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Stadtführung : Die düsteren Seiten von Glückstadt

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Wenn dunkle Zeiten wieder lebendig werden: Malte Blockhaus filmt Anke Kardel bei spezieller Gästeführung für den Imagefilm der Stadt

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erstellt am 04.Sep.2015 | 17:00 Uhr

Hexenverbrennung, Folter und weitere Grausamkeiten: Anke Kardel kennt sich mit den düsteren Seiten von Glückstadt aus. Deshalb hat Filmemacher Malte Blockhaus die 53-Jährige auch einen Tag lang mit der Kamera begleitet. Anke Kardels Erzählungen über die Geschichte der Elbestadt werden später Teil eines Imagefilms der Stadt Glückstadt sein. Und damit die Filmszenen lebendig sind, wurden für ihre spezielle Stadtführung Bürger eingeladen, um mit zugehen.

Gänsehaut war garantiert bei dem Stadtrundgang „Dunkle Zeiten“, der für Kinder nicht geeignet ist. Dabei fing Anke Kardel an der Kirche ganz harmlos an über den sympathischen Stadtgründer Christian IV. zu plaudern. „Er war ein Frauenversteher mit zahlreichen Kindern.“

Amüsante Anekdoten über die Stadt wechselten sich ab mit gruseligen, historischen Grausamkeiten. Glückstadt war einst die Stadt für Gefangene – „die Hauptzentrale der Bestrafung“. Beim ersten Diebstahl wurde ein Finger abgehackt, beim nächsten schon zwei. Beim dritten Mal die ganze Hand, die dann öffentlich ausgestellt wurde. „In Höhe des Krankenhauses hingen auch Köpfe“, weiß Kardel zu berichten.

Es wurde noch schlimmer. Im Detail erzählte sie von einer Hexenverbrennung am Hafen und der vorangegangenen Folter. Von Dieben, die auf das Rad geflochten wurden und elendig starben. Sie zeigte am Kleinen Schwibbogen, wo der sogenannte Schandpfahl angebracht war.

Beim Gang zum Hafen kamen dann wieder harmlose Geschichten über Kanonenkugeln, wobei Malte Blockhaus die Stadtführerin immer mit der Kamera aufnahm. Sie erzählte, dass die Ballhausstraße so heißt, weil es dort nach der Stadtgründung einen Saal gab, wo Federball gespielt wurde.

So eingestimmt, konnten die Zuhörer dann am Hafen auch wieder ganz schwere Kost vertragen: Dort zeigte Anke Kardel gleich drei Häuser, die einst Gefängnisse waren. Zwei davon waren so schlimm, dass die Insassen kaum drei Jahre überlebten. „Glückstadt war bis 1780 eine Gefängnishochburg“, erklärte die Stadtführerin. Daher komme auch der Spruch „Student in Glückstadt“, wenn ein Mann länger weg war. Die ersten beiden Gefängnisse am Rethövel waren feucht, das Stroh voller Ungeziefer. Krankheiten waren an der Tagesordnung, Todesfälle auch. Trotzdem überlebte eine Frau, die ihr unehelich Neugeborenes aus finanzieller Not getötet hatte, acht Jahre. Als sie im Winter starb, wurde ihr Leichnam aufbewahrt, um diesen später noch öffentlich auf dem Markt zu köpfen. Ebenfalls interessant: Im Gefängnis für die Frauen und im Gefängnis nebenan für Männer mussten die Insassen arbeiten – weben und Netze knüpfen. Diese Gruselhäuser gab es ungefähr bis 1820.

Dann wurde ein Stück weiter ein ehemaliges Adelspalais zum Zuchthaus und Frauengefängnis – letzterer Name hat sich heute noch im Volksmund erhalten. Der Vorteil dort: Wer Geld hatte, konnte sich von seiner Familie Essen bringen lassen. „Dort wurden auch Männer untergebracht, die wegen Vielweiberei angeklagt waren.“

>In dem Imagefilm für Glückstadt werden von Malte Blockhaus (31) fünf Themenbereiche abgedeckt: Wirtschaft und Gewerbe, Tourismus, Kultur und Geschichte, Leben und Wohnen sowie Musik. Je Thema ist ein kompletter Drehtag mit etwa fünf bis sechs, eventuell sogar mehr Stunden Zeitaufwand veranschlagt.

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