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Die Geschichte einer Stadtschule reicht bis ins Jahr 1501 zurück

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2015 | 00:32 Uhr

Der Verkauf ist besiegelt, der Abriss beschlossene Sache. Nach 130 Jahren verschwindet die Schule am Stadtpark aus dem Stadtbild. Ein Rückblick:

In Wilster gab es bereits vor der Stadtgründung im Jahre 1282 schulähnliche Einrichtungen. Das Gründungsjahr einer Stadtschule in Wilster lässt sich im Stadtarchiv erst für das Jahr 1501 nachweisen. Das Schulwesen war eng mit der Kirche verbunden. Während es in Wilster die große Stadtschule gab, entstand 1576 in der Gemeinde Nortorf die erste Landschule. In allen anderen Gemeinden gab es später eigene Schulen. 1771 entstand ein Neubau der großen Stadtschule in der heutigen Zingelstraße, die damals Schulstraße hieß.

1885 wurde für die Knaben eine Schule im „wilhelminischen Stil“ am Stadtpark gebaut. Als 1896 Teile der Gemeinden Landrecht und Nortorf eingemeindet wurden, kam eine Schule in der Straße Landrecht zur Stadt (das Haus gibt es noch und nach dem Krieg war es die so genannte Freibank). Diese wurde als Mädchenschule genutzt, aber bereits 1898 in der Nähe durch einen Neubau ersetzt. 1913 kam ein neues Gebäude für die Knaben dazu. 1896 trennte sich in Wilster die Kirche von allem, was mit dem Thema Schule zu tun hatte. Sie übergab die Eigentumsanteile an den Schulgebäuden an die Stadt und die Lehrerämter wurden auch von der Kirche gelöst. Die Stadt musste die Lehrer bezahlen.


Mittelschule seit 1913


Am 1. April 1913 wurde eine Mittelschule gegründet. Rektor wurde der Mittelschullehrer aus Lüneburg Heinrich Schulz. Diese neue Schule war zunächst in den engen Räumlichkeiten der Privatschule am Markt untergebracht. Sie konnte die Räume bereits 1914 verlassen und die 1885 erbaute Schule am Stadtpark beziehen. Die Knabenvolksschule war inzwischen in ihre neu errichtete Schule unmittelbar neben der Mädchenschule eingezogen.

1927 erhielt die Mittelschule das Recht, durch die Zuerkennung der mittleren Reife einen Abschluss auszusprechen. 1937 ging Rektor Schulz in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Walter Hiller. Dieser blieb bis zur Schulschließung 1945. Das Gebäude wurde dann als Lazarett genutzt. Am 1. März 1946 wurde die Mittelschule mit fünf Klassen wieder eröffnet. Wegen Kohlenmangels fiel die Schule aber häufig aus.

Als Lehrkräfte standen zur Verfügung: Mittelschulrektor Rudolf Kroll, die Mittelschullehrer Dr. Kurt Pfeiffer und Detlef Jessen, die Mittelschullehrerin Catharine Ahrens und die Lehrerin Ingeborg Carbuhn. Die pädagogische Arbeit nach dem Krieg wurde geprägt von Sommerlagern, Theateraufführungen und Abschlussjahresarbeiten.

Die Mittelschule begann mit der 7. Klasse. Die Schülerzahl wuchs stetig an. Das lag auch daran, dass es zur damaligen Zeit in Itzehoe noch keine Mittelschule gab.

1951 erwartete die Mittelschule Wilster zu Ostern 120 neue Schüler allein für die 7. Klasse. Außerdem sollten auf Beschluss des Landtages M 5 und M 6 Klassen eingerichtet werden. Da für 17 Klassen nur acht Unterrichtsräume und ein Behelfsraum zur Verfügung standen, wurde Schichtunterricht (Vormittags- und Nachmittagsunterricht) eingeführt.

1951 wurde der Schulpavillon für rund 80 000 DM erstellt. Die Landesregierung hatte dafür ein Darlehen in Höhe von 65 000 DM gewährt. 1963 wurde die Turnhalle am Markt abgerissen. Die Mittelschüler hatten keine Möglichkeit zum Turnen. Um zumindest Bodenturnübungen durchführen zu können, wurde im Pavillon ein Raum zum Turnraum umgestaltet. Im Dachgeschoss des Altbaus wurden zwei Klassenräume ausgebaut. Schulleiter war seit 1957 Dr. Pfeiffer. Hans Bruhn aus Erfde kam 1960 zunächst als Lehrer an die Schule, blieb einige Jahre, wechselte kurz auf eine andere Schule und kehrte 1968 als gewählter neuer Schulleiter zurück.


Schulverband gegründet


Am 1. Januar 1966 erfolgte die Umbenennung der Mittelschule in Realschule. Im Februar 1969 beschlossen die 15 Wilstermarschgemeinden und die Stadt Wilster, einen Schulverband zu gründen. Die Realschule und die 16 Volksschulen hatten jetzt alle einen gemeinsamen Träger. 1970 wurde in Wilster eine neue Turnhalle, 1972 eine neue Hauptschule und 1975 eine neue Realschule gebaut. Die alten Gebäude der Volksschule wurden als Grundschule und die der Realschule als Förderschule genutzt. Die Förderschule erhielt den Namen „Schule am Stadtpark“. Die kleinen Volksschulen in den Landgemeinden wurden aufgelöst und es blieben Grundschulen in Wewelsfleth und St. Margarethen. Die Turnhalle von 1970 wurde 2007 wegen schwerwiegender Baumängel abgerissen und durch eine neue Halle ersetzt.

Die Haupt- und Realschule wurden vor sechs Jahren zu einer Gemeinschaftsschule zusammengefasst. Der Hauptschulrektor Diethelm Bogner wurde Konrektor und der Realschulrektor Eckehard Dumrese Rektor. Seit August 2012 ist Marlis Krumm-Voeltz Schulleiterin. Da diese Schule zugleich eine offene Ganztagsschule ist, wurde 2009 eine Mensa mit Verwaltungsteil und Lehrerzimmer angebaut. Dadurch wurden in der ehemaligen Hauptschule Räume für die Förderschule frei. Die alte Schule am Stadtpark (Foto) wurde somit nicht mehr gebraucht. Die Gebäude der alten Mittelschule bzw. Förderschule standen seitdem zum Verkauf.

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