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Matjeswochen : Die „Flensburg“ kommt nach Hause

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Schlepper – zwei Städte: Das Museumsschiff „Flensburg“ mit Liegeplatz in Flensburg und Heimathafen Glückstadt kommt zu den Matjeswochen in die alte Heimat.

Ein Blick auf die Wetterkarte beschleunigte die Entwicklung enorm. Eigentlich wollte die Crew der „Flensburg“ sich gestern Mittag auf den Weg zu den 50. Glückstädter Matjeswochen machen. Aber sieben Windstärken aus Südwest – das ist auf der Ostsee keine Vergnügungsreise. Und deshalb begann der Museumsschlepper seine Wiedersehenstour zum Elbstädtchen schon Dienstagnacht. Am Freitag soll die „Flensburg“ mit ständigem Liegeplatz in Flensburg in ihrem Heimathafen Glückstadt festmachen.

Klingt kompliziert, ist aber Resultat einer aus Sicht der Fördestadt glücklichen Entwicklung. Der kleine Kraftprotz nämlich war für viele Jahre sowohl auf der Elbe als auch auf der Förde Teil des maritimen Fuhrparks. 1973 kaufte die Flensburger Schiffbau Gesellschaft den Schlepper von der Hamburger Reederei Bugsier und taufte ihn in „Flensburg“ um. 1992 trat das Schiff bei der Wasser- und Schifffahrtsamt Glückstadt seinen Dienst an, wo es im Jahr 2000 ausgemustert wurde. Bis 2014 kümmerte sich danach ein Freundeskreis um den Glückstädter Alfred Mantwitz um die „Flensburg“. Weil der Rentner-Crew der Pflegeaufwand aber zu viel wurde, wechselte der Schlepper nach Flensburg zurück – in den Historischen Hafen, einer der beliebtesten und am besten organisierten Anlegeplätze für historische Schiffe an der Ostsee.

Die Fahrt nach Glückstadt ist für die Mannschaft um den Flensburger Hafenkapitän Frank Petry daher auch so eine Art Verneigung in Dankbarkeit. „Alfred Mankwitz wollte immer wieder noch mal mit seinem alten Schiff fahren, das hat aber leider nicht mehr geklappt,“ sagt Petry. „Alfred ist vergangenen Herbst verstorben. Irgendwie ist das auch so ein letzter Gruß von Bord an ihn.“

In der Fördestadt hat der Schlepper seit Juni 2014 einen festen Familienanschluss gefunden. Die „Flensburg“ ist Teil des Historischen Hafens, eine gemeinnützige GmbH, die für Betrieb, Pflege und Unterhalt so einiger musealer Schiffe zuständig ist. Das bekannteste von ihnen ist zweifellos die „Alexandra“, der Salondampfer von 1908. Näher dran an der „Flensburg“ ist aber zweifellos „Gesine“. Nicht nur, weil sie 1928 „gegenüber“ in Stade gebaut wurde, sondern auch, weil der Schlepper und das kleine Küstenmotorschiff eine erfreuliche Win–Win-Situation abbilden.

Die „Flensburg“ ist darauf angewiesen, durch Gästefahrten einen Teil des Unterhalts zu erwirtschaften. Weil das aber mit maximal 30 zulässigen Gästen schlechterdings unmöglich ist, wird der Schlepper oftmals in Verbindung mit geselligen Veranstaltungen im geräumigen Laderaum der „Gesine“ angeboten. Schlepper und Partyschiff – ein Konzept, dass sich zunehmend bewährt hat. So kommen auch größere Gesellschaften in den Genuss einer Fördefahrt mit dem urigen Schiff. Petry hatte aber auch schon einen nicht mehr ganz so jungen Mann an Bord, der die obligatorischen 500 Euro für eine Zwei-Stunden-Tour nur mit seinem demenzkranken 90-jährigen Vater auf den Tisch blätterte: Der Senior hatte einst seinen Arbeitsplatz auf dem Schlepper gehabt.

„Die ‚Flensburg‘ ist ein komplexes Schiff und braucht viel Aufmerksamkeit“, sagt Petry. Die Aufmerksamkeit kommt auch in Flensburg von ehrenamtlich tätigen Idealisten – aber mit einem Förderverein von 200 Mitgliedern (zuständig für Schlepper und Kümo) ist die Basis doch deutlich breiter als seinerzeit in Glückstadt. Gerade im Mai wurde in Eigenarbeit in der alten Werft, der „Gamle Værft“ in Ærøskøbing, das Unterwasserschiff überholt. „Zu tun“, sagt Petry, „ist natürlich immer was.“ Er hofft, dass die Glückstädter mit dem Zustand des Schleppers zufrieden sein werden. Sicherheitshalber haben die Flensburger fürs Open Ship ein paar Fässer original „Flens“ mitgebracht. Dabei lässt es sich gut reden.

Am Sonntag wird sich die „Flensburg“ mit Heimathafen Glückstadt wieder auf den Weg zum ständigen Liegeplatz in Flensburg begeben. Diese verwirrende Verbindung der geografischen Begriffe wird übrigens so bleiben. „Wir haben Alfred versprochen, dass als Heimathafen immer Glückstadt am Heck stehen wird“, sagt der Kapitän. „Solange ich hier bin, wird das auch so bleiben.“

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erstellt am 08.Jun.2017 | 05:22 Uhr

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