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„Die Rente wird hinten und vorn nicht reichen“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sven Döring ist 44 Jahre alt und arbeitet im Vertrieb. Bis zum Beginn seiner Rente hat der Itzehoer noch mehr als 20 Jahre Arbeit vor sich. Aber er weiß schon jetzt: „Wenn ich so weit bin, wird es hinten und vorne nicht reichen.“ Deshalb setzt er ohne Zögern seine Unterschrift auf eine Liste, die Politiker zum Handeln auffordert.

Die Resonanz auf den Stand in der Fußgängerzone sei sehr gut, sagt Hans-Jürgen Nestmann, Vorsitzender im Seniorenarbeitskreis der IG Metall Unterelbe. Anhand einer Alterspyramide zeigen die Gewerkschafter die Entwicklung der Renten – mehr als zwei Millionen Rentner seien schon von Altersarmut betroffen. Das Rentenniveau sei von 53 Prozent des Netto-Einkommens im Jahr 2000 auf heute rund 46 Prozent gesunken. Im Jahr 2030 solle es nur noch 43 Prozent betragen, mit den Ideen von CDU und SPD gehe es noch weiter nach unten. Und die Empfänger von Arbeitslosengeld II seien noch gar nicht in Rente, das werde sich die Situation noch einmal verschlimmern. „Dagegen wollen wir etwas tun“, sagt Nestmann.

Aufklärung sei das Ziel, die Unterschriften sollen Druck machen. Motto: „Wer Rentner quält, wird nicht gewählt.“ Erste Listen seien bereits übergeben worden, teils hätten Politiker schon reagiert: „Sie merken: Hier kommt etwas auf uns zu.“ Aber auch in Itzehoe sei zu spüren, dass viele Bürger vor der Unterschrift zurückscheuen.

„Mit Freude“ leistet sie dagegen eine 54-jährige Itzehoerin, die ihren Namen lieber nicht verrät: „Das könnte Komplikationen geben.“ Wie viele andere sei sie politikverdrossen, der Generationenvertrag funktioniere nicht mehr, gehandelt werde nur halbherzig. Umso mehr begrüßt sie die Initiative der IG Metall-Senioren: „Man sieht mal wieder Gewerkschaften auf der Straße.“

Viele Menschen hätten sich intensiv mit dem Problem beschäftigt, das die aktuellen Rentner gar nicht so sehr betreffe, sagt Nestmann: „Wir denken an unsere Kinder und Enkelkinder.“

Es müsse etwas passieren, meint auch Sven Döring nach seiner Unterschrift. „Die Politiker verdienen immer mehr Geld, der kleine Mann bleibt auf der Strecke.“ Es sei einfach schade, dass an den falschen Stellen gespart werde – er selbst habe gerade privat für den Ruhestand vorgesorgt.

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erstellt am 17.Jun.2016 | 05:00 Uhr

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