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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 04:29 Uhr

Museumsverein : Die Remise wird herausgeputzt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Vorstand des Fördervereins konzipiert Ausstellung zum Thema Gemüsebau neu. Eröffnung im Museums-Garten am 25. April

Johannes Schwartkop steht auf dem Wagen und fegt. Jeder Staubkrümel wird entfernt. Denn der historische Wagen soll gut aussehen, wenn am Sonnabend, 25. April, die Gäste kommen. Mit diesem 1946 gebauten Wagen hat der Borsflether Bauer Peter Schüder nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Feld gearbeitet. Heute ist der Holzwagen eines der Ausstellungsstücke in der Remise im Innenhof des Detlefsen-Museums.

Johannes Schwartkop und Norbert Meinert vom Vorstand des Museumsfördervereins haben in diesen Tagen Unterstützung von Werner Saul. Die drei Männer putzen die Remise, die Ausstellungsstücke und machen alles flott für die neue Präsentation, die am 25.  April ab 14 Uhr gezeigt wird.

Die Remise wurde 1998 gebaut. Den Unterstand für die landwirtschaftlichen Geräte bezahlten die Umlandgemeinden. Bisher wurde dort alles Mögliche gezeigt. „Jetzt nur noch Geräte im Zusammenhang mit dem Gemüsebau“, erklärt Johannes Schwartkop. „Die Idee dazu hatten Christian Boldt und ich.“

240 Gemüsebauern habe es früher in und um Glückstadt herum gegeben. „Jetzt stirbt der Gemüsebau langsam aus“, verweist der Landwirt im Ruhestand auf das Duzend jetzt noch aktiver Gemüsebauern.

Im Detail kann Schwartkop erklären, wozu die einzelnen Gerätschaften einst gebraucht wurden. So erzählt er beim Multifunktionswagen, warum dieser seinen Namen verdient hat: Leitern wurden seitlich angebracht, um bei der Rapsernte Laken zu spannen. So wurden die Samen eingefangen. Zudem konnte Kohl transportiert werden. Wenn mit Kisten, dann wurden „zwei unten hingestellt und darüber zwei schräg“.

Ein weiteres Fahrzeug – bereits 100 Jahre alt – wurde ebenfalls flexibel genutzt: „Hinten konnte der Sitz schnell entfernt werden.“ Eher unscheinbar sieht hingegen der flache Wagen der Lore aus, mit dem der Kohl von den Feldern transportiert wurde. Dazu wurden Schienen verlegt. Auch sie gibt es zu sehen, sogar mit einer Weiche.

Was ein Pottascher ist, wird den Ausstellungsbesuchern ebenfalls erklärt: Es ist ein Gerät, um Löcher vorzustecken. Darin wurden Pflanzen gesetzt. Gemüsebau war früher Handarbeit.

Die vielen Geräte, die gezeigt werden, sollen aus optischen Gründen keine Beschriftung bekommen. Nur Nummern. In Arbeit ist jedoch eine Tafel mit den notwendigen Erklärungen. Einiges bedarf auch keiner Erklärung, so wie eine Holzkiste mit der Aufschrift „Bezirksabgabestelle 1941“. Diese wurde damals gefüllt an der Abgabestelle auf dem Gelände der heutigen Stadtwerke abgegeben – eine Zwangsabgabe im Krieg.

Ein kleiner Hingucker wird noch in diesen Tagen bepflanzt: Im Frühbeet stehen die ersten Kohlpflanzen, wenn die Besucher kommen.

Ein Schmuckstück im Hof ist der Rhinkahn. Johannes Schwartkop hatte anlässlich seines 70. Geburtstages auf Geschenke verzichtet und stattdessen den Rhinkahn sanieren lassen. Diese Boote waren bereits um 1700 für die Gemüsebauern ein wichtiges Transportmittel auf dem Rhin, dem Kremper Rhin und dem Herzhorner Rhin.

Und noch etwas Besonderes wird geboten: Ein Film über den Gemüsebau, den Werner Matalewsky 1967 gedreht hat. Der Hobbyfilmer aus Borsfleth zeigt sogar noch einen Rhinkahn, der vom Rhin durch die Schleuse zum Außenhafen fährt. In diesem Film ist auch Werner Saul (73) zu sehen. „Damals arbeitete ich mit einem Lehrling zusammen im Gewächshaus meines Bruders Dieter.“ Gezeigt wird, wie unter anderem Kohl gepflanzt und die Ernte mit den Feldbahnen eingeholt wurde. Der Film ist 18 Minuten lang.

Viel mehr können die drei Männer an diesem Tag nicht mehr erklären, denn die Zeit drängt und sie müssen weiterarbeiten. Norbert Meinert hat für das Putzen extra einen langen Stil an einen der Besen festgemacht. „Mit diesem Schrubber komme ich bis unter die Dachpfannen.“

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erstellt am 16.Apr.2015 | 17:22 Uhr

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