Ministerbesuch : Die „Peking“ ist eingetütet

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz lässt sich von Werftchef Mark Dethlefs (l.) die Arbeit der Wewelsflether Schiffsbauer erklären. Im Vordergrund sind vorbereitete Stahlteile zu sehen, mit denen die Aufbauten der „Peking“ stabilisiert werden sollen.
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Wirtschaftsminister Bernd Buchholz lässt sich von Werftchef Mark Dethlefs (l.) die Arbeit der Wewelsflether Schiffsbauer erklären. Im Vordergrund sind vorbereitete Stahlteile zu sehen, mit denen die Aufbauten der „Peking“ stabilisiert werden sollen.

Vom aktuell spektakulärsten Auftrag für die Peterswerft sind derzeit nur noch die ausgebauten Masten zu sehen, die von Rost befreit und stabilisiert werden.

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01. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Für Bernd Buchholz war es gestern wohl ein Termin der angenehmeren Art. Entsprechend gut gelaunt war der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister bei seiner kurzen Stippvisite auf der Peterswerft. Was den prominenten Gast so zufrieden stellte: „Hier wird investiert, hier wird ausgebildet, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Und es ist die einzige noch verbliebene Werft an der Westküste.“ Nach einem Rundgang sieht Buchholz in der Peterswerft sogar ein Aushängeschild für das ganze Land.

Vom aktuell spektakulärsten Auftrag für die Schiffsbauer bekam allerdings auch Buchholz nichts zu sehen. Nachdem die 115 Meter lange und mehr als 100 Jahre alte Viermastbark „Peking“ Anfang September ins Trockendock gezogen worden war, ist der historische Segler inzwischen komplett hinter dicken weißen Planen verschwunden. Das künftige Flaggschiff eines noch zu errichtenden Hamburger Schifffahrtsmuseum soll damit allerdings nicht vor neugierigen Blicken geschützt werden. Vielmehr geht es nur um Arbeitssicherheit. Werftarbeiter in entsprechender Schutzkleidung befreien hinter der Plane den abgetakelten Schiffsrumpf von Farbschichten aus einer bewegten Geschichte. „Am Ende wird da kein Gramm Farbe mehr dran sein. Da kommt eine Menge Sondermüll zusammen“, formulierte Werftchef Mark Dethlefs das Ergebnis. Er geht davon aus, dass die Arbeiten hinter den Planen im April abgeschlossen sein werden. Im September könnte die „Peking“ dann das Trockendock wieder verlassen. In den nächsten Monaten wird man von dem Schiff aber nur die auf dem Werftgelände deponierten ausgebauten Masten sehen – und den alten Anker, der im Vorbeigehen als Blickfang dient. Mehr beiläufig erwähnte Buchholz noch, dass er die „Peking“ schon einmal gesehen hatte, als sie noch in New York als Museumsschiff an einer Kaimauer lag. „Dass das Schiff jetzt wieder in Deutschland ist, ist schon schräg“, meinte er.

Kein Ministerbesuch in Wewelsfleth ohne Hausaufgaben für den prominenten Gast: Mark Dethlefs regte dringend an, bei den Ausschreibungsverfahren doch bitte für klare und faire Verhältnisse zu sorgen. Natürlich kam auch das direkt vor der Tür liegende Sorgenkind auf den Tisch. Die Stör, so mahnen seit langem insbesondere auch die gewerblichen Anrainer, müsse auf Dauer schiffbar bleiben. Bernd Buchholz stellte bei dem Thema schnell fest, dass es sich um eine Bundeswasserstraße handele. Er wolle das Problem aber auch in Berlin zur Sprache bringen. Und über das Störsperrwerk werde man sich in Kiel „tiefe Gedanken machen“. Der Minister ließ keinen Zweifel daran, dass man sich um gute äußere Bedingungen kümmern müsse, wenn man an der Westküste einen solchen Unternehmensstandort haben wolle.

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