"Die schönste Zeit meines Lebens"

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30. April 2010, 08:36 Uhr

Ende April 2011 ist Schluss: Für Bürgermeister Wilfried Hansen brechen die letzten zwölf Monate seiner Amtszeit an. Bewerber für den Posten des Verwaltungschefs in Brunsbüttel, der zweitgrößten Stadt Dithmarschens, gibt es offiziell noch nicht - nur Spekulationen.

Herr Hansen, Sie haben lange überlegt. Warum wollen Sie kein drittes Mal für das Amt des Bürgermeisters kandidieren?

Wilfried Hansen: Das hat physische Gründe. Ich werde im Mai 63 Jahre alt. Und es ist ein aufreibender Job, wenngleich es die schönsten Berufsjahre meines Lebens waren. Es ist einfach an der Zeit, der Familie, die mich immer unterstützt hat, etwas zurück zu geben. Der Akku ist nicht leer, aber die Ideen gehen aus. Am Ende schadet man der Sache und sich selbst.

An Ihrer Entscheidung gibt es also nichts mehr zu rütteln?

Vom Bauch her würde ich gerne weiter machen. Ich hatte die Möglichkeit, mit einer tüchtigen Verwaltung und einer verständnisvollen Ratsversammlung die Entwicklung der Stadt in erheblichem Maße mitzugestalten. Aber jeder ist zu ersetzen. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gibt neue Impulse. Das kann der Stadt nur dienlich sein.

War die Politik überrascht?

Das weiß ich nicht. Ich bin ja schon im Vorfeld befragt worden und habe um etwas Bedenkzeit gebeten, um das in Ruhe mit der Familie erörtern zu können. Aber ich bin dankbar, dass die Politik nach Bekanntgabe meiner Entscheidung Verständnis gezeigt hat.

Als erster direkt gewählter Bürgermeister haben Sie 1999 das Amt von Ernst Tange übernommen. Damals galt Brunsbüttel als Industrie- und Schifffahrtsstadt. Den Tourismus haben Sie forciert. War das der richtige Weg?

Absolut. Wir haben in der Finanz- und Wirtschaftskrise erkennen müssen, dass man anfällig ist. Wenngleich der Freizeitbereich nur ein weiteres Standbein sein kann - und nicht das Eigentliche. Ich bin überzeugt, dass Brunsbüttel durch die Lage an Elbe und Nord-Ostsee-Kanal Potenziale hat, die man noch ausbauen kann.

Die Schaffung von Arbeitsplätzen haben Sie sich immer auf die Fahnen geschrieben: Mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise konnten Sie aber nicht rechne?

Wenn ich das hätte erkennen können, würde ich vielleicht nicht mehr hier sitzen. Wir haben alles Erdenkliche unternommen, um Arbeitsplätze zu schaffen oder bestehende abzusichern. Zufrieden ist man nie. Es kann immer ein bisschen mehr sein. Ich glaube aber, dass unsere Netzwerke in Industrie und Politik geholfen haben, schneller durch die Krise zu kommen. Die Chancen des Standortes liegen in der Ansiedlung weiterer Betriebe - auf Basis dessen, was meine Vorgänger mit der Politik auf den Weg gebracht haben. Alles andere, wie der Tourismus, rankt sich drum herum. Aber damit bekommt die Stadt Charme. Brunsbüttel ist ein Wohnstandort, den es fortwährend zu entwickeln gilt.

Wie sieht es mit der Bildungspolitik aus?

Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Sommerpause eine Entscheidung treffen. Eine neue Regionalschule, die Verwendung und die Verwertung der bestehenden Gebäude - für alles gibt es schon eine Antwort. Aus dem Nähkästchen werde ich aber erst plaudern, wenn die Beschlüsse auf dem Tisch sind. Das habe ich immer so gehalten - und werde es auch in diesem Fall so tun.

Ist ein Neubau finanziell realisierbar?

Aus Rücklagen sicher nicht. Aber es ist eine Investition in die Zukunft, von der nachfolgende Generationen profitieren. Natürlich ist jeder Kredit im Kern eine schlechte Finanzierungsgrundlage. Das sage ich ganz offen. Aber für Bildungseinrichtungen sollte man den Mut aufbringen, das zu tun. Ich habe den Eindruck, dass der politische Wille vorhanden ist.

Welche Entscheidung würden Sie heute anders treffen?

Eigentlich keine. Was wir hier investiert haben, ist im Wesentlichen in die Infrastruktur und städtebauliche Maßnahmen gegangen. Ich denke beispielsweise an die Promenade am Kanal. Sie wissen selbst, dass das in den 90-er Jahren mal ein Knüppeldamm war. Was dort entstanden ist, auch durch die Ansiedlung der Reederei Strahlmann, kann man als gelungen bezeichnen. Wir sind immer in uns gegangen, bevor wir das Geld ausgegeben haben.

Zwölf Monate liegen noch vor Ihnen: Haben Sie Pläne für die Zeit danach?

Es wird ein neuer Lebensabschnitt. Ich möchte das Opa-Dasein mit meinen Enkeln Madts und Jule auskosten und mir mehr Zeit für mein Hobby, die Jagd, nehmen. Und mit einem Kindergarten würde ich gerne eine Streuobstwiese anlegen. Wenn es gewünscht wird, werde ich mich auch gerne noch für die Belange der Stadt einbringen.

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