Einzelhandel : „Die Kunden werden anspruchsvoller“

„Einmal vollmachen bitte“: Wienke Döring kauft Eier am Stand von Sabrina Schade. Ihre Plastikbox hat sie mitgebracht.
„Einmal vollmachen bitte“: Wienke Döring kauft Eier am Stand von Sabrina Schade. Ihre Plastikbox hat sie mitgebracht.

Zahl der Stände auf dem Wochenmarkt seit Jahren rückläufig / Nachfrage nach speziellen Produkten wie Bio- oder Feinkost steigt

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27. Mai 2016, 05:00 Uhr

Ihre Eierschale aus Plastik hat Wienke Döring aus Oelixdorf mitgebracht: „Einmal vollmachen bitte“, sagt sie zu Händlerin Sabrina Schade, die prompt zehn schöne Exemplare aussucht und die Box auffüllt. Auf dem Wochenmarkt geht alles nach Wunsch – wenn nötig, werden die Kartoffelsäcke sogar bis zum Auto der Kunden getragen. Der Kauf kleiner Mengen ist ebenso wenig ein Problem wie das Stöbern und Anfassen der Produkte. Dennoch: Die Besucher des Wochenmarkts werden weniger. Die Zahl der Stände ist seit Jahren rückläufig.

Vor einigen Jahren seien es noch rund 70 gewesen, heute kämen jeden Donnerstag noch rund 50 Händler auf den Itzehoer Wochenmarktplatz, sagt Marktmeister Klaus Struve. Ein kleinerer Montagsmarkt sei schon seit über zehn Jahren eingestellt und auch der Versuch, einen Bauernmarkt auf dem Berliner Platz zu etablieren, sei gescheitert. „Das fremde Angebot ist größer geworden. Im Supermarkt bekommen Sie alles, eventuell sogar zu einem günstigeren Preis.“ Und nicht zuletzt fehle vielen Standbeschickern der Nachwuchs.

Daneben beobachtet Struve noch einen anderen Trend: Angebot und Nachfrage würden spezieller. „Früher gab es nur Äpfel, Kartoffeln und vielleicht noch Apfelsinen auf dem Wochenmarkt. Heute finde man mittlerweile auch Stände mit Bio-Produkten und türkische Spezialitäten. Exotische Dinge seien beliebt.

„Der Kunde ist anspruchsvoller geworden“, findet auch Landwirtin Martina Schade aus Ridders, deren Familie bereits in dritter Generation Kartoffeln, Eier und Zwiebeln auf dem Markt anbietet. Bewusste Nachfragen, wo denn die Eier herkämen und wie die Hühner gefüttert worden seien, würden zunehmen. Für Schade kein Problem, da sie die Fragen in der Regel zur Zufriedenheit der Kunden beantworten könne.

Dass die Wünsche spezieller werden, bestätigt auch Fleischer Jens Asmussen, der ebenfalls seit über 30 Jahren herkommt. „Heute haben wir Grillfleisch im Sortiment – so etwas gab es früher nicht.“ Im Gegensatz zu anderen Händlern beobachtet Asmussen an seinem Stand zunehmende Besucherzahlen: „Es kommen mehr Kunden, weil die Leute mehr auf Qualität und Frische gucken.“ Er könne sich nicht beklagen.

Klagen will auch Marktmeister Struve nicht: „Der Itzehoer Wochenmarkt hat immer noch einen guten Ruf.“ Die Händler kämen gerne, weil die Infrastruktur stimme, die Besucher reisten teilweise eigens aus Wilster oder Kellinghusen an. Parkplätze seien genug vorhanden. In anderen Städten seien die regelmäßigen Märkte teilweise schon ganz ausgestorben. „Da können wir noch zufrieden sein in Itzehoe.“

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