zur Navigation springen

Schock nach Einbruch : Die Einbrecher kamen am helllichten Tag

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Am helllichten Tag waren Unbekannte in das Haus von Melanie Holz-Drewke eingedrungen und durchwühlten die Zimmer – kein Einzelfall.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Nur Max und Moritz waren Zeugen: Die beiden freundlichen Lhasa Apsos, kleine tibetanische Hunde, dürften die Eindringlinge aber wohl nur freudig begrüßt haben. Was diese mit ihrem ungebetenen Besuch angerichtet haben, macht Melanie Holz-Drewke noch am nächsten Tag Angst. „Vom Gefühl her...“, versucht sie ihre Emotionen zu beschreiben und bricht den Satz ab.

Montag, irgendwann zwischen 8 und 15.45 Uhr, hatten die Einbrecher das von dem Ehepaar gemietete Haus direkt an der Landesstraße zur Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal heimgesucht. Schon beim Öffnen der Haustür merkte die 39-Jährige, dass dort etwas nicht stimmen konnte. Die Tür fiel wieder leicht ins Schloss, so wie bei Durchzug im Haus. Im Flur lagen auf dem Fußboden Küchenutensilien wie Pfannenwender und Kochlöffel verteilt. In der Küche selbst waren alle Schubladen und Türen aufgerissen worden. Und das Fenster zum Hof stand offen.

Das eigentliche Chaos hatten die Einbrecher aber im Obergeschoss angerichtet. Im Gästezimmer waren zahlreiche Kartons durchgewühlt worden. Der Inhalt lag über den gesamten Fußboden verstreut. Und im Schlafzimmer hatten die Einbrecher den Kleiderschrank weit gehend leer gemacht und die Kleidungsstücke im Raum verteilt. „Da ist bei mir eine Welt zusammengebrochen“, sagt Melanie Holz-Drewke bei der Vorstellung, dass Unbekannte in ihrer Wäsche herumgewühlt hatten. Die 39-Jährige machte das einzig Richtige und rief über die Notrufnummer die Polizei. Die war auch wenige Minuten später vor Ort, auf dem Weg von einem Einbruch nach ähnlichem Muster in Ecklak. „Das war wie im Fernsehen: Die sind mit gezückter Pistole ins Haus“, sagt Melanie Holz–Drewke. Theoretisch hätten die Einbrecher ja noch im Haus oder in der Nähe sein können. Sie waren aber längst spurlos – oder jedenfalls fast spurlos – verschwunden. Auf dem Hof und an der noch mit offener Wärmedämmung verkleideten Fassade unter dem Einbruchsfenster konnte die Spurensicherung brauchbare Abdrücke von Schuhen sichern. Im Haus wurden gleich reihenweise Fingerabdrücke registriert, die nun mit denen der Bewohner abgeglichen werden.

Der eigentliche materielle Schaden hält sich in Grenzen. Nach einer ersten Bestandsaufnahme fehlen zwei ausgediente alte Handys und ein wertvolles Lkw-Navigationsgerät sowie Spendengelder aus dem Tierschutz-Engagement des Opfers. Was Melanie Holz-Drewke verblüfft: Fernsehgerät, Laptop und einen weiteren Beutel mit Spendengeldern ließen die Einbrecher ebenso unangetastet wie Sammlerstücke einer Modelleisenbahn. Unterm Strich schätzt die Polizei den Schaden auf rund 1700 Euro.

Noch am späten Nachmittag versuchte die 39-Jährige einen Glaser für das demolierte Küchenfenster zu bekommen, was sich nach Feierabend aber als schwierig erwies. Erst ein Handwerker aus Kremperheide erklärte sich sofort bereit, das Fenster zumindest erst einmal zu sichern. Jetzt überlegt Melanie Holz-Drewke, ob sie im rückwärtigen Teil Gitter einbauen lässt und eine Alarmanlage installiert. „Wir werden in jedem Fall aufrüsten“, sagt sie, allein schon, um bald wieder ruhig schlafen zu können. Mit ihren jetzt gemachten Erfahrungen will sie vor allem aber auch Menschen in der Nachbarschaft und in allen anderen Dörfern zu erhöhter Aufmerksamkeit mahnen. „Es geht mir darum, dass man mehr aufeinander aufpasst.“ Sie selbst hatte erst wenige Tage zuvor bemerkt, wie zwei Männer sich auffallend für ein leerstehendes Haus in der Nachbarschaft interessiert hatten. Sie waren mit einem weißen Transporter mit Hamburger Kennzeichen vorgefahren. Vielleicht hat ja auch jemand am Montag an ihrem Haus im Vorbeifahren zufällige Beobachtungen gemacht oder ein herumstehendes Auto bemerkt.

Froh ist Melanie Holz-Drewke aber vor allem, dass ihre beiden kleinen tibetischen Vierbeiner keinen Schaden genommen haben. Bei den Lamas in den Klöstern ihrer Heimat galten sie als „Botschafter des Friedens und des Glücks“. Holz-Drewke hofft, dass beides auch schnell wieder in ihr Haus zurückkehrt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen