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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 20:08 Uhr

Die Spur führt in die Marschenstadt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kieler Ahnenforscher Franz-Dieter Schade stößt bei der Suche nach seinen Vorfahren auf Ratsherren und eine Brandstifterin

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2015 | 16:22 Uhr

Auf der Suche nach seinen Vorfahren in Süderdithmarschen stieß der Ahnenforscher Franz-Dieter Schade zunächst auf eine familiäre Verbindung in die Krempermarsch: Dort bezog vor rund 350 Jahren ein Hans Schade mit seiner Frau Anke Bielenberg einen Hof in Hodorf. Mit kriminalistischem Spürsinn konnte er dessen Herkunft dann in das Kirchspiel Wilster bis etwa zum Jahr 1600 zurückverfolgen.

Tatsächlich zeigen viele alte Urkunden, dass die Wilstermarsch schon damals geradezu eine „Brutstätte der Schades“ war. Hier gab es, wie wohl in jeder Familie, ehrenwerte und weniger ehrenwerte Mitglieder. Das Ratsbuch der Stadt Wilster verzeichnet 1560 einen Peter Schade als Ratsherrn und 1715 einen Thieß Schade als zweiten Bürgermeister. Andererseits belegt eine Urkunde des alten Stadtarchivs, dass Wilster im Jahr 1569 „mit Not einem schändlichen Frevel entging: Eine Frauensperson, Cathrine Schade, gestand in hochnotpeinlichem Verhör (also unter Folter) vor dem Rat, dass sie und ihr Mann versucht hätten, die Stadt in Brand zu setzen“.

Ein altes Steuerregister aus dem Jahr 1499 zeigt die Verbreitung der Familie Schade vor über 500 Jahren. Danach gab es in der Wilster- und Krempermarsch neun Schade-Familien. Bemerkenswerterweise lebten alle in einem engen Umkreis von wenigen Kilometern entlang der Wilsterau. Sie siedelten – oft sogar direkt benachbart – in einem Streifen zwischen Diekdorf und Averfleth. Dies lässt eine gezielte Siedlungspolitik der Familie nach dem uralten „Hollerrecht“ erkennen. Auch in Itzehoe tauchen Schades in einer Mitgliederliste der Itzehoer Liebfrauengilde schon um das Jahr 1480 auf. Der bislang älteste Fund ist aber über 550 Jahre alt und stammt aus dem Jahr 1462: „Johann Marten, Rathmann zu Wilster, Peter Schade, Clawes Wilde, wohnhaft in deme Nesse, Marten Francke, wohnhaft binnen Wilster, kaufen den Zehnten zu Haukebu vom Kloster Itzehoe auf 10 Jahre“.

Schade und Wilde wohnten also im Neß. Ist damit das Land zwei Kilometer nordwestlich der Kirche Wilster gemeint oder 300 Meter östlich der Kirche  ? Eine andere Frage, die der Autor bisher vergeblich zu klären versuchte, ist die nach dem Hof von Johann Schade in Diekdorf im Jahr 1600. Schade trat damals in einem Rechtsstreit von Bauern gegen die Stadt Wilster wegen des erheblichen Landverlustes an der Sielwettern als Zeuge auf. Der Ahnenforscher schließt aus der Lage, dass wohl der Hof Hans-Prox-Str. 6 oder der Hof Hans-Prox-Str. 9 der ehemalige Hof von Johann Schade ist. Er wäre dann über 400 Jahre alt. Aus der Summe aller gesammelter Indizien vermutet Franz-Dieter Schade nun, dass alle seine Namensvettern im Umkreis von vielleicht 20 Kilometern um Wilster von nur ein oder zwei Familien abstammen, die sich spätestens am Beginn des 15. Jahrhunderts, wahrscheinlich aber früher hier als Bauern niedergelassen hatten.

Einen Bericht über die Schade-Familien in der holsteinischen Elbmarsch aus der Zeit vor über dreihundert Jahren druckte die Zeitschrift für Genealogie in ihrer jüngsten Ausgabe. Inzwischen nimmt er eine weitere Spur auf, die um mindestens zweihundert Jahre weiter zurück und von den Schades in Wilster zu den Schades ins Emsland, ins Sauerland und sogar nach Utrecht in den Niederlanden führt.


>Einfache Ahnenlisten aus der späteren Zeit von etwa 1650 bis etwa 1900 von rund 230 Schades und 150 Ehepartnern können direkt bei Franz-Dieter Schade per E-Mail kostenlos bezogen werden (wilster.ahnen@t-online.de).

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