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Engagement ungebrochen : Die Spenden fließen – überall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Menschen in der Region geben viel Geld und Sachleistungen für Flüchtlinge, aber auch für andere Hilfsorganisationen.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 09:22 Uhr

Dass man den Euro nur einmal ausgeben kann, ist eine Binsenweisheit. Doch was die Spenden der Menschen in Itzehoe angeht, scheint sie nicht zu stimmen. Denn viele Organisationen melden ein gutes Spendenaufkommen. Dabei geht es überdurchschnittlich oft zwar um Gaben, die für Flüchtlinge gedacht sind – „allerdings ist die Spendenbereitschaft in allen Belangen überwältigend“, sagt etwa Pfarrer Ulrich Krause von der katholischen St. Ansgar-Gemeinde Itzehoe.

Im Bund ist zwar die Zahl der Spenden auf einem Rekordniveau, allerdings zeigt sich ein neuer Trend, wie die Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrates, Daniela Felser, sagt: „Rund ein Drittel der Spenden für Katastrophenhilfe und Flüchtlinge erklärt sich dadurch, dass Menschen weniger für andere Organisationen gegeben haben.“

Absorbieren die Flüchtlinge also viele Spenden?

Davon ist in Itzehoe nichts zu merken. „Gefühlt hat die Spendenbereitschaft für andere Bereiche wie etwa Kirchenmusik nicht nachgelassen“, sagt Pastor Björn Schneidereit von der Innenstadtgemeinde. Pfarrer Krause hat sogar das Gefühl, „dass die Menschen mehr als sonst spenden“ – und zwar für alle Zwecke. Auch die Kollekten, die eben nicht immer für Flüchtlinge bestimmt seien, hätten gute Ergebnisse zu Tage gefördert.

Der Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf hat noch keine belastbaren Zahlen über die Spendenbereitschaft. Allerdings sei das ehrenamtliche Engagement, das nicht die Flüchtlinge betreffe, nicht zurückgegangen, sagt Sprecherin Natalie Lux. „Die Ehrenamtlichen, die sich engagieren, machen eher noch mehr.“

Gut möglich, dass das noch zunimmt, denn bei den Spenden zeigt sich bundesweit, dass die Menschen mehr für lokale Initiativen spenden statt etwa für internationale. Insgesamt steigt in ganz Deutschland die Spendenbereitschaft, wie der Deutsche Spendenrat festgestellt hat. „Der Zuwachs für Katastrophen- und Flüchtlingshilfe betrug in diesem Jahr bis September rund 40 Prozent“, sagt Daniela Felser. Allerdings sei diese Zahl eben nicht allein für die Flüchtlinge aussagekräftig. „Wir hatten auch sehr viele Spenden im Mai, als die Menschen den Opfern des Erdbebens in Nepal helfen wollten.“

Auch in 2015 erwarte der Deutsche Spendenrat ein Rekordjahr, so Daniela Felser. Das Spendenvolumen lag von Januar bis September 2015 bei 3,4 Milliarden Euro – das bedeutet ein Plus von 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das kann auch an der guten wirtschaftlichen Situation liegen, so Felser. „Die Deutschen spenden gern für Menschen in Not.“ Viele gäben mehr, und auch die Zahl der Neuspender steige.

Organisationen, die sich nicht explizit für Flüchtlinge einsetzen, spüren keine Einbrüche. „Wir bekommen die Unterstützung wie in den vergangenen Jahren“, sagt Theaterleiterin Ulrike Schanko. „Im vergangenen Jahr haben wir etwas mehr bekommen, weil es auch um den Fortbestand des Museums ging, aber in diesem Jahr ist die Spendenbereitschaft auch gut“, erklärt Katharina Gräber vom Wenzel-Hablik-
Museum.

Das Tierheim verzeichnete im vergangenen und in diesem Jahr sogar mehr Spenden, wie sich jüngst bei der Bescherung der Tiere zeigte. Auch bundesweit steigt die Zahl der Gaben für Tierschutz an, während Umwelt- und Naturschutz sowie Kultur- und Denkmalpflege einen Rückgang verzeichnen. Doch davon spüren Naturschutzbund und Bund für Umwelt- und Naturschutz in der Region nichts.

„Wir haben sogar mehr Spenden als im vergangenen Jahr“, sagt Eva Schön vom Frauenhaus dankbar. 2014 bekam die Institution rund 7800 Euro, in diesem Jahr waren es etwa 11  000 Euro. „Unsere Stammspender haben Geld in gewohnter Höhe gegeben, dazu haben wir auch Neuspender gewonnen“, schildert Eva Schön, deren Einrichtung darauf angewiesen ist.

Auch andere Verbände melden stabile Zahlen. „Die Flüchtlingskrise hat auf unsere Spenden keinen spürbaren Einfluss“, sagt Jürgen Benfer vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. „Bei uns ist alles gleichbleibend“, berichtet auch Kirstin Baade vom Hospizverein Itzehoe.

Bei der Tafel ein ähnlicher Trend: „Das Spendenaufkommen zeigt im Vergleich zu 2014 keine Auffälligkeiten. Einem Tafelgrundsatz zufolge werden in der Itzehoer Tafel alle Bedürftigen gleich behandelt und Aktionen zugunsten der Flüchtlinge nicht durchgeführt“, so Sprecherin Frauke Steinberg.

„Auch wir nehmen nur Spenden für alle Bedürftigen entgegen – und nicht explizit für Flüchtlinge“, sagt Martin Meers, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt. Und dass jemand explizit nicht für Flüchtlinge spenden wollte – das habe er nur einmal erlebt. Ansonsten überwiegt bei ihm vor allem eines: „Wir sind stolz auf alle Steinburger, die so viel spenden.“

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