Vollsperrungen : Die Region wird nicht abgekoppelt

Wäre nach dem Willen der Straßenbaubehörde fast über Wochen abgekoppelt gewesen: die Haars Mühle in Kollmar.
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Wäre nach dem Willen der Straßenbaubehörde fast über Wochen abgekoppelt gewesen: die Haars Mühle in Kollmar.

Wochenlange Vollsperrungen von zwei Straße in Kollmar und Neuendorf verhindert / Andreas Haars kämpfte erfolgreich für Existenz seines Betriebes und der Bauern

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28. Juni 2014, 08:30 Uhr

Es hätte fast ein Desaster gegeben. Denn der Landesbetrieb Straßenbau will zwei Straßen sanieren und hätte den Betrieb der Haars Mühle fast über Wochen zum Erliegen gebracht. Und nicht nur die Existenz von Inhaber Andreas Haars wäre gefährdet gewesen, sondern und auch die von rund 100 Bauern aus der Region. Sie hätten ihre Ernte nicht zur Mühle fahren können. Der Grund: Der Landesbetrieb Straßenbau wollte zwei große Straßenprojekte auf der Bundesstraße in Kollmar und Neuendorf gleichzeitig ausführen. „Wir wären dann komplett abgeschnitten gewesen“, sagt Andreas Haars. Dagegen protestierte er und bekam Schützenhilfe von den Bürgermeistern aus Kollmar und Neuendorf. Mit der neuen Lösung, dass beide Baumaßnahmen jetzt nacheinander gemacht werden, kann er leben. „Dann sind wir jeweils von einer Seite aus erreichbar.“

Über die Projekte hatte Andreas Haars im Frühjahr in unserer Zeitung gelesen und sich sofort an die Ämter und Bürgermeister gewandt. „Wir als Unternehmen waren im Vorwege nicht eingebunden.“ Bis zu 3000 Tonnen am Tag werden bei der Haars Mühle von den Bauern in der Erntezeit angeliefert. Dies ist existenzwichtig für die Landwirte, weil sie die Mengen selbst nicht lagern können. „Kein Bauer kann die Ernte selbst bei sich aufnehmen.“

Wie berichtet, werden zwei große Projekte in den Ferien in Angriff genommen: In Neuendorf wird die Brücke auf der Bundesstraße verrohrt. Baubeginn ist am 14. Juli. Bis 8. August ist die Brücke und damit die Straße voll gesperrt. In Kollmar bekommt die 2,5 Kilometer lange Straße zwischen Obendeich und Deichreihe vom 18. August bis 6. September eine neue Straßendecke.

Kollmars Bürgermeister Dr. Klaus Kruse und Neuendorfs Bürgermeister Hans-Peter Saß-Thormählen haben beide für die Entzerrung der Baumaßnahmen gekämpft. „Die ganze Region wäre sonst abgekoppelt gewesen“, sagt Hans-Peter Saß-Thormählen. Gespräche über die Baumaßnahmen und ihre Problematiken gab es mehrere.

Umso überraschter waren Dr. Klaus Kruse und Hans-Peter Saß-Thormählen, als es vor kurzem hieß: Es wird nur in drei Wochen gebaut - und dann beides gleichzeitig. „Wir haben sofort um einen neuen Termin gebeten“, sagt Dr. Kruse. „Der Landesbetrieb hat andere Prioritäten gesehen. Unser Anliegen liegt darin, dass der Verkehr fließt.“ So auch für die Haars Mühle. Kein Verständnis zeigt er dafür, dass die bereits vorher getroffenen Vereinbarungen einseitig gekündigt worden waren, „ohne mit uns zu sprechen“.

Für beide Bürgermeister ist unstrittig, dass die Baumaßnahmen sein müssen. In Neuendorf verläuft die Bundesstraße über die Neuendorfer Wettern. Die Brücke ist marode, sie soll abgerissen und verrohrt werden. Gebaut wird dann eine Straße über die Wettern. Zudem werden die Rohrdurchlässe bei den Obsthöfen Hell und Greve gleich mitgemacht. Dort sind die Durchlassrohre versackt und verschlammt, dass Wasser geht nicht mehr durch. Auch Hell und Greve wären arg betroffen gewesen, wenn gleichzeitig in Kollmar und Neuendorf gebaut worden wäre. „Dann wären sie nicht mehr zu ihren Äckern gekommen.“ Rund 800 Meter liegen zwischen den Baustellen in Neuendorf. „Und wir liegen mitten drin“, sagt Peter Saß-Thormählen zu seinem eigenen Hof.

Der Landwirt kann mit der jetzigen Lösung leben. Denn nun gibt es die Möglichkeit , über den Ortsteil Flyen zu seinem Hof zu fahren. „Wir werden in den Nebenstraßen mit erheblich mehr Verkehr rechnen müssen“, sagt er. „Ich kann als Bürgermeister nur an alle appellieren, dort langsamer zu fahren.“

Kai-Uwe Schacht, Leiter des Landesbetrieb Straßenbau in Itzehoe, wirbt um Verständnis, solche Baumaßnahmen zusammenzufassen. „Es macht Sinn, sie so kurz wie möglich zu halten.“ Für ihn ist es aber auch klar, dass eine einvernehmliche Lösung herbeigeführt werden muss. „Wenn es möglich ist, versuchen wir Belange von Firmen und Betroffenen zu berücksichtigen.“ Die Kosten der Baumaßnahmen seien mit 1,1 Millionen Euro veranschlagt, wobei die Kollmaraner Straßensanierung mit rund 780 000 Euro zu Buche schlägt. Zudem gibt er bekannt, dass die Strecken der weiträumigen Umleitungen demnächst bekanntgegeben werden.

Betroffen sind auch viele Fahrer aus Glückstadt. Das Papier herstellende Unternehmen Steinbeis hat sich bereits auf die Baumaßnahmen eingestellt. „Unsere Lastwagen werden dann den Weg über die Umgehungsstraße Krempe und von dort aus zur Autobahn nehmen“, sagt Gerd Lachmann von Steinbeis auf Anfrage.

Beim Glückstädter Bauamt geht Jürgen Kewitz davon aus, dass es einen vermehrten Lastwagenverkehr über die ChristianIV-Straße gibt und in Folge auch auf der Chaussee der Blomeschen Wildnis.

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