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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 08:59 Uhr

Wohnungsbau : Die alte Schule ist Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gestern war der Abriss der Hauptgebäude in vollem Gange. Die 130 Jahre alten Backsteinhäuser in Wilster weichen einem modernen Wohnquartier auch für Menschen mit Behinderungen.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2016 | 17:06 Uhr

Zwei Männer und ein Bagger reichen: Stück für Stück verschwindet der Gebäudekomplex der ehemaligen Realschule aus dem Stadtbild. Nachdem in der vergangenen Woche bereits der Pavillon dem Erdboden gleich gemacht worden war, ging es gestern an die Hauptgebäude. In wenigen Tagen dürfte die 1885 errichtete Bildungsstätte von der Bildfläche verschwunden sein.

Das Backsteingebäude war einst als Knabenschule errichtet worden. In gut 130 Jahren hat das Gebäude ganze Generationen von Schülern erlebt. Erst vor wenigen Tagen hatten die Teilnehmer eines Klassentreffens ehemaliger Realschüler vor dem Gebäude noch Erinnerungen geschwelgt. Jetzt leistet ein Husumer Abbruchunternehmer ganze Arbeit – und vorbildliche Mülltrennung. Statt die Gebäude einfach mit der Abrissbirne platt zu machen, wird alles penibel in seine Bestandteile zerlegt. Bereits in den vergangenen Wochen waren sämtliche asbesthaltigen Bauelemente vorschriftsmäßig entfernt worden. Gestern häufte der Baggerfahrer sauber getrennte Berge von Baumaterial auf. Den größten Anteil haben Beton und Steine. Gleich daneben liegt ein gewaltiger Holzstapel. Dämmmaterial wird ebenso separiert wie Metalle und elektrische Leitungen. Immer wieder kommen Schaulustige vorbei und verfolgen, wie das altehrwürdige Schulgebäude Stück für Stück in seine Bestandteile zerlegt wird.

Das alte Schulgebäude war nach dem zweiten Weltkrieg zunächst als Lazarett genutzt worden, bevor hier wieder Kinder die Schulbank drückten. Zuletzt waren die Räumlichkeiten nur noch von einer zeitweiligen Nebenstelle der Wilsteraner Kindertagesstätte genutzt worden. Nach einem neuen Anbau wurden die Räume dafür aber nicht mehr benötigt. Letzte Aktivitäten fanden in dem Schulkomplex durch den Kulturverein statt, der hier seine „25 Wochen Tanz und Theater in der Wilstermarsch“ inszenierte. Eine Übernahme der Häuser durch den Kulturverein kam dann aber nicht zustande. Der Schulverband als Eigentümer verkaufte das gesamte Terrain an den Heiligenstedtener Architekten Ralf Momsen, der dort ein modernes Wohnquartier ganz im Zeichen der Inklusion errichten will. Geplant sind 12 oder 13 Eigentumswohnungen und daneben Gebäude mit 15 barrierefreien Mietwohnungen für Menschen mit Behinderungen. Mit Gemeinschaftsräumen und Unterkünften für Dienstleister soll dieser Bereich als ein Ort der Begegnung angelegt werden. Bei der Vorstellungen seiner Pläne kündigte Ralf Momsen an, dass er sich beim äußeren Erscheinungsbild der Neubauten an dem alten Bestand orientieren wolle. Auch sollen die neuen Gebäude sich von der Höhe her harmonisch in das Straßenbild einpassen. Ursprünglich sollte noch im Herbst diesen Jahres mit der Tiefgründung begonnen werden. Als Fertigstellungstermin war Frühjahr 2018 angepeilt worden.

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