Aktionswoche zur Aufklärung über Demenz : „Die Gefühle, die funktionieren immer“

Wie fühlt man sich mit Einschränkungen?  Jesse Fenske (15) schiebt Björn Königsmann (14) im Rollstuhl.
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Wie fühlt man sich mit Einschränkungen? Jesse Fenske (15) schiebt Björn Königsmann (14) im Rollstuhl.

Schüler des Itzehoer Sophie-Scholl-Gymnasiums bewältigen „Demenz-Parcours“ – und lernen Verständnis für betroffene Menschen.

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17. September 2017, 16:00 Uhr

Es ist Aufklärung und Information im wahrsten Sinne am eigenen Leib: Mehr als 30 Schüler des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG) werden über den Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen informiert und können anschließend selbst ausprobieren, wie es ist, wenn der eigene Körper nicht mehr ganz so funktioniert wie früher.

„Wir wollen Demenz auch bei jungen Leuten ins Bewusstsein rücken und offen darüber sprechen, sodass Schüler Betroffenen und Angehörigen mehr Verständnis entgegen bringen“, sagte Uta Wolgast, Organisatorin der Aktion. Sie bildet den Auftakt der Veranstaltungsreihe „Ver-rückte Welten“, mit der Wolgast und ihre Mitstreiterinnen in den kommenden Wochen die Öffentlichkeit für demenziell Erkrankte sensibilisieren wollen (wir berichteten).

Dafür ist am SSG Anneke Wilken dabei, eine Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums Demenz. Zur Veranschaulichung hat sie außer einem Vortrag noch einen Demenz-Parcours und den Alterssimulator „Gert“ im Gepäck. Im Vortrag erklärt Wilken verschiedene Stadien und Erkrankungen, bevor sie schließlich auf den Umgang mit Demenzerkrankten eingeht: „Es wird fälschlicherweise angenommen, dass sie nur hilflos und verwirrt sind – aber das stimmt nicht. Man hat immer noch Lebensfreude in sich, und die Gefühle, die funktionieren immer.“

Es gehe vor allem darum, auf Betroffene zuzugehen und ihnen verbal und non-verbal Gefühle zu vermitteln. „Wir haben gelernt, wie man mit Demenzerkrankten umgehen sollte, um ihre Gefühle nicht zu verletzen“, berichtet Schülerin Shola Fuchs (14). Um physische und psychische Einschränkungen besser zu verstehen, hat Wilken einen Demenz-Parcours mit verschiedenen Stationen aufgebaut. Die Schüler können sich dort an Geschicklichkeits-, Koordinations- oder Merkaufgaben versuchen – aber mit bestimmten Einschränkungen, simuliert durch Spiegel, Ohrenschützer oder Spezialbrillen. „Man erlebt alles unter anderen Umständen. Dadurch lernt man etwas über Probleme von älteren oder demenzerkrankten Menschen dazu“, sagt Levke Tietjen (14).

Der Alterssimulator „Gert“ kann typische Einschränkungen für jüngere Menschen erlebbar machen. Durch den Anzug werden Beschwerden wie zum Beispiel Gelenkversteifung, Kraftverlust und Einschränkung des Koordinationsvermögens deutlich gemacht.

Acht weitere Veranstaltungen sind bis Oktober an verschiedenen Standorten in Itzehoe geplant (wir berichteten). Am Sonntag, 24. September, findet um 10 Uhr ein Gottesdienst in der St. Laurentii-Kirche statt, der speziell für Demenzerkrankte ausgelegt ist. Uta Wolgast: „Willkommen sind aber natürlich alle Gäste.“

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