Elf Tage durch Dithmarschen : Die Odyssee des Familienhunds Alva

Wiedersehen: Ebba (vorne), Erja und ihre Eltern Maike und Lars Boldt mit Alva. Foto: Schmid
Wiedersehen: Ebba (vorne), Erja und ihre Eltern Maike und Lars Boldt mit Alva. Foto: Schmid

Die treue Leonberger Hündin "Alva" irrt elf Tage durch Dithmarschen, um ihre Familie zu suchen. Die wiederum startet eine große Suchaktion mit Flyern und über Facebook.

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11. August 2011, 09:04 Uhr

Heide | Ihr Fell ist ein wenig verfilzt und voller Zecken, ihre Pfoten sind noch ganz wund. Die Odyssee, die Alva hinter sich hat, ist ihr anzusehen. Die Geschichte der dreieinhalbjährigen Leonberger Hündin erinnert ein wenig an die Abenteuer von Lassie, der quer durch die amerikanische Wildnis lief, um zu seinem Herrchen zu kommen. Auch Alva hat viel erlebt: Elf Tage irrte sie durch Dithmarschen, elf Tage dachte ihre Familie an nichts anderes, als an ihre Alva.
Alles begann am 23. Juli. Zum ersten Mal seit Jahren wollten Maike und Lars Boldt aus Heide mit ihren Kindern Ebba (8) und Erja (11) einen längeren Urlaub machen. Wandern in Österreich. Alva - eher der Typ gemütlicher Familienhund - sollte sich mit Artgenossen in einer Tierpension amüsieren. Doch daraus wurde nichts. Offensichtlich gefiel es ihr dort ganz und gar nicht ohne ihre Familie. Sie entwischte.
Flieger zurück nach Hause
In Österreich hatte sich die Familie aus Heide noch gar nicht richtig eingelebt, da erhielt sie den Anruf der Tierpension aus Dithmarschen. Es war der 27. Juli. Da war Alva schon einen Tag verschwunden. Lars Boldt zögerte nicht lange, buchte einen Flieger und landete am Abend in Hamburg. Während Alva durch Wiesen und Felder streunte, begann eine großangelegte Suchaktion. "Wir haben von morgens bis abends gesucht - mit dem Auto, dem Rad, zu Fuß", erzählt der 42-jährige. "Jeden Tag."
Über 100 Flyer hat er gedruckt, 60 kamen vom Haustierregister Tasso. Auch über Facebook lief die unglaubliche Suchaktion, an der sich viele Menschen beteiligten. Es sprach sich herum wie ein Lauffeuer. Nach drei Tagen hielten es auch Maike Boldt und ihre Kinder nicht mehr in Österreich aus. Erja habe nur noch geweint, erzählt ihre Mutter. Der Hund, so groß wie die jüngste Tochter Ebba, ist ein Teil der Familie. Als Welpe kam er zu den Boldts und gehört seitdem einfach dazu. "Wir konnten an nichts anders mehr denken", erzählt Maike Boldt, die gemeinsam mit ihrem Mann jedem Hinweis nachging. Und das waren viele. "Das Interesse und die Hilfsbereitschaft der Menschen war unglaublich", erzählt das Ehepaar. Niemals hätten sie damit gerechnet, dass sich so viele Menschen für das Schicksal dieses Hundes interessieren.
Immer wieder klingelte das Telefon. Immer wieder wurde Alva zwischen Tellingstedt und Albersdorf gesehen. Doch der gutmütige Hund ließ sich in freier Wildbahn nicht locken. Alles Rufen half nichts. Alva lief immer wieder davon. Sogar Hundefutter legte eine der Familie völlig fremde Frau aus, um Alva anzulocken. Stundenlang wartete Lars Boldt dort. Aber der wuschelige Hund kam nicht. Selbst ein Suchhundeführer aus Lübeck kam nicht weiter. Die Spur von Alva verlief im Nichts.
Was die Familie nicht wusste war, dass die Hündin auf Heide zulief. Vermutlich war es Zufall. Aber der führte zum glücklichen Ende. Sonntag wurde Alva in einem Maisfeld nur wenige Kilometer von Heide entfernt gesehen. Und tatsächlich, als die Familie ankam, steckte sie ihren Kopf aus dem Feld. Bis ein Auto kam, sie sich erschreckte und wieder im Mais verschwand. Erst nach langem Warten und einigen Regenschauern kam Alva endlich aus dem Feld hervorgetrottet. Ruhig blieb nur Erja, die sich ganz vorsichtig der völlig verschreckten Hündin näherte und sie an die Leine nahm. "Sie hat dann einen Tag nur noch geschlafen", erzählt Maike Boldt. Abgemagert war sie nicht. Die "wollige Couch-Potatoe" hat sich in freier Natur wacker geschlagen. Ganz wie der Filmheld Lassie.
(as, shz)

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