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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 11:28 Uhr

Training : Die Gefahr fährt mit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fahrer von 25 Busunternehmen absolvieren Fahrsicherheitstraining in Hohenlockstedt.

Plötzlich steht ein Reh auf der Fahrbahn. Der Fahrer des herannahenden Busses tritt mit voller Kraft auf die Bremse. Den Blick konsequent auf die Straße vor sich gerichtet. So hat er es in der Ausbildung gelernt.

Fahrtrainer Michael Breitling steht auf dem ehemaligen Flugplatz „Hungriger Wolf“. Im Halbkreis vor ihm hören ihm zehn Männer und zwei Frauen zu, hinter ihm sind Tore aus Pylonen aufgebaut. Es beginnt leicht zu Regnen. „Wenn ihr mit 70 Kilometer pro Stunde mit dem Bus hier eine Vollbremsung macht“, er zeigt auf die roten Leitkegel ganz links von ihm, „wo kommt der Bus dann zum stehen?“ Die zwölf Teilnehmer des „Moduls Dynamik“ diskutieren kurz. „In vielleicht fünfzig Metern“, ergreift ein Mann das Wort. Dann solle er dort eine Pylone auf die Fahrbahn stellen, so Breitling.

Die Geschäftsführer von 25 Busunternehmen aus Schleswig-Holstein und Hamburg absolvieren ein Fahrsicherheitstraining. „Das sind mittelständige Unternehmen, die Leiter fahren noch selbst“, sagt Odo Schmidt vom Vorstand des Omnibus Verbands Nord (OVN). Sicherlich sei das Event auch eine Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, aber das Training stehe im Vordergrund. „Die Fahrer absolvieren hier eines der Module zur Verlängerung des Busführerscheins.“ Die Fahrer müssten dafür in fünf Jahren insgesamt 35 Stunden lang Lehrgänge besuchen. Der heutige umfasst sieben Stunden.

Das Fahrsicherheitstraining ist eine Zusammenarbeit des OVN und des Verkehrsinstituts Nord (VIN). Die Geschäftsführer haben die Gelegenheit, Reisebusse der neueren Generation in Extremsituationen zu erleben. Zu diesem Zweck stellen sechs Omnibushersteller (Irizar, Iveco, Man, Mercedes, Scania, Setra) moderne Fahrzeuge zu Verfügung.

Joachim Schack, Geschäftsführer des OVN, beginnt und versucht den Bus in kürzester Zeit von 70 km/h auf Null zu bringen. Er fährt den Bus an das andere Ende der Fahrbahn. Sein Fuß tritt das Gaspedal durch, der Bus beschleunigt langsam. Schacks Hände liegen fest um das riesige Lenkrad des Gefährts. Sein Blick geht unruhig von dem Tacho auf die Straße und wieder zurück. Als er das Tor aus Pylonen passiert, fixiert er die Fahrbahn. Aus dem Funkgerät neben ihm ruft Fahrtrainer Breitling: „Bremsen.“ Schack tritt ruckartig auf das linke Pedal. Der Bus rutscht einige Meter, und im Gastraum ist zu spüren, wie das Antiblockiersystem arbeitet. Es löst und schließt die Bremse in unregelmäßigen Abständen. Der Bus kommt weit vor der 50-Meter-Pylone zum Stehen. Der Warnblinker ist automatisch angesprungen. „Die Schlagbremsung braucht Kraft“, sagt Joachim Schack.

„Das ist wirklich beeindruckend“, meint der OVN-Geschäftsführer als er danach den Bremsweg sieht: Keine 30 Meter. „Die Frage ist nur, wie reagiert man, wenn da ein Hirsch vor einem steht.“ Alexander Kühl ist 56 Jahre alt und seit gut 35 Jahren Busfahrer, er sagt dazu: „Ob mit oder ohne Fahrertraining die Schrecksekunde bleibt die gleiche. Da kann sich keiner von freisprechen.“ Auf dem Übungsplatz könnten Gefahrensituationen nur simuliert werden. Dort sei er darauf vorbereitet, jede Sekunde bremsen zu müssen. „Trotzdem ist das gut, die Sicherheitstechnik des Busses mal zu erleben. In solche Grenzsituationen kommt man im Alltag sonst nicht.“ Am Ende der Übung bleibt Kühl die Erkenntnis: „Egal wie viel Technik die Busse an Bord haben oder wie gut ausgebildet die Fahrer sind, es kann immer ein Unglück passieren.“

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erstellt am 10.Nov.2015 | 17:30 Uhr

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