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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 02:15 Uhr

„Die Lieder langweilen mich irgendwann“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jan Delay spielt demnächst in Flensburg und in Hamburg / Im Interview spricht er über Genre-Grenzen, das Wacken Open Air und die Lieblingsmusik seiner kleinen Tochter

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2014 | 14:58 Uhr

Jan, waren Sie in diesem Jahr wieder in Wacken?
Nein, ich war nicht eingeladen. Dafür aber zur Premiere des neuen Wacken-3-D-Films, da konnte ich nur leider nicht hin.
Sie haben 2013 ein Video beim Wacken Open Air gedreht, hätten Sie Lust dort auch mal zu spielen?
Klar, aber wenn es nicht dazu kommt, geht für mich nicht die Welt unter. Und ich kann mir vorstellen, dass es für die Veranstalter eine etwas diffizile Angelegenheit ist.
Warum?
Es wäre für sie nicht leicht, uns ihrem Publikum zu verkaufen. Als unser „Wacken“-Video auf der Festival-Seite gepostet wurde, kamen natürlich gleich einige Kommentare, so nach dem Motto: Erst Heino und jetzt auch noch der! Das wollen die Veranstalter sich im Vorfeld natürlich nicht geben. Auch, wenn ich mir sicher bin, dass wir am Ende des Tages viele Skeptiker überzeugt hätten, weil wir einfach ne geile Show machen – und eigentlich jeden rumkriegen. Also: Wenn es dazu kommen sollte, fände ich es super!
Im Prinzip wäre der Auftritt auf einem Metalfestival nur konsequent, schließlich brechen Sie seit Jahren Genregrenzen.
Genau und deshalb würde es auch wirklich was bringen, dahin zu fahren, zu spielen und allen zu beweisen, das zwischen Fields of Nephilim und Gorgoroth ein kleines Jan Delay- und Disco Nr.1-Set ein schöner Lichtstrahl im Dunkel wäre – und außerdem ein guter Grund zum Tanzen.
Mit Ihrem neuen Album „Hammer & Michel“ sind Sie vom Soul zur Rockmusik gewechselt. Langweilen Sie sich eigentlich schnell bei dem, was Sie tun?
Die Lieder und ihre Aussagen langweilen mich tatsächlich irgendwann. Und wenn ich keinen Spaß mehr habe, kann ich auch bei den Konzerten keinen Spaß vermitteln. Außerdem soll jeder, der schon einmal eine Show von uns besucht hat, auch was Neues erleben und nicht immer das gleiche Zeug bekommen. Dann kommt entweder irgendwann keiner mehr oder wir sind so ein Jamiroquai-Ding geworden und machen immer das Gleiche für die gleichen Leute.
Wenn man sieht, was Sie alles schon gemacht haben, gehen Ihnen allmählich die Möglichkeiten aus – da bleiben nur noch Techno, Metal oder Volksmusik.
Das stimmt, aber darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken. Ich freue mich einfach darüber, dass da etwas ist, auf das ich Lust habe. Was danach kommt, darüber mache ich mir keinen Kopp. Irgendwann wird etwas Neues kommen.
Gibt es denn schon eine Idee für die nächste Platte?
Ja, aber darüber will ich jetzt noch nicht sprechen, denn mein nächstes Ding ist jetzt erst einmal eine Hip-Hop-Platte mit den Beginnern. Da habe ich richtig Bock drauf und da flashe ich jetzt richtig drauf. Was ich anschließend mache, hängt auch immer sehr eng damit zusammen, was für Musik ich über einen längeren Zeitraum vertieft höre.
Was hören Sie denn gerade?
Im Moment viel Afro-Beat und alten Reggae. Das liegt aber vor allem daran, dass ich jetzt eine kleine Tochter habe und da natürlich nicht so aggressive Musik anmachen kann. Sie mag das nicht, sie mag Reggae und lustigerweise findet sie Afro-Beat auch voll geil.
Dann tanzen Sie zusammen im Wohnzimmer? Oder wie muss man sich das im Hause Delay so vorstellen?
Ja, genau, aber ich habe sie auf dem Arm, weil sie noch nicht stehen kann. Sie ist erst ein halbes Jahr alt.
Die Kritik auf „Hammer & Michel“ waren eher durchwachsen. Haben Sie nicht ein bisschen Sorge, dass die ganzen Genrewechsel auch irgendwann einen negativen Rückhall provozieren könnten, nach dem Prinzip: Der kann sich nicht festlegen und hat kein eigenes Profil?
Ich habe ja gerade vorher den Vortrag gehalten, dass ich machen möchte, was mir wichtig ist, dann muss ich auch mit diesen Kritiken leben. Ich bin kein Dienstleister, sondern Künstler. Wenn ich mich jedes Mal fragen würde, was die Leute hören wollen, würde ich komplett verkrampfen. Und Kritiken haben sich immer eher mit mir als Person als mit der Musik beschäftigt, vielleicht auch deshalb, weil ich mich in fremde musikalische Territorien vorgewagt habe und nach Auffassung einiger Leute nicht die richtige Musik mache.
Was ist denn richtige Musik und was falsche?
Es gibt für mich nur gute und schlechte Musik und nicht richtige oder falsche. Ich werde da aber bestimmt eine andere Bewertung haben als jeder andere. Wenn ich die Musik, die ich gut oder schlecht finde, beurteile und dieses Urteil irgendwo äußere, dann würden bestimmt viele andere Leute das anders sehen. Es gibt da keine wirkliche Definition.
Gibt es denn ein Genre, das Sie überhaupt nicht machen würden?
Ja, New Metal. Das geht gar nicht.
Techno?
Techno finde ich gar nicht so schlimm. Da gibt es schon geile Sachen. Und ich hab auch schon mal einen Song mit WestBam gemacht, auch wenn das kein purer Techno war.
Schlager?
Ach, sag niemals nie. Denn was ist Schlager? Das ist wie beim Rock, natürlich gibt es ganz schreckliche Schlager- und Volksmusik, aber es gibt auch Songs, die ich gerne mag. Einige haben ja auch „St. Pauli“ von meiner neuen Platte als Schlagerrock bezeichnet – aber wenn das Schlager ist, dann finde ich Schlager gut. Dann ist aber auch „Andrea Doria“ Schlager. Letztendlich heißt Schlager übersetzt Hit – für Hits bin ich immer zu haben.


Konzerte: 10. Oktober, Flens-Arena, Flensburg; 17. Oktober in der Hamburger O2-World.


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