zur Navigation springen

Windenergie : „Die Gesundheit darf nicht leiden“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brokstedter Initiative kämpft für mehr Abstand von Wohnbebauung zu Windanlagen.

„Einen Mindestabstand von 2000 Metern für Windkraftanlagen (WKA) zu Wohngebieten“ fordert die Initiative „Für Wind auf Distanz“. Eine entsprechende Petition mit 376 Unterschriften übergab die Initiative an Brokstedts Bürgermeister Clemens Preine.

Auslöser der Unterschriftenaktion war der erste Entwurf des Regionalplans Wind mit weiteren Flächen für Windkraftanlagen in und um Brokstedt. Zwischen Brokstedt und Borstel hätten demnach auf 100 Hektar sechs bis acht neue Windkraftanlagen mit einer Höhe von jeweils 150 Metern entstehen können. In Frage kamen die Flächen bei Rotensande und Mittelhof. Im neuesten Entwurf ist die Fläche zwar herausgenommen worden (wir berichteten)und das Gebiet Ludwigshöhe wird aufgrund der Nähe zum Naturpark Aukrug wohl in Frage gestellt, doch die Initiative will das Thema Windenergie weiter sensibilisieren. Denn bisher gibt es nur einen Entwurf, der wieder geändert werden kann.

Auf die Ausweisung der möglichen Windenergiefläche Brokstedt-Borstel hatte Bürgermeister Clemens Preine erstmals in seiner Bürgerinformation Ende April hingewiesen. Weitere Informationen gab es einer Einwohnerversammlung im Oktober. Aufgrund der Informationen an diesem Abend gründete sich dann die Gruppe „Für Wind auf Distanz“. Nach Gründung hatte die Initiative „Für Wind auf Distanz“ 376 Unterschriften gesammelt für ihre Petition an die Gemeinde gesammelt.Dafür hatte die Gruppe eine Postwurfsendung an alle 950 Haushalte im Ort verteilt, sich im Ort umgehört und sich kurzfristig für fünf Stunden vor dem Edeka-Markt zur Unterschriftensammlung gestellt. Außerdem bestand die Möglichkeit, sich per Mail oder Posteinwurf für ein Votum an die Initiative zu wenden.

In der Petition wurden unter anderem die bisher geltenden Regelungen für Abstände bei der Errichtung von Windkraftanlagen zu Einzelhäusern und Splittersiedlungen von 400 Metern und zu Siedlungsbereichen mit Wohnungs- und Erholungsfunktion von 800 Metern bemängelt. In Bayern betrage der Regelabstand zehnmal die Höhe der Windanlagen. Mühlen der neusten Generation mit 200 Metern Höhe sollten demnach 2000 Meter Mindestabstand zur Bebauung halten, so eine Forderung. Weiterhin wies die Gruppe auf den nicht hörbaren tief frequentierten Schall mit den möglichen, gesundheitlichen Auswirkungen hin. Die Initiative machte darauf aufmerksam, dass tief frequentierter Schall sowie die Wechselwirkung zwischen Körper- und Luftschall nach heutigen Normen bei der Gefahrenabwägung nicht berücksichtigt würden. Im Schreiben heißt es unter anderem: „Deshalb halten wir als Sofortmaßnahme einen Sicherheitsabstand von 15-mal Höhe der Windkraftanlage für angemessen, um den Schutz der Gesundheit zu garantieren“. Weiterhin macht sich die Initiative Sorgen um die Wertminderung der Immobilien. Darüber hinaus werden unsichere Gewerbeeinnahmen befürchtet, wobei sich auf den bestehenden Windpark Brokstedt-Willenscharen bezogen wird. Negativ hervorgehoben wurde auch möglicher Schlagschatten von einer Länge von mindestens 1600 Meter. Weitere Punkte waren die Gefährdung der Wildtiere und Schallemissionen aus Repowering (Hochsetzen der Turmhöhe), wenn die derzeit 34 bestehenden Anlagen rund um Brokstedt auf dann 140 bis 170 Metern Höhe aufgerüstet werden könnten. In den Nachbargemeinden Hardebek-Hasenkrug wurden die Anlagen schon auf 150 Metern Höhe aufgerüstet. Die Initiative sieht für Brokstedt auch die Gefahr der „Umzingelungs-Wirkung. „Es ist einfach zu dicht. Wir sind nicht generell gegen WKA“, ist der Tenor der Initiative, die für eine vernünftige Steuerung und Planung plädiert. „Die Gesundheit darf nicht darunter leiden“.

„Ich habe damit gerechnet, dass für Brokstedt Flächen raus fallen“, betonte Bürgermeister Clemens Preine auf Anfrage und hob hervor, dass „die durchaus guten Argumente der Initiative auch für die ja noch verbleibende zusätzliche Windeignungsfläche verwendet werden können“. In der Informationsveranstaltung im Oktober wollte Preine „die Bürger rechtzeitig informieren, insbesondere wie der Beteiligungsprozess abläuft und haben dafür die Trave Erneuerbare Energien für die Einwohnerversammlung engagiert“. Die Gemeinde habe vorbildlich informiert und die Bürger zu einem Meinungsbild aufgefordert, betonte Preine. Der Gemeindechef zeigte Verständnis für die Anliegen der Initiative und Bürger. „Danke für die ganze Mühe und die Argumente. Das macht es uns leichter für unsere Stellungnahme“, betonte Clemens Preine während der Übergabe. Er hob allerdings auch hervor, dass die Gemeinden nur ein geringes Mitspracherecht hätten. „Wir werden die aufgeführten Begründungen zur Beeinflussung der Gesundheit an die Landesplanung weitergeben. Die Landesplanung wird die eingebrachten Argumente prüfen und abwägen und nicht die Gemeindevertretung“. Es geht noch lange nicht um den „Bau von Windkraftanlagen“ betonte Preine und hat durch die jetzige Streichung zweier Gebiete auch Recht bekommen.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen