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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 05:34 Uhr

Ausstellung : Die Männer und das Meer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neue Ausstellung im Detlefsen-Museum zeigt Sehenswertes aus den Nachlässen von Dr. Gerhard Köhn und Rudolf von Willemoes-Suhm.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2013 | 17:00 Uhr

Dr. Gerhard Köhn war seiner Heimatstadt immer sehr verbunden. Der Historiker schrieb viele Bücher und landete mit einem Werk einen Volltreffer: „Seegekehlt & Seegezalzen“. Es handelt von der Geschichte der Loggerfischerei und der Heringsfischerei. Seine zahlreichen Recherchen und viele Fotos vermachte der 2011 Verstorbene dem Detlefsen-Museum. Ein Teil seiner Hinterlassenschaft ist in der großen Ausstellung „Die Männer und das Meer“ zu sehen. Die Präsentation – bei der auch in Teil der Sammlung des Glückstädter Naturforscher Rudolf von Willemoes-Suhm gezeigt wird – wird am Sonntag, 27. Oktober, um 11.30 Uhr eröffnet und ist bis zum 15. Juni nächsten Jahres zu sehen.

„Der Anlass der Sonderausstellung liegt genau 120 Jahre und einen Tag vor ihrer Eröffnung“, erklärt Museumsdirektorin Dr. Catharina Berents. „Am 26. Oktober 1893 gründeten Glückstädter Honoratioren die ,Glückstädter Fischerei-Actiengesellschaft’ in der Elbestadt.“ Staatliche Subventionen wurden versprochen, die Bürger wollten gute Geschäfte mit dem Heringsfang und der Verarbeitung am Hafen machen. Die Loggerflotte wuchs auf bis zu 18 Schiffe, „aber die Heringsfischerei musste drei Mal Konkurs anmelden: 1931, 1969 und endgültig 1976“. An die Epoche der Heringsfischerei erinnert bis heute alljährlich im Juni die Eröffnung der Glückstädter Matjeswochen.

Dr. Gerhard Köhn hatte in seinem Archiv zahlreiche Bilder des Hamburger Fotografen Helmuth Stubenrauch aus den 1960er Jahren. Dr. Berents: „Diese Arbeiten sind der Stadt am Wasser, der Glückstädter Heringsfischerei und dem Hafenbetrieb gewidmet. Seine technisch und künstlerisch anspruchsvollen Fotos bilden einen weiteren Abschnitt in der Sonderschau, sie sind Belege dafür, wie die Seefahrt die Stadt Glückstadt geprägt hat.“

Weitere Fotografien aus dem Nachlass stammen aus Privatbesitz und wurden von Amateuren aufgenommen. „Aber gerade deswegen geben sie ein sehr plastisches und zum Teil auch sehr persönliches Bild vom harten Leben an Bord.“ Dort wurden die Heringe gekehlt, gesalzen und in Fässer – Kantjes genannt – abgefüllt. Aber auch Arbeit, Leben und Freizeit an Land werden gezeigt. Dr. Berents: „Die Heringsfischerei prägte mit ihren Schiffen, ihrer Ausrüstungspier, dem Netzgarten und gestapelten leeren Fässern über viele Jahrzehnte das Bild des Binnenhafens.“

Die Museumsdirektorin zum Gesamtbild der Ausstellung: „Gezeigt werden in der Ausstellung junge Männer an Bord mit harten Gesichtern und Gummischürzen; Packer und Netzstrickerinnen; mit Eis überzogene Heringslogger in Winterruhe; hohe Berge von Fässern auf der Pier und philippinische Eingeborene, die im 19. Jahrhundert misstrauisch in die Kameras des Forscher Rudolf von Willemoes-Suhm blicken.“

Aus Hunderten von Fotografien werden historisch bedeutsame, zum Teil künstlerisch sehr anspruchsvolle Aufnahmen präsentiert.

Der Glückstädter Naturforscher Rudolf von Willemoes-Suhm war erst 25 Jahre alt, als er 1872 ein überraschendes Angebot erhielt: Er sollte an einem damals „sensationell ehrgeizigen Projekt“ mitarbeiten: der „Challenger-Expedition“. Die Forschungsreise führte per Segelschiff von 1872 bis 1875 um die Welt, brachte grundlegende ozeanographische Erkenntnisse und förderte Tausende bis dahin unbekannter Tierarten zutage, erklärt die Museumsdirektorin. Willemoes-Suhm starb 1875 während der Reise. Aus seinem Nachlass werden zum Beispiel auch Seeigel und Dokumente gezeigt.

Die Ausstellung wird gefördert aus Mitteln der EU und des Landes Schleswig-Holstein im Rahmen des Europäischen Fischereifonds (EFF) und des Zukunftsprogramms Fischerei in Schleswig-Holstein sowie durch die Stadt Glückstadt. Die Stadt hat die Arbeit von Jann Roolfs finanziert. Der Fotograf hat Teile des Nachlasses von Dr. Köhn für die Ausstellung aufbereitet.

Als Publikation bringt Dr. Berents den Ausstellungskatalog heraus: „Eine Reise um die Welt. Die Expedition des Glückstädter Zoologen Rudolf von Willemoes-Suhm mit dem Forschungsschiff Challenger, 1872-1875.“ Das 28-seitige Werk mit zwölf Fotografien und einem Aufsatz von Catharina Berents kostet acht Euro.

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