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Drachenfest : Die Drachen mussten am Boden bleiben

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eltern und Kinder nutzten das Drachenfest in Buchholz auch für einen Protest: Sie demonstrierten gegen drohende Schließungen von Schulstandorten. Die Flugobjekte mussten hingegen großteils am Boden bleiben – zu wenig Wind.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2013 | 05:56 Uhr

Das dritte Buchholzer Drachenfest war zugleich eine Demonstration für den Erhalt der kleinen Dorfschulen – konkret in Hochdonn, Süderhastedt und Buchholz. Hochdonn ist seit über einem Jahr unmittelbar von der Schließung seiner Grundschule bedroht. Eltern und Schüler kämpfen für den Erhalt der Dorfschule.

So sah man neben den selbstgebauten bunten Drachen auch Protestplakate auf dem Drachenfest. Die Lehrerinnen sympathisieren zwar mit den Kindern und ihren Eltern, doch auf ein Foto wollten sie nicht. Es würden Sanktionen seitens des Schulamtes befürchtet, war als Begründung zu hören. Offenbar hatte es diesbezüglich bereits Ansagen seitens der Behörde gegeben, denn bei Beginn des Kampfes um den Erhalt der Hochdonner Grundschule waren die Pädagogen stärker in die Öffentlichkeit getreten.

Eine klare Aussage für den Schulerhalt gab Ernst Fischer, Gründer und Betreiber des Buchholzer Reha-Hauses. „Wir sind hier der größte Arbeitgeber“, unterstrich Fischer das Gewicht seines Betriebes. 39 schwer behinderte Patienten werden in dem auf erworbene Hirnschäden spezialisierten Reha-Haus von 49 Mitarbeitern betreut und gepflegt. Hinzu kommen noch 15 freiberuflich tätige Therapeuten, die im Reha-Haus ihre Dienste versehen. Fischer muss sich auf der Suche nach qualifiziertem Fachpersonal inzwischen bis Rostock umsehen. Ein Zustand, dem der engagierte Heimleiter nachhaltig entgegen treten will.

Über den Förderverein des Reha-Hauses Die Buche, der auch das Drachenfest organisierte, unterstützt Fischer seit Jahren die Grundschulen im alten Amt Burg/Süderhastedt. Fischer ist überzeugt, dass die kleinen Grundschulen vor Ort ein erster wichtiger Schritt sind, damit sich Menschen mit ihrer Heimat identifizieren, ihr treu bleiben und dort arbeiten. So sorgen letztlich heute funktionierende Dorfschulen in der Zukunft für qualifiziertes Fachpersonal im Reha-Haus.

So wie die Schulen unter Schülermangel leiden, so litt das Drachenfest diesmal unter Windmangel. Von selbst wollte kein Drachen in den Himmel steigen. Die Kinder ließen sich den Spaß aber nicht nehmen. Sie liefen kreuz und quer über die Weide von Jens Luther und zogen ihre selbstgebauten bunten Drachen hinter sich her. Die großen Drachen und Windspiele, die in den Vorjahren den Himmel verzauberten, fehlten. Der Wind gab ihnen keine Chance. Drachenfreund Werner Steege aus Brunsbüttel hatte Dutzende Drachen und Windspiele dabei. Doch nicht einmal sein sieben Qudratmeter großer Delta Leichtwinddrachen blieb am Himmel. „Der fliegt ansonsten bereits bei einer Windstärke, die sechs Stundenkilometern entspricht.“ Auch Drachenfreund Erich Böges selbstgebauter Papierdrachen blieb am Boden. Der Drachen des Buchholzers war in den Vorjahren stets der Steigfeudigste. Kein anderer Drachen flog höher am Himmel.

Während die Experten ihre Erfahrungen austauschten und bei jedem Windhauch einen Steigversuch unternahmen, schauten Eltern, Besucher und Bewohner des Reha-Hauses dem Treiben der Kinder zu. Die Buche sorgte mit Kaffee, Kuchen, Limonade und Wurst vom Grill zudem wieder für das kulinarische Wohl. So wurde aus dem Drachenfest ein netter Nachmittagsplausch mit Demonstration für den Erhalt der kleinen Grundschulen.

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