Schöpfwerk : „Die Lage ist ziemlich angespannt“

Langsam, aber sicher läuft die Marsch voll: Zum Teil haben sich sogar schon ganze Seenplatten gebildet.
1 von 2
Langsam, aber sicher läuft die Marsch voll: Zum Teil haben sich sogar schon ganze Seenplatten gebildet.

Im wochenlangen Dauerregen fällt in einem Hauptschöpfwerk in Neuendorf-Sachsenbande auch noch eine Pumpe aus.

shz.de von
05. Januar 2018, 04:45 Uhr

Der anhaltende Regen beschert immer mehr Menschen in der Wilstermarsch nasse Füße – vor allem in Neuendorf-Sachsenbande. Weil hier bereits vor Weihnachten im Hauptschöpfwerk Averfleth eine der beiden Pumpen ausgefallen ist, herrscht für Teile des Gemeindegebiets zunehmend Land unter. „Die Lage ist ziemlich angespannt“, bringt Arne Blohm, Geschäftsführer beim Deich- und Hauptsielverband Wilstermarsch, die Situation auf den Punkt. Sein banger Blick gilt schon seit Tagen den grauen Wolken am Himmel. Vor zwei Tagen kamen 20 Millimeter Niederschlag runter, in der Nacht zu gestern waren es weitere 10 Millimeter. Seine Rechnung macht die Auswirkungen deutlich: „Um 10 Millimeter wegzubekommen, brauchen wir zwei Tage.“ Angesichts des Pumpenausfalls ist das wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel.

Laut Arne Blohm wird seit Tagen mit Hochdruck an der Reparatur der defekten Pumpe im Hauptschöpfwerk gearbeitet. Der Motor selbst werde derzeit bei einer Fachfirma in Heide neu gewickelt, die ebenfalls demolierte Pumpenwelle werde bei Propeller-Piening in Glückstadt wieder gerichtet. Blohm hofft, dass die Pumpe nächste Woche wieder eingebaut werden kann. Normalerweise bewältigt des Schöpfwerk, über das das Niederschlagswasser direkt in die Wilster Au transportiert wird, 3000 Liter pro Sekunde. Aktuell sind es aber nur 1000 Liter, die die verbliebene und unter Hochdruck laufende zweite Pumpe schafft.

Ohnehin laufen die Pumpen in dem rund 1500 Hektar umfassenden Gebiet der 16 Sielverbände in der Wilstermarsch schon seit Monaten auf Hochtouren. Wenn alles glatt läuft, sieht sich der Verband zwar gut gerüstet. Die Rekordwassermengen der vergangenen Monate bringen die Kapazitäten aber immer mehr an ihre Grenzen. Weil auch die abnehmenden Flüsse von der Au über die Stör bis hin zur Elbe immer weniger Wasser aufnehmen können, geht ohne Pumpen ohnehin schon lange nichts mehr. In normalen Zeiten kann zumindest gelegentlich auch mal das in der Marsch allerdings eher seltene natürliche Gefälle genutzt werden. Der dauerhafte Pumpenbetrieb aber beschert den Sielverbänden und damit auch den Grundeigentümern als Mitglieder inzwischen Rekordkosten. „Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Stromkosten verdoppelt“, klagt Arne Blohm. Bei einem Jahresverbrauch von rund zwei Millionen Kilowattstunden läppert sich da was zusammen. Blohm spricht von einer „Kostenexplosion“, die durch den Dauerbetrieb noch größer ausfällt.

Hinzu kommen aus seiner Sicht noch andere Probleme. So seien in der Vergangenheit viele Unterhaltungsarbeiten an den Straßengräben vernachlässigt worden. Immerhin: In den Zuständigkeiten des Verbandes seien im Herbst alle Pflegemaßnahmen ordnungsgemäß erfolgt. Daneben gebe es vielfach aber auch noch lokale Probleme, weil Abläufe oder Durchlässe verstopft seien und deshalb für Überschwemmungen sorgten. Arne Blohm hofft jedenfalls, dass das Schöpfwerk bald wieder im Vollbetrieb laufen kann – und dass der Regen mal aufhört. Die Alternative wären sonst nur mobile Großpumpen, wie sie vor einigen Jahren bei einem Notfall im Raum Heiligenstedten aus Holland herangeschafft worden waren. „Da fallen für ein paar Tage aber schnell mal Kosten von 100 000 Euro und mehr an“, so Blohm.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen