zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 04:29 Uhr

Verkehr : „Die fahren da alles kaputt“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anwohner am Altendeich klagen über massiven Schwerlastverkehr durch Baustelle. Krempdorfs Bürgermeisterin kritisiert aktuelle Beschilderung.

„Seit die L119 gesperrt ist, kriegen wir den ganzen Schwerlastverkehr ab“, ärgert sich Simon Kühl. Er wohnt am Altendeich - auf der Krempdorfer Seite. „Das ist wirklich viel. Der Lärm ist enorm. Draußen sitzen geht gar nicht mehr.“ Seine Verlobte Katrine Lemke fühlt sich nicht mehr sicher, wenn sie mit dem Fahrrad am Altendeich entlangfährt. „Durch die Baustellenampel fahren die Lastzüge in Schüben vorbei und überholen einen als Radfahrer. Wenn dann noch Gegenverkehr kommt, hat man wirklich Angst unter die Räder zukommen.“

Simon Kühl macht sich nicht nur Sorgen um Sicherheit und Lärm, sondern auch über den Zustand der Straße. „Die wird sicher nicht besser durch die vielen 40-Tonner.“ Was ihn besonders ärgert: Eigentlich dürfte es diesen Verkehr gar nicht geben: Das zulässige Gewicht für Fahrzeuge im Altendeich ist wenige hundert Meter hinter der Kreuzung mit der L119 auf 12,5 Tonnen begrenzt. Die Baustelle sollen große Laster eigentlich weiträumig über Itzehoe und das Störsperrwerk umfahren. „Da hält sich aber scheinbar kaum jemand dran.“

Krempdorfs Bürgermeisterin Dörte Harms sieht die Lage „ganz genauso“ wie Simon Kühl. „Viele Lastwagenfahrer fahren leider wie die Blinden und interessieren sich nicht für die Schilder“, sagt Harms. „Da hat auch die frühe Ankündigung der Baustelle nicht viel genützt.“ Die Bürgermeisterin ist ebenfalls über den Zustand der Straße am Altendeich besorgt. Die Belästigung für die Anwohner sei eine Sache, aber die Strecke am Altendeich sei für Schwerverkehr nicht geeignet und die Kreisstraße dort sei ohnehin schon in keinem guten Zustand. „Die fahren da alles kaputt“, befürchtet Harms. Aus ihrer Sicht ist die bestehende Beschilderung ungenügend. „So reicht es nicht.“ Die Verkehrsaufsicht müsse nachbessern und früher auf die Gewichtsbeschränkung hinweisen.


Auch in Ivenfleth gibt es Probleme


Dem stimmt auch Harms Amtskollege Niels Schilling aus der ebenfalls angrenzenden Blomeschen Wildnis zu. „Die 12,5-Tonnen-Beschilderung kommt zu spät.“ Er habe bereits von Anwohnern gehört, dass es im Bereich des Industriegebietes direkt hinter der Kreuzung am Schwarzen Bären zu schwierigen Wendemanövern von Lkw gekommen sei - mit entsprechender Staubildung. „Die wollten sich offensichtlich an die Gesetze halten, haben aber die Schilder im Vorfeld nicht richtig gelesen.“

Schillings Gemeinde ist gleich doppelt von den Auswirkungen der Baustelle an der L119 betroffen. Auch im Ortsteil Neuendeich sei die Situation problematisch. Er vermutet, dass dort Lkw-Fahrer von der Elbfähre den Weg über Borsfleth in Richtung A23 wählen. „Auch dort gehören die Laster nicht hin.“ Die Straße sei zu eng. Und auch im Verlauf dieser Strecke gibt es eine Gewichtsbeschränkung im Bereich des Borflether Ortsteils Ivenfleth. „Das gesetzeswidrige Verhalten der Lastwagenfahrer im Bereich Ivenfleth ist meiner Meinung nach das größte Übel“, sagt Borsfleths Bürgermeister Peter Mohr. Wie Harms fürchtet er um den Zustand der Strecke. „Bei Begegnungen fahren die Laster über den Radweg und verursachen Schäden.“

Dieter Pape, der als Leiter des Kreisordnungsamtes auch für die Verkehrsaufsicht zuständig ist, will die Beschilderung erneut prüfen lassen. „Wir werden uns ansehen, ob es Möglichkeiten gibt, den Schwerlastverkehr besser umzuleiten.“ Für die Einhaltung der Vorschriften sei allerdings die Polizei zuständig.

Glückstadts stellvertretender Polizeichef Gero Gloy sichert zu, dass die Beamten sich um die Problematik kümmern werden. Bisher seien in den betroffenen Bereichen Altendeich und Ivenfleth keine speziellen Kontrollen durchgeführt worden. „Wir werden aber auf die Beschwerden reagieren“, so Gloy. Er stellt aber auch klar, dass eine lückenlose Überwachung durch die Polizei personell nicht möglich sei. Mehr Kontrollen würden auch die Bürgermeister der drei betroffenen Gemeinden sehr begrüßen. „Es ist klar, dass eine Baustelle auch mal zu Belastungen an anderer Stelle führt. Damit muss man leben, wenn man gute Straßen haben will“, sagt Peter Mohr. Die Gesetze müssten aber zwingend eingehalten werden.

Simon Kühl will nun erstmal eine Woche in den Urlaub fahren, um dem Verkehrslärm zu entkommen. Er hofft, dass im zweiten Bauabschnitt, der am 7. September starten soll, weniger Laster an seinem Grundstück vorbeifahren. Dann ist der Altendeich aus Richtung Glückstadt erreichbar, aber nicht mehr aus Richtung Krempe. Ob sich das Problem damit verbessert, bleibt abzuwarten. Niels Schilling erwartet dann eine höhere Belastung für die Ausweichstrecke über Borsfleth. Peter Mohr dagegen rechnet damit, dass dann eher mehr Lastwagen aus Richtung Glückstadt den Weg über den Altendeich einschlagen. Dann dürften neben Krempdorf und der Blomeschen Wildnis auch die Gemeinden Elskop, Süderau und Sommerland betroffen sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen