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Erneuerbare Heizenergie : Die Nachfrage nach Brennholz in SH steigt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Heizen mit Holz wird immer beliebter: Die Abnahmemenge hat kontinuierlich zugenommen. Die Stadt Itzehoe muss die Bewerberliste bereits schließen.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 09:08 Uhr

Itzehoe | Immer mehr Deutsche heizen mit Holz. Mittlerweile macht der Rohstoff 90 Prozent der erneuerbaren Heizenergie aus. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Und dieser Trend ist auch in Itzehoe erkennbar. So musste die Stadt – die unter anderem Holz, das auf Grünflächen anfällt, verkauft – die Bewerberliste bei 150 Personen schließen. Hinzu kommt, dass auch die Bestellungen derjenigen, die nach Anmeldung selbst in die Wälder gehen und das Brennholz abtransportieren, in der kommenden Saison lediglich zu einem Bruchteil erfüllt werden können.

„Immer mehr Privatpersonen wollen Holz kaufen“, berichtet Monika Kublun aus der Umweltabteilung der Stadt. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. „Das Holz stammt aus der Pflege der Grünanlagen und der Herstellung der Verkehrssicherheit“, erläutert Kublun. 127 Hektar groß sind diese Flächen. Doch die anfallenden Mengen können von Jahr zu Jahr stark schwanken. Gibt es starke Herbststürme – wie Xaver und Christian in 2013 – steht wesentlich mehr Holz zum Verkauf als es bisher in diesem Jahr der Fall sei, so Kublun. Sie rechnet damit, dass nach 100 Fuhren – bestehend aus zwei Raummetern – in der vergangenen Saison dieses Mal 50 ausgeliefert werden. Pro Fuhre werden dem Käufer 85 Euro berechnet, dafür wird das Holz bis vor die Haustür gefahren.

Zahlreiche Itzehoer werden aber auch selbst aktiv. Die Möglichkeit dazu bieten die Stadt und das Adelige Kloster, die 376 beziehungsweise 480 Hektar verwalten. Nach Anmeldung und Auswahl werden den Bewerbern Holz-Mengen zugeteilt, die sie im Wald abholen können. „Es gibt viele Stammkunden, die jedes Jahr kommen“, erläutert Holger Grimm, seit 17 Jahren beim Kloster angestellt. Der Diplom-Forstingenieur rechnet vor: Pro Raummeter Hartholz benötige man 200 Liter Heizöl. Bei 33,25 Euro pro Raummeter und aktuell 73 Cent pro Liter Heizöl ergebe sich eine Ersparnis von 112,75 Euro. Dabei müssen allerdings auch die weiteren Kosten, die beim Holzkauf entstehen, berücksichtigt werden. So werden beispielsweise Säge und Schutzausrüstung benötigt. Hinzu kommt die Vorschrift, dass jeder Interessent einen Sägeschein vorweisen muss. Dennoch lautet Grimms Fazit: „Man spart Geld.“

Bis zu 30 Prozent des Gesamteinschlags verkauft das Adelige Kloster an Privatpersonen. Während 3,5 Festmeter – ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter Holz – pro Jahr und Hektar genutzt werden, wachsen 4,5 Festmeter nach, so Grimm. Der 45-Jährige betont: „Wir schlagen weniger als nachwächst.“

Nachhaltig soll auch die Forstwirtschaft der Stadt Itzehoe sein – so fordert es die Politik. „Erst Ökologie, dann Naherholung, dann Forstwirtschaft“, beschreibt Torsten Wismar, Forstbeamter der Stadt, die Prioritäten. Seit 1991 hat der 54-Jährige den Posten inne. Auch er kann davon berichten, dass die Nachfrage nach Brennholz in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen hat. „Wir reiten seit zehn Jahren auf der Brennholzwelle.“ Die Abnahmemenge habe sich über die Jahre enorm gesteigert, so Wismar. Während früher im Durchschnitt ein oder zwei Raummeter verkauft wurden, seien es heute zehn. „Die gesamte verkaufte Menge lag in Spitzenzeiten bei mehr als 2000 Raummetern“, sagt Wismar. Dieser Wert werde 2014/2015 allerdings nicht erreicht, da hauptsächlich Reste aus der vergangenen Saison an den Mann gebracht würden und es dieses Jahr verhältnismäßig wenig Brennholz im Stadtwald gebe. Doch auch Torsten Wismar ist sicher: „Trotz der hohen Anfangsinvestitionen lohnt sich diese Form der Brennholzbeschaffung.“

Während das Kloster Anmeldungen für den Brennholzverkauf vom 1. April bis zum 31. August entgegennimmt, beginnt die Anmeldung beim Stadtförster erst Anfang November. Doch bereits jetzt steht laut Wismar fest: „Wir können die Nachfrage nicht bedienen.“ Das wenige Holz, was geschlagen werde, sei bereits an Stammkunden vergeben.

Wie begehrt Brennholz mittlerweile ist, zeigt auch folgender Fall: Im Lehmwohld hatte Torsten Wismar mehrere drei Meter lange und 70 Zentimeter dicke Baumstämme platzieren lassen – gedacht als Sitzgelegenheiten. Doch nach kurzer Zeit musste der Forstbeamte feststellen: Die Bäume sind weg. „Die werden jetzt vermutlich auch als Brennholz verwendet.“

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