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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 02:06 Uhr

Die Leiche liegt im Schaufenster

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Krimi Nordica: Viele gruselige Momente bei der Auftaktveranstaltung in Glückstadt / Veranstaltungsreihe geht heute weiter

Annett Kautz und Reiner Otte. Tot – ermordet. Während die Polizei an den Tatorten noch Spuren sichert, stolpern Spaziergänger auf ihrem Weg vom Außenhafen zur Stadtkirche über weitere Leichen, skurrile Gestalten sowie über den „Geist“ einer im 18. Jahrhundert in Glückstadt hingerichteten Kindermörderin. 25 mutige Hilfspolizisten nehmen kurz darauf nach einer Verfolgungsjagd zwei Schmuggler fest und liefern diese bei der Polizei ab. Und immer mitten drin im Geschehen: Eine schlecht bandagierte verlottert und leicht verhuscht wirkende Biertrinkerin mit verblüffender Ähnlichkeit zur Glückstädter Tourismuschefin Sandra Kirbis. Mit anderen Worten: Die Krimi-Nordica 2015 mit ihren Neben-Tatorten in Glückstadt ist Sonnabendabend erfolgreich eröffnet worden. Sehr zur Freude und Erleichterung des Organisationsteams vom Glückstadt-Destination Management. So hatten sich Sandra Kirbis und Annett Kautz sowie einige ihrer Bekannten schon am Nachmittag von Jana Blankschyn und Meike Mattson für ihre Auftritte schminken lassen. Da wurden Platzwunden geknetet, Schnittverletzungen simuliert und Patronenausschusslöscher auf die Stirn gebastelt. Als dabei Meike Mattson dem 13-jährigen Piet Magnus mit einer Spritze voller Kunstblut verzierten, zog dieser doch die Stirn kraus. „Keine Angst, das da vorn ist keine Nadel“, beruhigte ihn die Rotkreuzhelferin.

Alle Akteure schwärmten dann gegen 18 Uhr aus und besetzen ihre festgelegten Standorte. Dabei wurde konsequent darauf geachtet, dass sich der Gruselfaktor in Grenzen hält und sich kein Schaulustiger durch unvermittelt vorspringende Gestalten womöglich zu Tode erschrickt. So lag die augenscheinlich als Schnorchlerin beim Matjesfischen zu Tode gekommene Annett Kautz im früheren Schuhladen am Marktplatz hinter den Schaufensterscheiben herum. Die Ermittlungen von Fiete Otte und seinem Team nach der genauen Todesursache waren bis Redaktionsschluss übrigens noch nicht abgeschlossen.

Zwei weitere Tatorte befanden sich Am Hafen, wo es auf offener Straße zu einem Schusswechsel gekommen war. Im Einsatz waren hier auch die DRK-Bereitschaft mit ihrem Krankenwagen und deren Leiter Torben Mattson – allerdings in der Rolle eines Kripobeamten. Für ein zweites in Höhe des Bootsausrüsters Günter Klingbeil unter einem Auto liegendes Opfer kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Für die richtige Stimmung der Szenerie sorgten an mehreren Stellen musikalisch aufspielenden Akteure des historischen Straßentheaters „Teatro Spectaculo“ aus Itzehoe. „Wir haben uns fünf Monate durch Lesen der Geschichte Glückstadts auf diese Tour vorbereitet“, erklärte die mitwirkende Historikerin Ingeborg Bruhn-Güntmer. Sie war und ist auf den noch folgenden Stadtführungen als Karen Sörensen, mit einem Schild als Mörderin eines unschuldigen Kindes angeprangert, unterwegs.

Einen weiteren Krimi-Nordica-Höhepunkt hatte sich die Familienbildungsstätte einfallen lassen. 25 Kinder im Alter bis zu zehn Jahren waren um 18 Uhr gestartet, um nach zwei flüchtigen Schmugglern – in Person von Jonathan Reimers und Michel Ledtje – zu suchen. Diese wurden 30 Minuten später dank Unterstützung der Familie Cornelsen in einem Keller des früheren Zollamtes entdeckt. Eine Flucht brachte den beiden Spitzbuben nichts: Die Kinder stellten die vermummten Schmuggler auf der Docke und schleppten sie gefesselt zur Polizeidienststelle in die Königstraße. Dort spielten die Polizeibeamten Kerstin Labuj und Markus Wodnik das Spiel mit und erklärten den Kindern in der nicht mehr genutzten Gewahrsamzelle im Kellergeschoss spielerisch die weiteren polizeilichen Maßnahmen. „Die beiden Schmuggler müssen uns jetzt ihre Hosengürtel und die Schnürsenkel überlassen, damit sie sich nicht wehtun können.“

Trotz einsetzenden Regens harrten dann weit über 300 Besucher nach ihrem kriminalistischen Spaziergang vor der Stadtkirche aus und genossen blutrünstige Snacks oder sichteten die von der Bücherstube Am Fleth in einem Zelt ausgestellte Krimi-Literatur. Um 20 Uhr öffneten sich die Kirchentüren. Bei minimaler Beleuchtung wurden die Besucher mit Orgelmusik der ganz besonderen Art auf 90 kurzweilige Minuten eingestimmt. Organist Andreas Reinke, gelang es dabei in hervorragender Weise, der Kirchenorgel bekannte Krimi-Melodien von James Bond, über den dritten Mann und den Kriminal-Tango bis hin zu Miss Marple zu entlocken. Passend zum Thema wurde die erste von Pastor Stefan Egenberger vorgelesene Kurzgeschichte durch den eine Bass-Klarinette spielenden Daniel Schröder und die Tatort-Filmmusik eingeläutet. Gemütlich im Sessel sitzend entführte Egenberger anschließend die Kirchenbesucher in eine vermeintliche Krimiwelt der heutigen Zeit. Diese entpuppte sich am Ende als Gleichnis zum 3000 Jahre alten 12. Kapitel des 2. Buches Samuel.

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erstellt am 08.Nov.2015 | 14:03 Uhr

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