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Norddeutsche Rundschau

22. September 2017 | 21:03 Uhr

Papier : „Die Blaue“ hat Geburtstag

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

44 500 Papiertonnen stehen heute in Steinburgs Haushalten. AP-Concept bereitet Altpapier auf

von
erstellt am 24.Jun.2015 | 05:00 Uhr

Die blaue Papiertonne feiert ihren zehnten Geburtstag. Mitarbeiter des Kreises sowie weitere Beteiligte trafen sich deshalb beim Unternehmen AP-Concept, das in Steinburg für die Altpapiersortierung zuständig ist. Für den Kreis Steinburg ist die Tonne ein Erfolgsmodell, deshalb kam auch Landrat Torsten Wendt zur Feier auf das Gelände der Papierfabrik Steinbeis in Glückstadt, wo AP-Concept die Ware sortiert. Geschäftsführer Heinz Uhlig erinnerte an Zeiten, wo das Papier aus dem Kreis noch nach China verschifft wurde – bevor sein Unternehmen mit dem Kreis ins Geschäft kam. AP-Concept wurde 2001 gegründet und gehört je zur Hälfte Steinbeis und der Ludwig Melosch Vertriebs-GmbH.

Bei AP-Concept seien mittlerweile 25 Arbeitsplätze entstanden. „Wir blicken in eine rosige Zukunft“, sagte Uhlig zu den jetzigen Geschäften mit dem Kreis. Und Thorsten Duwe, ebenfalls Geschäftsführer der Firma, zeigte sich zuversichtlich, dass weiterhin Papier benötigt werde.

Landrat Wendt und seine Mitarbeiterinnen aus der Abfallwirtschaft gaben die Rückmeldung: Heute beschwerte sich keiner mehr über die Tonne. „Sie gehört zum Alltag“, so Wendt. Damals vor zehn Jahren gab es viel Wirbel um die Tonne, die laut Britta Glattki, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, den Spitzname „Die Blaue“ trägt. „Die Telefone der Steinburger Abfallberatung standen nicht still, zahlreiche Leserbriefe gingen bei der Zeitung ein, fast 150 Leser nutzen eine Telefonaktion der Zeitung, um sich bei fünf Experten Antworten rund um die Abfallwirtschaft zu holen“, erinnerte Britta Glattki an die Zeit. „Als Monstrum und Papierfresser wurde die Blaue bezeichnet.“ Viele Bürger fragten: „Wohin bloß mit der neuen Tonne?“ Die Skepsis sei groß gewesen.

Bis 2005 wurden im Kreis Steinburg gab es knapp 2200 Papiercontainer mit 1100 Litern Volumen und 43 200 Papiertonnen mit 240 Litern Volumen ausgeteilt. Heute stehen im Kreis knapp 3200 Container und 44 500 Papiertonnen. Die Papiertonne ist damit fester Bestandteil der Abfallentsorgung.

„Ein Papiertonnen-Geburtstag ist ein guter Anlass für einen kleinen Rückblick“, sagte Abfallberaterin Birgit Lukat. „Altpapier wurde seit 1987 im Rahmen der öffentlichen Abfallentsorgung im Bringsystem getrennt gesammelt. Zunächst wurde in Mehrkammercontainern gemeinsam mit Dosenschrott und Alttextilien gesammelt, dann in einzelnen Depotcontainern.“ 1987 gaben die Bürger pro Einwohner 26,9 Kilogramm Papier im Jahr ab, 1990 waren es schon 62,3 Kilogramm.

Anja Martens, Leiterin der Abteilung Abfallwirtschaft im Steinburger Amt für Umweltschutz: „Mit der Einführung der Papiertonne wurde ab .Juni 2005 das Altpapier im Holsystem einmal monatlich durch die Firma Veolia und das Subunternehmen Firma Bischof im gesamten Kreisgebiet eingesammelt. An jedem Objekt wurden eine oder mehrere 240-Liter-Tonnen oder 1 100 Liter-Container aufgestellt. Das Papier wird bei der Firma AP Concept in Glückstadt verwertet.“

Die Geschäftsführer von AP-Concept bedauern allerdings, dass nicht nur Papier und Kartonpappe in den Tonnen entsorgt wird. Sie müssen sich auch mit toten Katzen, Bremsscheiben, Farbeimer, Babywindeln und Waschbetonplatten beschäftigen, die in den Tonnen entsorgt werden. Alles könne zu Schäden in den Maschinen führen, sagte Heinz Uhlig. Deshalb seine dringende Bitte: Nur Papier und Kartonpappe in die Papiertonne werfen.

Für Ines Wittmüß, Leiterin des Amtes für Umweltschutz, ist die Tonne ein Erfolgsmodell. „Den höheren Komfort wissen wohl die meisten Steinburger zu schätzen: Das Altpapier wird direkt vor der Haustür abgeholt. Das lästige Sammeln in der Wohnung und der Transport zum nächsten Container fallen weg.“ Das System sei vor allem insgesamt kostengünstiger. „Außerdem haben wir höhere Sammelmengen: Früher wurde aus Bequemlichkeit oft verwertbares Altpapier in den Restmüll gegeben.“ Jetzt werde das Papier „mühelos“ in der blauen Tonne gesammelt. Das Altpapier sei ein wertvoller Rohstoff, aus dem neues Papier hergestellt werden könne.

Bis zu sieben Mal ließe sich dieser Prozess wiederholen und stelle somit ein Musterbeispiel für einen in sich geschlossenen Wertstoff- und Produktkreislauf dar. Wie aus altem Papier neues gemacht wird, dies zeigte Steinbeis-Geschäftsführer Dr. Michael Hunold den Gästen dann in der Papierfabrik. Steinbeis verarbeitet mittlerweile 60 Prozent des gesammelten Papiers zu neuem Papier.

 

 

 

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