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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 22:59 Uhr

Natur : Die Rückkehr der Quappe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rüdiger Matzellus plant die Wiederansiedlung des Fisches. Erster Besatz mit rund 3000 Jungtieren in der Stör erfolgt.

Aal, Karpfen und Zander sind vielen Menschen bekannt. Nicht zuletzt, da sie als ausgezeichnete Speisefische häufig auf den Teller kommen. Andere Fische führen hingegen ein Leben weitgehend im Verborgenen – so wie die Quappe. Und das, obwohl der dorschartige Süßwasserfisch ebenfalls äußerst schmackhaft ist.

Das liegt zum Einen daran, dass die Quappe eher im Winter aktiv wird und dann auch für Nachwuchs sorgt. Zum Anderen ist der Bestand nicht sehr groß. Das will Rüdiger Matzellus ändern. Er ist nicht nur 2. Vorsitzender des Angelvereins Angler Nord und 2. Vorsitzender des Kreissportfischerverbandes Steinburg, sondern auch leidenschaftlicher Angler. Seit 2008 ist Matzellus den Quappen auf der Spur.

„Hintergrund war die Aufnahme der Quappe in die Fischartenhilfsmaßnahmen, die als ein Projekt aus der schleswig-holsteinischen Fischereiabgabe finanziert wird. Aber auch vorher habe ich schon Bekanntschaft mit diesen Fischen gemacht: Beim Angeln am Elbe-Lübeck-Kanal, wo es einen recht guten Bestand gibt“

Das sieht an der Stör ganz anders aus. „Ich habe mich gefragt, warum man die Quappe bei uns in der Stör nicht fängt.“ Matzellus hat Fachliteratur gewälzt, recherchiert und ältere Vereinsmitglieder gefragt. Das Ergebnis: Früher, so erinnerten sich ältere Angler, muss der Fisch recht häufig gefangen worden sein. „In der Literatur steht sogar, dass er in einigen Gebieten so vertreten war, dass man ihn getrocknet als Feueranzünder benutzt hat.“ Verschmutzung durch die Einleitung durch Abwässern, beispielsweise aus ehemaligen Lederfabriken, hätten später die Bestände dezimiert.

Das wollte Matzellus ändern und setzte alle Hebel für ein Besatzprogramm in Bewegung. „2012 haben wir erstmals Quappen im Breitenburger Moorkanal aus Vereinsmitteln des SAV Itzehoe und des VDSA Kellinghusen besetzt.“ Doch für weitere Finanzmittel war noch mehr Aufwand nötig. Zuerst musste ein Hegeplan erstellt werden, den die Fischereibehörde genehmigt, zudem musste der so genannte Förderhorizont erweitert werden. 2014 war es dann so weit – aber bis die ersten Jungfische im Wasser landeten, verging noch einmal fast ein Jahr.

Gemeinsam mit den Experten von der Fischzucht Jan Kemnitz in Aukrug, derzeit der einzige Züchter von Quappen in Schleswig-Holstein, wurde über den konkreten Besatz mit Brutfischen beraten. Jetzt im Herbst war es dann endlich soweit. Kurzfristig gab es einen Termin in Wittenbergen an der Stör. Jan Kemnitz, Rüdiger Matzellus und dessen Tochter entließen 3000 knapp acht Monate alte Quappen in die Stör. Nach Auskunft von Kemnitz seien die etwa zehn Zentimeter langen Flossenträger genau richtig, um sich optimal an das Gewässer gewöhnen zu können.

Bis sie das erforderliche Mindestmaß von derzeit 35 Zentimetern erreichen, werden noch drei bis vier Jahre vergehen. Darum bittet Rüdiger Matzellus auch alle Angler, untermaßige Fische schonend zurückzusetzen und maßige Quappen für die Bestandserhebung in die Fanglisten einzutragen. Zudem weißt er darauf hin, dass die Quappe unterhalb der Delftorbrücke in Itzehoe bis zur Elbe ganzjährig geschützt sind.

„Vielleicht können wir ja noch weitere Besatzaktionen vornehmen und die Quappen hier wieder ansiedeln, so dass sich der Bestand selbst reproduziert. Dann kommt in Zukunft vielleicht wieder häufiger leckeres Quappenfilet auf den Teller.“

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