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Norddeutsche Rundschau

18. November 2017 | 13:30 Uhr

Itzehoe : Die Kulturnacht von A bis Z

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bestes Wetter, herausragende Künstler und ein Besucherrekord: Das bunte Treiben in der Innenstadt wird einmal mehr ein voller Erfolg.

von
erstellt am 08.Mai.2017 | 05:03 Uhr

Weit mehr als 1000 Besucher kamen am Sonnabend zur 15. Itzehoer Kulturnacht in die Innenstadt. Unsere Zeitung hat das Ereignis von A bis Z durchdekliniert.


Akrobatik: Rasant schleuderte das „Duo Agil“ im Holstein-Center seine Keulen durch die Luft, so rasant, dass Sicherheitsvorkehrungen nötig waren. „Klein Fritzie“, einem Jungen aus dem Publikum, setzten die beiden Clowns einen Nasenschutz (Pappnase) und einen Helm (Gebilde aus Luftballons) auf, um ihm am Ende zu bescheinigen: „Siehst richtig scheiße aus!“ Armer Fritzie!


Buntes Treiben: Die Straßen sind voller Menschen – in der Feldschmiede trifft man sich zum Bier und Klönschnack, aus den Häusern tönt Musik. Das ist Kulturnacht!


Clowns: Im Theater Itzehoe trieben „Die Buschs“ ihr Unwesen. Einem Glatzkopf im Publikum verpassten sie glatt eine Portion Haarspray, mit Wasser und Gartenschlauch verwandelten sie eine Zuschauerin live in eine Gießkanne. Eine geniale Mischung aus Witz und Zauberei.


Dolce Vita: Der Sizilianer Raffaele und sein „Trio Korrupti“ entführten ihr Publikum in der Sparkasse mit Anekdoten und Liedern nach Italien. „Pate, Pasta, Tarantella“, der Name seines Bühnenprogramms sagt schon alles.


Erinnerungen: Auf seine Schulzeit blickte der heimische Autor und Satiriker Arne Tiedemann zurück. Weder an Lehrern noch an Mitschülern ließ er ein heiles Haar: „Der Genitiv ist dem Streber sein Beischlaf.“ Während die Grundschule für ihn noch wie das Ikea-Bälleparadies war, verglich er das Gymnasium mit Guantanamo. Die Zuhörer im Kundencenter der Norddeutschen Rundschau lagen vor Lachen am Boden.

Filigranes: In nur wenigen Minuten fertigte der Hamburger Reinhold Stier Scherenschnitte von Besuchern an. Haargenau schnitt er jede Falte und jedes Haar ins Papier. „Jede Frisur ist eine Herausforderung“, so der Künstler.


Geschichte: An alte Zeiten erinnerten Zeitzeugen im „Haus der Heimat“. Gesa Stork, frühere Bewohnerin des alten Fachwerkhauses, und Fritz Graf zu Doha, Flüchtling aus Ostpreußen, erzählten im Wechsel von ihren Erfahrungen.


Herr Huber: Ein Künstler, der in keine Kategorie passt. Wie aus dem Nichts taucht der alte Mann mit dem knorrigen Gesicht und den grauen Haaren auf. Er schiebt seine Riesen-Schildkröte Wilfried vor sich her, kratzt Aufkleber von Straßenlaternen ab, hebt Müll vom Boden auf, schüttelt ab und zu den Kopf, bleibt aber stumm. Völlig skurril.


Interaktion: So mancher, der in der ersten Reihe saß oder stand erlebte eine böse Überraschung. Comedians, Zauberer und Akrobaten banden gerne ihr Publikum mit ein. Das war nicht immer zum Vorteil der ahnungslosen Gäste.


Jazz: Die Jan Fischer Bluesband entführte die Zuhörer bei Optik Fuhlendorf nach Louisiana. Nebenbei gab es die ein oder andere Anekdote, etwa über Jazz-Komponisten Freddy King.


Klavier: Das Piano, genauer gesagt mehrere Pianos, brachte Jochen Kilian im Klaviergeschäft Hochheim zum Klingen. Munter spielte er sich von Instrument zu Instrument und ließ seine Hände zu Chopin-Etüden, die sonst so manchem Amateur die Finger brechen, mit großer Leichtigkeit über die Tasten tanzen.


Liebe: Romantisch wurde es in einem leerstehenden Ladengeschäft im Holstein Center. Das Gesang- und Gitarrenduo „Horn und Seide“ erfüllte den kalten Raum unter anderem mit den warmen Klängen von Liebesliedern. „Ich bin durch dich auf weichen Grund“, sangen sie – auf hartem Estrich-Boden.
Magie: Da staunte Zauberer Christian Brandes nicht schlecht. Zuschauer Jörg, den er sich auf die Bühne geholt hatte, entpuppte sich als Magier-Kollege. Seinen Kartentrick zeigte er trotzdem und beeindruckte damit nicht nur seinen Kollegen, sondern auch das Publikum.


Newcomer: Er war Neuling bei der Kulturnacht und noch dazu ein Eigengewächs aus Itzehoe. Der 21-jährige Moritz Kruit sang sich im Pappsalon in die Herzen der Zuhörer.


Orientierung: Wo bin ich? Wo muss ich hin? Manch einer war für kurze Zeit ratlos, beim Blick auf den bunten Kulturnacht-Flyer. Bei 202 Auftritten, 54 Gruppen und Künstlern sowie 53 verschiedenen Bühnen kein Wunder.


Papier: Mit zarter Hand und grobem Mundwerk schritt „Doc Shredder“ im Pappsalon zur Tat. Passend zu seinem selbst erfundenen Märchen von „Prinzessin Papyrella“ schnitt er zerbrechliche, aber umso imposantere Kunstwerke aus Papier. In Windeseile schuf er lebensgroße Figuren, eine mehrere Meter lange Leiter und ein Spitzendeckchen. Und wenn er nicht gestorben ist, dann schnippelt er noch heute.


Quatsch: Ulkige Gereimt- und Ungereimtheiten von Heinz Erhardt zitierte Hanno Loyda im Kreismuseum Prinzeßhof. Optisch sieht er dem Komiker zwar nicht besonders ähnlich, in Wortgewandtheit und Vortragskunst steht er dem großen Vorbild aber an nichts nach.

Rekord: 1250 Kulturnacht-Karten gingen im Vorverkauf unters Volk – laut Theater Itzehoe so viele wie nie zuvor. Weitere gingen an der Abendkasse über den Tresen, die genaue Zahl stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.


Sekt: Kultur macht durstig. Wer eine Pause von Musik, Wort und Aktion brauchte, der genoss Sekt oder Selters, Bier oder Wein.
Tipps: „Das musst du gesehen haben!“, „Dieser Künstler war echt genial!“ Geheimtipps wurden unter den Kulturnacht-Besuchern heiß gehandelt. Und wer nicht mehr weiter wusste, belauschte einfach die Gespräche der anderen.


Ungewöhnliche Orte: 53 Bühnen? Das funktioniert nicht ohne die Beteiligung der Itzehoer Geschäftswelt. Bei der Kulturnacht verwandeln sich Sparkassen in Konzerthallen, Geschäfte in Tanzlokale und Parkbänke in Kleinkunstbühnen.


Violine: Ein bisschen Barock, ein bisschen Klassik, ein bisschen Tango. Dörthe Landmesser an der Orgel und Jazeps Jermolovs an der Geige sorgten mit der Filmmusik „Por una cabeza“ für Überraschungsmomente in St.-Laurentii.


Wetter: Das hatte die Kulturnacht endlich einmal verdient. Nachdem es vor zwei Jahren Bindfäden geregnet hatte und im vergangenen Jahr bitterkalt war, schien in diesem Jahr zur Eröffnung die Sonne und es war einigermaßen warm.


X-Chromosom: Mit geballter Frauenpower trat die Showtanzgruppe der Itzehoe Eagles im Holstein-Center auf – mit sportlichen Kicks, flotten Drehungen und lockeren Hüftschwüngen.


Y-Chromosom: Echte Manpower zeigte dagegen das Sonux Ensemble, das sind die Tenöre und Bässe der Chorknaben Uetersen. Aus einem leisen „Do, do, do“, das die Sänger im Kirchenschiff von St. Laurentii anstimmten, entwickelte sich der getragene Popsong „Mad World“, mit dem die Männerstimmen für Gänsehaut sorgten.


Zufrieden: Positiv fiel das erste Fazit von Theaterdirektorin und Kulturnacht-Organisatorin Ulrike Schanko aus, die selbst so viele Veranstaltungen wie möglich abklapperte: „Es waren viele Leute unterwegs, die Stimmung war gut noch bis spät in die Nacht. Was will man mehr.“

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