders betroffen ist. Noch können zum Verkehrswegeplan Stellungnahmen abgegeben werden. Die Gemeindevertretung hat deshalb auf ihrer jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, die Ortsumgehung in ihrer jetzigen Planung abzulehnen.

„Der Bau wird durch die Autobahn A  20 nach unserer Meinung überflüssig und ist reine Geldverschwendung. Ich habe noch keinen Bürger unserer Gemeinde gefunden, der die Umgehungsstraße in der geplanten Form befürwortet“, begründet Bürgermeisterin Maren Nagel die Ablehnung. Sönke Reimers, Vorsitzender des Finanzausschusses, ergänzt: „Mit unseren Argumenten wollen wir überzeugen und nicht kategorisch blockieren, denn die hohe Verkehrsbelastung für Glückstadt ist uns durchaus bewusst.“ Nach seiner Meinung gibt es aber noch Gesprächsbedarf, denn die Zusammenarbeit mit Glückstadt sei insgesamt sehr gut und solle durch die unterschiedliche Bewertung der Umgehungsstraße nicht belastet werden. Die Gemeinde argumentiert, dass in Zukunft durch den dreispurigen Ausbau der B 5 von Itzehoe nach Wilster und der geplanten Autobahnabfahrt der A  20 im Bereich Obendeich an der B 431 der Schwerlastverkehr von Brunsbüttel zum Gewerbegebiet Glückstadt den Innenstadtbereich dann ohnehin gut umfahren kann, denn das sei die sicherste Strecke. Außerdem würde die Ortsumgehung, die als Bundesstraße ausgebaut werden soll, das Gemeindegebiet zerschneiden und zu einem nicht vertretbaren Eingriff in die Natur und die Landschaft führen.

Die jetzt vorliegende Planung sieht eine Verbindungsstraße von der B 431 „Am Altendeich“ in der Blomeschen Wildnis etwa 100 Meter westlich der Einmündung „Sperforkenweg“ bis zur B 431 am „Herrendeich“ kurz vor der Straßenkreuzung „Obendeich“ vor. In der Engelbrechtschen Wildnis verläuft die Trasse zwischen dem Psychiatrischen Zentrum Vitanas und der Gaststätte Poppenhuus. Dazu müssen die Wasserläufe Kremper Rhin, Herzhorner Rhin und Schwarzwasser und zweimal die Bahnlinie mit Brücken überquert werden. „Das wird die reinste Berg- und Talbahn“, macht sich Maren Nagel Sorgen in Bezug auf das Landschaftsbild.

Die vom Land für den Ausbau geschätzten Kosten von 19,2 Millionen Euro erscheinen der Gemeinde nicht glaubwürdig. Nach den vom Amt Horst-Herzhorn ermittelten Berechnungen auf der Grundlage der vom Statistikamt angegebenen durchschnittlichen Baukosten ergibt sich ein Investitionsvolumen von 31,4 Millionen Euro.

Im Vorwege der Sitzung hatte es bereits einen Informationsaustausch mit den beteiligten Entscheidungsträgern gegeben. Bei einem Treffen im Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Kiel bei der Abteilungsleiterin für Straßenbau, Karin Druba, wurde ein Ortstermin vereinbart. Dieser fand Anfang März in der Engelbrechtschen Wildnis statt. Neben der Abteilungsleiterin des Ministeriums und dem Leiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr in Itzehoe, Kai-Uwe Schacht, waren auch Vertreter der Gemeinden Engelbrechtsche Wildnis, Blomesche Wildnis und der Stadt Glückstadt dabei.

„Wir haben in einer ausgesprochen sachlichen Atmosphäre Argumente ausgetauscht. Dabei ging es auch um den sensiblen Baugrund in der Marsch und die Kosten“, berichtet Nagel von einem Gespräch auf Augenhöhe. Dabei deutete Karin Druba an, dass die Behörde zurzeit nur begrenzte Planungskapazitäten habe und deshalb zunächst erstmal die unstrittigen Verkehrsprojekte realisiert werden. Außerdem gehe Erhalt und Sanierung vor Neubau. Darüber ist Maren Nagel nicht böse: „So gewinnen wir Zeit, die wir nutzen wollen, um mit Glückstadt und dem Ministerium im Dialog zu bleiben und nach Alternativen zu suchen.“

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