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Kriminalität : Die Räuber lauerten hinterm Gebüsch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwei junge Männer stehen jetzt wegen des Überfalls auf die Tankstelle in der Neuen Burger Straße in Wilster vor Gericht

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2016 | 16:35 Uhr

Sie hatten sich hinter einem Gebüsch versteckt und warteten, bis keine Kunden mehr an der Tankstelle waren. Dann schlugen die maskierten Räuber zu. Bei einem Überfall am 5. November vergangenen Jahres auf die Tankstelle an der Neuen Burger Straße bedrohten zwei junge Männer die Angestellte mit einer Softair-Pistole und erbeuten 608 Euro und einen Rucksack voller Zigaretten. Weit kamen sie nicht. Knapp eine Stunde später wurden ein heute 21-Jähriger aus Dammfleth und ein 22-Jähriger aus Lohbarbek von einer Polizeistreife in der Itzehoer Gasstraße gestoppt. Seit gestern müssen sie sich vor dem Landgericht Itzehoe verantworten.

Die Anklageschrift hat es in sich: Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden jungen Männern körperliche Misshandlung, Bedrohung und Nötigung vor. Sie sollen dunkel gekleidet und mit Handschuhen und Masken ausgestattet die 25-jährige Tankstellenangestellte zur Herausgabe der Tageseinnahmen gezwungen haben. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, bedrohten sie die Frau mit eine Softair-Pistole, die einer echten Schusswaffe täuschend ähnlich sieht. Der Vorsitzende Richter hatte die Waffe zur Demonstration vor sich auf den Tisch gepackt. Unter heftigen Beleidigungen händigte die Frau den Männern den kompletten Innenbehälter der Kasse aus. Dann gab das Duo Fersengeld.

Die Räuber hatten die Rechnung allerdings ohne eine aufmerksame Wilsteranerin gemacht, die an jenem Abend mit ihrem Hund unterwegs war. Der 52-Jährigen, so berichtete sie gestern als Zeugin, waren die vermummten Männer aufgefallen, als sie zu ihrem Fluchtfahrzeug rannten. „Einer hat noch die Kapuze erst hoch und dann wieder runtergezogen, als er mich bemerkte.“ Die Frau prägte sich das Autokennzeichen ein und ging hinüber zur Tankstelle. Dort hatte die Angestellte bereits die Polizei am Telefonhörer, die sich natürlich über weitere Hinweise freute.

„So war das auch“, zeigte sich der 22-jährige Lohbarbeker gleich zum Auftakt der Verhandlung geständig. Bereits Wochen vorher habe man über die Möglichkeit eines Überfalls gescherzt, wobei als Tatort zunächst eine Wilsteraner Spielothek angepeilt worden war. An dem Tag selbst sei es dann „eine spontane Aktion“ gewesen. Das Motiv? „Akute Geldnot.“ Wie der Angeklagte berichtete, lebe er noch zu Hause. Vom Vater bekomme er monatlich 350 Euro Unterhalt, wovon aber gut 300 Euro für ein Motorrad weggingen. Gleichzeitig musste aber auch der regelmäßige Konsum von Rauschgift finanziert werden. Mit dem erbeuteten Geld waren die beiden in Richtung Hohenlockstedt unterwegs, als sie von der Polizei gestellt wurden. Dort wollten sie sich mit Marihuana eindecken und ihr Glück in einer Spielhalle versuchen. Zur vorläufigen Festnahme führte neben dem Hinweis der Zeugin auch die Spürnase der Polizeistreife. Die Beamten hatten an der B  5 am Kreisel vor Itzehoe Stellung bezogen, als ein blauer Kleinwagen vorbeifuhr, auf den zwar die Beschreibung, nicht aber das Kennzeichen passte. Das hatten die Angeklagten inzwischen ausgewechselt. Fehlende Zulassungs- und Tüv-Plaketten hatten die Beamten aber neugierig gemacht. Im Fahrzeug wurden Teile der Beute gefunden. Eine Überprüfung der Personalien ergab zudem, dass beide bei der Polizei schon aktenkundig waren. Bei der Wohnungsdurchsuchung des Dammflethers fand die Polizei unter anderem im Schuhschrank Waffe, Bargeld, Zigaretten, Masken und andere Kleidungsstücke.

Der 21-Jährige bestätigte im wesentlichen die Darstellung seines Komplizen. Bemerkenswert: Die Freundinnen der beiden – zwei Schwestern – hätten von den Plänen gewusst, diese aber nicht ernst genommen. Eine der beiden jungen Frauen war als Zeugin geladen, machte aber von ihrem Recht auf Verweigerung der Aussage gebrauch, weil sie sich unter Umständen selbst hätte belasten können. Auch der jüngere der beiden Angeklagten räumte seinen Drogenkonsum ein. Gemeinsam mit seiner Freundin verfüge er über 300 bis 400 Euro. Er selbst sei vom Jobcenter gesperrt, Miete werde von dort gezahlt.

In einem für das Strafmaß bedeutenden Punkt unterschieden sich die Aussagen. Die Tankstellen-Angestellte hatte bei dem Überfall Verletzungen an ihrer rechten Hand davon getragen. Einer der Räuber, so sagte sie, habe ihr mit der Waffe auf die Hand geschlagen – was die Angeklagten anders darstellten. Nach ihrer Einschätzung sei die Verletzung bei der Herausnahme des Geldes aus der Kasse entstanden. Immerhin: Der 22-Jährige hatte sich bereits vor einer Woche mit einer schriftlichen Entschuldigung an das Opfer gewandt, was er vor Gericht noch einmal mündlich wiederholte. Auch der 21-Jährige entschuldigte sich nun für den Überfall. So richtig annehmen konnte die Frau, die wochenlange nur noch Frühschicht machen konnte, das aber nicht. Nach wie vor sei einer der Täter trotz Hausverbots regelmäßig Kunde der Tankstelle, was den Staatsanwalt aufhorchen ließ. „Seien Sie beruhigt: Mit dem Angeklagten passiert das nicht noch einmal“, versicherte er. Das Urteil in dem Prozess wird für nächsten Montag erwartet.

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