Brunsbüttel : Die Helfer der Sportbootkapitäne

Auf dem Weg ins „Revier“: Die Gillis Gullbransson beim Auslaufen in Richtung Elbe. Das 1999 in Dienst gestellte Seenotrettungsboot kann die Elbe und ihre Nebenflüsse bei jedem Wetter befahren – auch bei Orkan.  Fotos: Gravert
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Auf dem Weg ins „Revier“: Die Gillis Gullbransson beim Auslaufen in Richtung Elbe. Das 1999 in Dienst gestellte Seenotrettungsboot kann die Elbe und ihre Nebenflüsse bei jedem Wetter befahren – auch bei Orkan. Fotos: Gravert

Bei den Seenotrettern in Brunsbüttel herrscht Hochsaison: Sie wachen über die Sicherheit von Urlaubern mit Segel- oder Motorbooten

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29. Juli 2018, 08:00 Uhr

Die Gillis Gullbransson liegt ganz vorn im Nord-Ostsee-Kanal (NOK). Das Seenotrettungsboot hat den ersten Liegeplatz in Richtung Elbe am Behördenanleger vor den großen Schleusen. So kann die Besatzung tidenunabhängig zügig die Elbe erreichen – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

An diesem Tag ist wenig los auf dem große Strom. Kaum ein Segel ist am Horizont zu erkennen. Seenotretterin Sabine Rühmann lässt es daher ruhig angehen, als sie die Gillis Gullbransson zur Patrouillenfahrt Richtung Elbe steuert. „Vielleicht ist es den Sportbootfahrern zu heiß“, vermutet Vormann Jürgen Grimsmann. Denn eigentlich sei gerade jetzt sehr viel los im „Revier“, wie die Brunsbüttler Seenotretter ihren Zuständigkeitsbereich nennen. Der reicht von Kollmar bis hinter die Ostemündung auf niedersächsischer Seite und umfasst neben der Elbe selbst auch deren Nebenflüsse. Tausende Segeler und Motorboote kommen dort vorbei, wenn sie den NOK nutzen oder Hamburg anlaufen. Und auch die Häfen in der Region sind beliebte Urlaubsziele.

Die Sportbootfahrer sind in erster Linie die „Kunden“ der 14 Mann starken, ehrenamtlich-tätigen Besatzung des Seenotrettungsbootes bei ihren jährlich etwa 35 Alarmierungen. „Motorschäden, Mastbruch und andere Arten technischer Probleme kommen am häufigsten vor“, sagt Grimsmann. An zweiter Stelle stehe das Auflaufen, denn die schlickreichen Randbereiche des Tidengewässers Elbe sind tückisch für Ortsunkundige. „Selbst wir müssen uns spätestens jedes Frühjahr erstmal anschauen, wo wir eigentlich hinfahren können, weil sich der Fluss ständig verändert“, sagt Michael Mantey. „Revierkunde“ sei deshalb auch ein wichtiges Fach für neue freiwillige Helfer, sagt der in Brunsbüttel für die Ausbildung zuständige Seenotretter.

Und dann dient die Gillis Gullbransson auch quasi als Rettungswagen auf dem Wasser bei medizinischen Notfällen auf Schiffen. Das kann dann auch mal die Übernahme eines Erkrankten von einem der großen Pötte sein, die in Richtung Hamburg unterwegs sind.

Der klassische Seenotfall „Mann über Bord“ komme dagegen eher selten vor, sagt Grimsmann. „Zum Glück.“ Das wichtigste Arbeitsgerät sei der Schlepphaken am Heck des Seenotrettungsbootes mit dem defekte Sportboote abgeschleppt oder aufliegende Schiffe befreit werden können.

Vorbereitet sind die Brunsbütteler aber auch auf deutlich größere Schadenslagen, die sie im Ernstfall gemeinsam mit dem in Cuxhaven stationierten Seenotrettungskreuzer Anneliese Kramer und anderen Einheiten abarbeiten würden. Im Mai probte die Besatzung gerade einen Massenanfall von Schwerverletzten auf See bei einer Großübung mehrerer Einheiten: Es galt 17 Seeleute nach einer simulierten Explosion auf einem Schiff zu retten – einige davon aus dem Wasser.

In solchen Notfällen belasten die Seenotretter ihr Boot dann auch bis an die Grenzen. Bis zu 22 Personen haben theoretisch an Bord Platz, sagt Grimsmann. Auch den Transport von zehn vollausgerüsteten Feuerwehrleuten zur Schiffsbrandbekämpfung hat die in der Regel immer mindestens dreiköpfige Crew der Gillis Gullbransson schon geprobt.

An die Grenzen bringt Sabine Rühmann das Boot auch an diesem ruhigen Tag auf der Elbe noch kurz: Der Rumpf ist kürzlich in der Yachtwerft Glückstadt gereinigt und gepflegt worden. Nun testen die Seenotretter wie schnell ihr Boot bei Vollgas fährt. Mit mehr als 20 Knoten, schneller als vor dem Besuch in der Werft, stellen sie zufrieden fest: Bereit für den Ernstfall.


>Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) stellt ihre durch Spenden finanzierte Arbeit morgen beim „Tag der Seenotretter“ in ganz Norddeutschland vor. Die Gillis Gullbransson wird in Cuxhaven präsentiert. Auch an der Station in Büsum gibt es Aktionen. Weitere Infos im Internet: www.seenotretter.de

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