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Kultur : Die innere Stille, die man hören kann

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Giora Feidman begeistert mit seiner jubilierenden Klarinette das Publikum in der St. Laurentii-Kirche

Giora Feidman, als weltbekannter Klarinettist ein Inbegriff für Klezmer-Musik, gastierte zum dritten Mal in Itzehoes St. Laurentii-Kirche. Jetzt begleiteten den fast 79-Jährigen mit Stefan Braun (Cello), Reentko Dirks (Gitarre) und Guido Jäger (Kontrabass) drei Jazzer, die der inneren Stille der Feidmanschen Klarinette improvisatorische Dynamik entgegensetzten. Wirklich erstaunlich: Der alte Herr hielt mit.

Feidman kann nicht nur ganz innerlich, leise und gehaucht. Nein, die jungen Leute entlocken dem Virtuosen auch das Tänzerische, Fetzige, Mitreißende. Dann jauchzt und jubiliert seine Klarinette.

Schon Feidmans übliches Auftrittsritual, langsam schreitend, pianissimo spielend, das sich verdunkelnde Kirchenschiff abschreitend, geht unter die Haut. Wer bewegt da wen? Sein zunächst samtig gehauchtes „Bei mir bist du shein“ umfängt das Publikum in der gut besetzten Kirche. Es erschafft diese „innere Stille, die man hören kann“. So formuliert Feidman sein musikalisches Credo, dem er im Konzert, unter reger Beteiligung seines Publikums, auch immer die politische Friedensbotschaft folgen lässt. Er schließt die Menschen auf, was in dem gemeinsam gesungenen und gesummten Traditional „Shalom Chaverim“ gipfelt.

Die drei Jazzer bilden allerdings nicht nur Beiwerk, die dem Klarinettenkünstler hier und dort eine Atempause ermöglichen. Feidman sitzt dann hinter ihnen, vorm Altar thronend, als wäre er der Szene entrückt, wenn seine drei Musiker losjazzen. Dann entwickelt sich eine mitreißende Symbiose aus Jazz, Klezmer und Traditionals.

Aber Feidman ist nicht entrückt. Wenn er wieder mit einstimmt, zunächst mit Anfeuerungsrufen, entwickelt sich nicht nur Lebendigkeit, sondern auch übermütige Heiterkeit.

Brillant: die solistischen Einlagen der Jazz-Experience. Besonders Reentko Dirks erstaunte, zum Beispiel in „Danza Impossible“, mit seinen technischen und rhythmischen Fertigkeiten.

Am meisten aber bewegt der Abend, wenn Feidman zu seinen Klezmer-Wurzeln zurückkehrt, immer nach dem Motto: „Mach’ mich glücklich, spiel mir ein trauriges Lied!“






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